Kahn kritisiert die Bundesliga

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Schon zu seiner aktiven Zeit war Oliver Kahn in Asien ein großer Star.

Shanghai - Beim Blick auf die imponierende Skyline von Shanghai sind Deutschland und die Bundesliga für Oliver Kahn ganz weit weg.

Nach der kurzen Liaison mit dem FC Schalke 04 hat der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter seine kurzzeitig aufgeflammten Manager-Ambitionen fürs erste wieder zurückgestellt. “Momentan macht es keinen Sinn, über irgendwelche Aufgaben in irgendeinem Bundesliga-Verein nachzudenken“, bemerkt Kahn auf der Dachterrasse des 32 Stockwerke hohen Hyatt-Hotels mit dem Blick auf die leuchtenden Wolkenkratzer. Aktuell produziert der seit der WM 2002 in Asien sehr populäre einstige “Titan“ noch bis Mitte Juni für das chinesische Fernsehen eine zehnteilige TV-Show mit jungen Torhüter-Kandidaten. “Die Sache hier ist mir sehr wichtig, darauf setze ich den Fokus.“

Für die Werbetour des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Bundesliga ließ er sich gerne einspannen, beim Galaabend am Rande des ersten Länderspiels der Nationalmannschaft am Freitag in China war der 39-Jährige der Star. Im landestypischen Anzug mit Stehkragen spielte Kahn souverän seine Rolle als Werbefigur. “Ich kann hier für eine Aufmerksamkeit sorgen“, betonte Kahn - “aber nur temporär“.

Abseits des offiziellen Programms warnte der Asien-Kenner die Verbands-Funktionäre vor Blauäugigkeit: “In Deutschland wird immer von einem interessanten Markt gesprochen. Aber wenn man wirklich in den hinein möchte, reicht es nicht, als FC Bayern München oder als Nationalmannschaft hier einmal im Jahr ein Spiel zu machen. Ich muss eine permanente Präsenz erzeugen, permanent zu sehen sein, nicht nur nachts um zwölf oder eins, wenn hier die meisten Leute im Bett liegen. Es muss auch vernünftige Anstoßzeiten für die Chinesen geben. Es ist nicht damit getan, von irgendwelchen Märkten zu sprechen, wo man einmal im Jahr vorbeikommt. So einfach ist es nicht.“

