„Die Saison war Werbung für die Bundesliga“

Wolfsburgs Felix Magath und sein Kapitän Josué mit der Meisterschale

Der Meistercoup von Felix Magaths VfL Wolfsburg war die Krönung für eine der spannendsten und spektakulärsten Spielzeiten in der 46-jährigen Bundesliga-Geschichte.

14 der 18 Clubs erlebten bis zur letzten Sekunde des Saisonfinales ein Fußball-Drama um Titel, Klassenverbleib und Europacup-Startplätze. Sechs Trainer verloren beim Kampf um Ruhm und Rettung den Job. Und die Zuschauer waren fasziniert von den Triumphen und Tragödien - und strömten in Massen wie nie zuvor in die Arenen: 13 027 226 Fans bei den 306 Partien sorgten für einen Zuschauerrekord (Vorjahr: 11 926 395).

“Das ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen“, sagte Magath nach dem 5:1 gegen Werder Bremen. Der 55 Jahre alte Chefcoach formte den Wolfsburger Werksclub, der 2006 und 2007 dem Abstieg knapp entronnen war, mit Hilfe einer Finanzspritze von rund 60 Millionen Euro zum Top-Verein der Liga. Großen Anteil am Sensations-Triumph hatte die “Tor-Fabrik“ Grafite (28) und Edin Dzeko (26), die insgesamt 54 Treffer erzielte und Gerd Müller/Uli Hoeneß (Bayern München/53) als erfolgreichstes Offensiv-Duo ablöste. Das Torjäger-Duo sorgte auch dafür, dass mit 894 Treffern die Einschuss-Quote von 2007/08 (860) übertroffen wurde.

Deutscher Meister 2009: VfL Wolfsburg

Die Wolfsburger Fans waren schon während des Spiels guter Dinge. Klar, die Ausgangslage war bereits vor der Partie bestens - und nach 15 Minuten gegen Bremen stand es ja auch schon 2:0. © dpa
Stürmer Grafite hatte mit seinen 28 Saisontoren maßgeblichen Anteil am Gewinn der Wolfsburger Meisterschaft. © dpa
Sommermärchen, Teil 2. So kann man es aus Wolfsburger Perspektive durchaus sehen. © dpa
Die Fans huldigten Felix Magath... © dpa
... und der ganzen Mannschaft. © dpa
Der Big Boss mit dem noch größeren Boss: Meistermacher Felix Magath (l.) mit dem VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn. © dpa
Im Blitzlichtgewitter: Felix Magath. © dpa
Grün-Weiße Euphorie. © dpa
Der Parade-Wolf: Grafite. © dpa
Der spielte ja auch mit: Diego bestritt für Werder Bremen sein letztes Bundesliga-Spiel. Immerhin gelang dem Brasilianer (wechselt wohl zu Juventus Turin) noch ein Treffer. © dpa
Die Wolfsburger machten aber fünf. © dpa
Auch in den Straßen der VW-Stadt ging es hoch her. © dpa
Grafite war bei den Fans einer der gefragtesten Spieler. © dpa
Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die Ordner versuchten zwar, die euphorisierte Masse zurückzuhalten... © dpa
... doch die VfL-Fans bahnten sich ihren Weg. © dpa
Dieses Tor hat wohl keine Zukunft mehr in der Volkswagen-Arena... © dpa
Ein Tänzchen für die Mitspieler von Grafite. Rechts der schweizer Keeper Diego Benaglio mit Landesfahne. © dpa
Ein Moment vollendeten Glückes: Kapitän Josué präsentiert die Meisterschale. © dpa
Konfettiregen für den Deutschen Meister. © dpa
Jeder will sie berühren, die Meisterschale. © dpa
Christian Gentner (l.) und Sascha Riether. © dpa
Grafite verpasst Felix Magath die obligatorische Bierdusche. © dpa
Da macht selber trinken doch mehr Spaß. © dpa
Ein „Busserli“ für die Schale von Diego Benaglio. © dpa
„Da ist das Ding“. Felix Magath mit der Schale. © dpa
Meistermacher Felix Magath bejubelt seine dritte Deutsche Meisterschaft. © dpa
„Wo isch mei Kanon“, sagte einst VfB-Goalgetter Fritz Walter. Was Torschützenkönig Grafite sagte, ist nicht überliefert. © dpa
Wolfsburger Jubeltraube. © dpa
Edin Dzeko ganz genießerisch mit Zigarre. © dpa
Felix Magath (l.) und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff beim Synchrontrinken. © dpa
Gratulation an Felix Magath und den VfL Wolfsburg! © AP

