Hoeneß: „Der UEFA- Cup wäre fatal“

Manager Uli Hoeneß: “Was in Wolfsburg passiert, ist Casino.“
+
Manager Uli Hoeneß: “Was in Wolfsburg passiert, ist Casino.“

München/Stuttgart - Insgeheim hoffen die Bayern noch auf ein Wunder. Manager Uli Hoeneß spukt aber auch das Schreckgespenst vom Absturz auf Rang vier im Kopf herum: “Der UEFA- Cup wäre fatal.“

Träumen, Bangen, Kämpfen: Insgeheim hoffen der fast schon entthronte Titelverteidiger Bayern München und der 2007-Champion VfBStuttgart doch noch auf ein Meister-Wunder - die Angst vor einem Scheitern im Millionen-Endspiel um Platz zwei ist aber ungleich größer. Die Gefahr, beim Saisonfinale der Fußball- Bundesliga als Verlierer des brisanten “Süd-Gipfels“ womöglich auf Rang vier abzustürzen und damit aus den Champions-League-Plätzen zu fallen, ist realer als die Wahrscheinlichkeit eines Wolfsburger Blackouts im Heimspiel gegen die UEFA-Cup-Final-Verlierer des SV Werder Bremen. “Was in Wolfsburg passiert, ist Casino“, meinte Bayern-Manager Uli Hoeneß, der seinen Alptraum benannte: “Der UEFA- Cup wäre fatal.“

Lesen Sie auch:

Magath warnt vor “unzufriedener“ Bremen-Truppe

Millionen-Spiel beim Bundesliga-Finale

Um im Kampf um die direkte Champions-League-Teilnahme allen Rechenspielen aus dem Weg zu gehen, benötigen Bayern und Stuttgartin der ausverkauften Allianz Arena einen Sieg. Denn bei jeweils 64 Punkten lauert im Hintergrund die nur einen Zähler schlechtere Berliner Hertha. “Wir haben die Chance, etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Ich spreche nicht vom Titel, sondern von Platz zwei“, sagte Markus Babbel, der seine bisherige Arbeit als Teamchef ohne Trainerschein ausgerechnet in seiner Heimatstadt München krönen würde. Von “positiven Druck“ sprach VfB-Manager Horst Heldt: Denn wer hätte gedacht, dass sich beide Mannschaften wenige Monate nach dem Stuttgarter 1:5-Debakel im DFB-Pokal am letzten Bundesliga-Spieltag noch einmal auf Augenhöhe begegnen würden?

Für die Bayern wäre Rang zwei höchstens ein Trostpreis im Jahr des gescheiterten Klinsmann-Experimentes. “Mit der Champions-League- Qualifikation hätten wir ein wichtiges Ziel erreicht“, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Jupp Heynckes würde so seine Fünf-Spiele-Mission zu einem guten Ende führen. “Wir haben nur eine Bestrebung, das Spiel zu gewinnen“, sagte der 64 Jahre alte Coach, der anschließend in die Frührente zurückkehrt. Heynckes demonstrierte am Freitag Selbstbewusstsein: “Der Gegner ist ein großes Kaliber, aber wir haben ein Heimspiel. Und wir sind der FC Bayern.“

Alte Geister beschwören

Unterhaching 2000 ist die letzte Bayern- und Schwaben-Hoffnung: Damals verspielte Bayer Leverkusen am letzten Spieltag sogar einen Drei-Punkte-Vorsprung. Dieses Mal muss die Haching-Rolle Werder Bremen übernehmen, und das ausgerechnet drei Tage nach dem verlorenen UEFA-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk. Heynckes setzt für eine Sensation im Titelendspurt auf die Motivationskünste seines Kollegen Thomas Schaaf. “Ich weiß aus eigener Erfahrung als Trainer, dass meine Mannschaft nach einer solchen Niederlage wieder anziehen muss, um sich für das Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen zu präparieren. Das weiß auch Thomas Schaaf - und das kann unsere Chance sein.“

Womöglich spielen auch den “Wölfen“, denen wohl schon ein Punkt gegen Bremen zum Titel reicht, die Nerven einen Streich. “Bayern ist schon einige Male auf den letzten Drücker Meister geworden - nichts ist unmöglich“, meinte Bayern-Kapitän Mark van Bommel.

Die Luft dürfte brennen in der Arena. “Das wird ein richtig gutes Fußballspiel“, glaubt Heynckes. Lukas Podolski wird (neben Heynckes, Willy Sagnol und Massimo Addo) nach drei insgesamt schlechten Jahren in München mit einem warmen Applaus verabschiedet werden. “Es gibt Leute, die sagen, Lukas Podolski ist beim FC Bayern gescheitert, aber das sehe ich überhaupt nicht so“, sagte der Nationalstürmer vor seinem letzten Spiel im Bayern-Trikot.

Spießrutenlauf für Jens Lehmann

Gellende Pfiffe erwarten dagegen VfB-Schlussmann Jens Lehmann, zumal der ohnehin in München unbeliebte frühere Kahn-Rivale mit seiner Schiedsrichter-Kritik “Stimmungsmache“ betrieb, wie Rummenigge anprangerte. Im Fokus steht zudem der 23-fache Saisontorschütze Mario Gomez, der beim Rekordmeister weiter auf der Wunschliste steht und die Münchner aus allen Meister-Träumen schießen könnte.

“Es wird ein richtiges Endspiel“, sagte Gomez, der selbstbewusst einen 2:1-Sieg getippt hat - in seinem womöglich letzten Spiel für den VfB. In der Vorbereitung auf das Endspiel um Platz zwei haben beide Clubs keine verückten Dinge gemacht. “Man muss die letzten Kräfte wecken“, betonte Hoeneß und prophezeite: “Es wird ein Nervenspiel.“

dpa

Kommentare