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Diego Maradona steht in Argentinien mächtig unter Druck.

Asuncion - Erst Brasilien, jetzt Paraguay: Zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen musste Diego Maradona in der Nacht zum Donnerstag mit ansehen, wie der Gegner die Qualifikation für die WM feierte, während seine Mannschaft mit hängenden Köpfen vom Platz trottete.

Nelson Valdez von Borussia Dortmund schoss Paraguay mit dem 1:0 in der 28. Minute nach Südafrika - und Argentinien vorerst auf einen Relegationsplatz. Zwei Spieltage vor Ende der Qualifikation können sich die “Gauchos“ nicht mehr aus eigener Kraft qualifizieren - die WM-Teilnahme hängt am seidenen Faden. “He, Maradona! Wir sind schon dabei - und du?“, titelte die paraguayische Zeitung “Última Hora“ hämisch.

Doch Argentiniens Fußball-Idol gab sich kämpferisch. “Wie jede Mannschaft, die verliert, ist auch meine am Boden, aber die Spieler wissen, dass wir noch eine letzte Chance haben und die werden wir anpacken“, sagte Maradona. “Wir kämpfen bis zum letzten Blutstropfen um diese Qualifikation.“ Seinen Rücktritt schloss der 48-Jährige aus. “Ich werde meinen Vertrag erfüllen und sie werden mich auch nicht rausschmeißen.“ An einer Relegation sei auch “noch keiner gestorben“, versuchte er die erhitzten Gemüter der argentinischen Fans zu beruhigen.

Die gefallenen Helden des Fußballs

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Das dürfte alles andere als leicht werden. Fast drei Viertel der Anhänger sehen laut einer Internet-Umfrage der argentinischen Zeitung “Clarín“ in Maradona den Allein-Schuldigen für die Misere. Trotz vier neuer Spieler lief bei der “Albiceleste“ gegen Paraguay genauso wenig zusammen wie am Samstag gegen Brasilien. Die erste Chance hatte der glanzlos spielende Superstar Lionel Messi erst nach 70 Minuten, und Routinier Sebastián Veron kassierte die Gelb-Rote Karte (53.).

“Das Chaos, das schon immer in Maradonas Kopf war, haben wir jetzt auf dem Platz“, beschwerte sich ein argentinischer Fan, “zuerst erklärt unser Land vor einigen Jahren den Staatsbankrott und jetzt wohl auch noch den Fußball-Bankrott.“ Und auch das argentinische Sportblatt “Olé“ fragt sich: “Wo soll das hinführen, wenn noch nicht einmal der Fußball-Gott Maradona uns mehr helfen kann? Maradona ist irdisch und in Not.“

Während der gefallene Volksheld seiner Mannschaft vor den beiden noch ausstehenden Partien gegen Peru (10. Oktober) und Uruguay (14. Oktober) Selbstkritik verordnete, stand in Paraguay nach der erst achten WM-Qualifikation des Landes Feiern auf dem Programm. “Der Sieg war verdient, die Mannschaft hat alles gegeben“, jubelte Mannschaftskapitän Justo Villar.

Chile verpasste dagegen durch die 2:4-Niederlage gegen das bereits qualifizierte Brasilien die vorzeitige WM-Fahrkarte und rutschte auf den dritten Platz ab. Mit drei Treffern sorgte Nilmar fast im Alleingang für den neunten Sieg des fünffachen Weltmeisters in der Ausscheidungsrunde. Ecuador gewann in Bolivien mit 3:1 und kletterte mit 23 Punkten auf Rang vier. Auch Venezuela und Uruguay siegten und können mit 21 Zählern weiter von der WM-Teilnahme träumen. Die ersten vier Mannschaften der Tabelle qualifizieren sich direkt für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, der Fünfte muss in der Relegation gegen den Vierten aus Nord- und Mittelamerika antreten. Argentiniens Gegner wäre nach derzeitigem Stand Costa Rica.

dpa

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