Dass Geld und ein Reformer wie Jürgen Klinsmann keine Garanten für den Erfolg sind, erlebte Rekordmeister Bayern München. “Glückwunsch an die Mannschaft, den Club und an Felix Magath, der einen richtig guten Job gemacht hat“, sagte Bayern-Nothelfer Jupp Heynckes, der in fünf Spielen den direkten Einzug in die Champions League sicherte. “Ich habe zum ersten Mal gemerkt, dass man sich auch über einen zweiten Platz freuen kann. Meine Mission ist erfüllt.“ Generös gab sich Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: “Wolfsburg ist zum ersten Mal Meister, wir waren es 21 Mal. Da ist Platz zwei kein Beinbruch.“

Während die Münchner nach dem 2:1 gegen den VfB Stuttgart mit dem Champions-League-Millionen auf Einkaufstour gehen wollen, müssen die Schwaben auf Platz drei noch um den Einzug in die “Königsklasse“ bangen. “Als Dritter Feierabend zu machen, ist sensationell“, jubelte Markus Babbel trotzdem. Der Bundesliga-Trainernovize ohne Lizenz hat die Stuttgarter damit von elften auf den dritten Rang geführt.

Ein Happy End feierte auch der Hamburger SV, der mit dem 3:2 bei Eintracht Frankfurt noch Borussia Dortmund verdrängte und den Last- Minute-Einzug in die Europa League schaffte. “Der fünfte Platz fühlt sich jetzt als großer Erfolg an“, meinte HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann. Zuvor waren die Hanseaten vom Titel-Kurs abgekommen und im DFB-Pokal sowie UEFA-Cup jeweils im Halbfinale ausgeschieden.

Frust pur herrschte beim BVB nach dem 1:1 bei Borussia Mönchengladbach. “Das ist natürlich an Tragik kaum zu überbieten“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Nicht weniger groß war die Enttäuschung bei Hertha BSC, die mit der 0:4-Blamage beim Karlsruher SC aus den Champions-League-Rennen flogen. “Ich bin sehr enttäuscht und emotional aufgewühlt“, gestand Hertha-Manager Dieter Hoeneß.

Jubel und Tränen gab es im Tabellen-Keller. Untergangsstimmung herrschte nach dem siebten Abstieg bei Arminia Bielefeld, die trotz eines 2:2 gegen Hannover 96 vom Relegations-Rang 16 auf den 18. Platz abstürzte. “Feuerwehrmann“ Jörg Berger, der für den geschassten Michael Frontzeck für dieses “Endspiel“ als Trainer einsprang, meinte resigniert: “Ich musste vorher damit rechnen, dass nicht alles so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Im Tal der Depressionen war auch der KSC als zweiter Absteiger nach dem nutzlosen Sieg über die Hertha. Torwart Markus Miller: “Das ist ein bisschen wie ein Trauma.“

Wie im Himmel wähnten sich dagegen die Gladbacher, denen das Remis gegen den BVB zum Klassenverbleib reichte. “Da fallen einem einige Steine vom Herzen“, sagte Borussia-Sportdirektor Max Eberl erleichtert. Ob Trainer Hans Meyer in der neuen Saison noch Regie führen wird, ließ er offen. Weiter bangen muss Energie Cottbus, das mit 3:0 den Pokal-Finalisten Bayer Leverkusen düpierte und noch den Sprung in die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten schaffte.

Fest steht, dass der FC Bayern mit dem niederländischen Trainer Louis van Gaal national und international 2009/10 nach Titel streben wird. Meistercoach Magath will Krisenclub FC Schalke 04, der sich mit einem 2:3 gegen den in der Rückrunde durchgereichten “Herbstmeister“ 1899 Hoffenheim (7.) und Platz neun in den Urlaub verabschiedete, einen Neuanfang machen. Ein schweres Erbe tritt in Wolfsburg Armin Veh an, der als neuer Chefcoach verpflichtet worden ist.

“So eine spannende Saison ist natürlich ein großer Werbeeffekt für die Bundesliga“, resümierte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der im zum Duell der “Großen Verlierer“ gewordenen DFB- Pokalfinale am Samstag in Berlin gegen Werder Bremen noch auf ein glückliches Saisonende hofft. Dass Wolfsburg den Titel gewonnen hat, sei auch ein Zeichen für die Ausgeglichenheit der Liga. “Es kann auch einer Meister werden, der nicht zu den Top-Favoriten gehört.“

Zahlreiche Videos von den Wolfsburger Meisterfeierlichkeiten finden Sie hier

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