Bundesliga: Die besten Sprüche aus der Saison 2008/2009

„Das war kein Zuckerbissen für die Fans.“ (Stuttgarts Mario Gomez nach dem 2:0 gegen Gladbach) © dpa
„Das war heute eine Mannschaft, die hatte eine Blutgruppe. Und diese Blutgruppe lautete Sieg.“ (Kölns Trainer Christoph Daum nach dem 1:0 beim Hamburger SV) © dpa
„Wir sind wie ein Eichhörnchen. Am 34. Spieltag wird man wissen, ob es verhungert ist oder nicht.“ (KSC-Torhüter Markus Miller in dem Unwissen, am Ende doch verhungert zu sein) © dpa
„Wenn Jürgen der Obama des deutschen Fußballs ist, dann bin ich Mutter Teresa.“ (Bayern-Manager Uli Hoeneß im DSF-Doppelpass über die Aussage des TV-Moderators Günther Jauch, Klinsmann sei „der Barack Obama des deutschen Fußballs“) © dpa
„Bei einem Schüler würde man sagen: spiel Flöte oder Klavier, aber hör mit dem Fußballspielen auf. Und das ist ein Weltmeister - das ist unverzeihlich.“ (Premiere-Experte Franz Beckenbauer über Wolfsburgs Verteidiger Cristian Zaccardo, der in Stuttgart den Ball am leeren Tor vorbeigeschossen hatte) © dpa
„Ich werde auf jeden Fall nach vier Wochen Schluss machen - mein Hund wartet schon. Er vermisst mich und ich ihn.“ (Interimstrainer Jupp Heynckes von Fußball-Meister Bayern München auf die Frage, ob er nicht auch in der kommenden Saison auf der Bayern-Bank sitzen wolle) (SID) © dpa
„Wir schicken ein paar Fässer Spreewaldgurken nach Hannover.“ (Cottbus' Manager Steffen Heidrich nach dem Erreichen des Relegationsplatzes mit Blick auf die Schützenhilfe von Hannover 96) © dpa
„Si tacuisses, philosophus manuisses - das bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst Du ein Philosoph geblieben“ (Bayern-Manager Uli Hoeneß über das Interview von Ex-Trainer Jürgen Klinsmann am vergangenen Mittwoch bei stern.tv, in dem der Geschasste die Klubführung des FC Bayern kritisiert hatte) © dpa
„Felix Magath hat es geschafft, aus einer mittelmäßigen Mannschaft einen deutschen Meister zu machen. So ein Erfolg ist mehr wert, als wenn man mit dem FC Bayern zweimal hintereinander Meister wird. Das ist eine Krönung wert.“ (Franz Beckenbauer bei Premiere über Meister-Coach Felix Magath) © AP
„Der Anfangsbuchstabe des neuen Trainers ist V!“ (VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn bei Premiere über den künftigen Wolfsburger Trainer Armin Veh, bevor dieser offiziell bestätigt wurde) © dpa
„Gratulation an Hoffenheim zum Sieg, an den VfL Wolfsburg zur deutschen Meisterschaft und an meinen alten Verein Fortuna Düsseldorf zum Aufstieg in die 2. Liga.“ (Schalkes Interimstrainer Mike Büskens nach dem 2:3 gegen 1899 Hoffenheim) © dpa
„Das ist das einzig Positive heute.“ (Schalkes Torwart Manuel Neuer zum Aus des Erzrivalen Borussia Dortmund im Rennen um einen Europapokalplatz) © dpa
„Für uns ist es wichtig, wieder ein Gesicht zu bekommen. Poldi ist ein Gesicht“ (Kölns Manager Michael Meier über Rückkehrer Lukas Podolski) © dpa
„Ich weiß nicht, ob sich jeder freut. Ich weiß nur, dass jeder topfit sein wird.“ (Schalkes Jermaine Jones über den neuen Trainer Felix Magath) © dpa
„Machen sie das Fenster auf. Los, machen sie schon. Hört man schon was? Die Fans fordern sicher wieder meinen Kopf. Oder hab' ich schon Halluzinationen?“ (Arminia Bielefelds Coach Michael Frontzeck auf der Pressekonferenz nach dem 0:2 gegen Mönchengladbach) © dpa
Es folgen die besten Sprüche aus der Bundesliga-Hinrunde © 
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“Wir müssen die ganzen 95 Minuten konzentriert sein.“ (Vedad Ibisevic, Hoffenheimer Torjäger, nach 90 Minuten beim 2:5 am dritten Spieltag in Leverkusen) © dpa
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“Wir stehen nur dort, weil H wie Hoffenheim vor S wie Schalke kommt.“ (Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick zur überraschenden Tabellenführung des Aufsteigers nach dem ersten Spieltag) © dpa
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“Wenn wir jetzt schon vorn wären, wär's doch langweilig.“ (Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß nach dem 1:1 in Dortmund und nur zwei Punkten aus den ersten beiden Partien) © Sampics
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“Ich war sehr aufgeregt und musste vorher zweimal mehr pinkeln als sonst.“ (Trainer Hans Meyer am neunten Spieltag zu seinem Comeback bei Borussia Mönchengladbach) © dpa
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“Solange die Schuhe Tore machen, ist die Farbe okay.“ (Bayern-Profi Franck Ribéry zu neuen rosafarbenen Schuhen seines Ausrüsters, mit denen er beim 4:1 gegen Cottbus am 14. Durchgang ein herrliches Freistoßtor erzielte) © dpa
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"Es macht mir Spaß, mir das Leben schwer zu hmachen. Deshalb bin ich Fußball-Lehrer." (Schalkes Ex-Trainer Fred Rutten auf Kritik an seiner Aussage, er sei mit der Leistung von Kevin Kuranyi zufrieden). © dpa
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“Wenn überhaupt, schaue ich auf Platz 16.“ (Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick nach der erneuten Tabellenführung am siebten Spieltag) © dpa
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“Mannschaft ohne Pulsschlag - Vorstand ohne Ratschlag - Tour durch GE & Grubenfahrt statt Bibelnachmittag!“ (Spruchband unzufriedener Schalke-Fans beim Spiel am 6. Dezember gegen Hertha BSC) © dpa
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“Das war heute so ein Tag, an dem man sich beim Nasebohren den Finger bricht.“ (Bayern-Präsident Franz Beckenbauer im Anschluss an das 2:5 der Münchner am 5. Spieltag gegen Werder Bremen) © dpa
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“Wir haben Respekt vor dem, was Hoffenheim macht. Das ist schön anzuschauen. Aber noch haben sie nichts gewonnen.“ (Bayern-Profi Mark van Bommel am zehnten Spieltag über den weiter furiosen Aufsteiger) © Sampics
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“Das war's für mich. Ich hab' geschrien, ich hab' geflüstert, ich hab' gegähnt, ich hab' gezittert, ich hab' gefroren, ich hab' geschwitzt, aber ich hab' Spaß gehabt. Jedenfalls meistens in diesen 36 Jahren.“ (Radiomann Manfred “Manni“ Breuckmann bei der Schluss-Reportage seiner Karriere) © dpa
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"Wenn du fünf Spiele in Folge verloren hast und dann nach ein paar Sekunden schon wieder 0:1 zurückliegst - wenn da elf Gräber gewesen wären, wären wir hineingehüpft." (KSC-Kapitän Christian Eichner zum Gemütszustand des Teams nach dem 0:1 gegen Leverkusen). © dpa
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“Für uns war es wichtig zu zeigen, dass wir auswärts in der Lage sind, überall zu punkten.“ (Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel nach dem 0:1 am Samstag in Hamburg) © dpa
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“Bitte nicht so schnell sprechen wie Hoffenheim gespielt hat.“ (Hannovers Medienchef Andreas Kuhnt zu Fragestellern in der Pressekonferenz nach dem 2:5 am achten Spieltag gegen den Aufsteiger) © dpa
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"Sie sind wirklcih von FC-Bayern-TV? Sie müssen sich in der nächsten Woche einen neuen Job suchen". (Bayern-Manager Uli Hoeneß auf die Frage des Reporters, ob er beim 1:0 in Karlsruhe die "Dusel-Bayern" erlebt habe). © dpa
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“Es hat schön Aua gemacht. Ich habe ihn schon beschimpft.“ (Bayern-Stürmer Miroslav Klose nach dem 2:1 am 16. Spieltag gegen Hoffenheim über seinen Torhüter Michael Rensing; Rensing hatte Klose bei einer Abwehraktion angesprungen) © Sampics
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"Letztes Jahr 4:0, heute 2:5 - von der Tordifferenz her haben wir gewonnen (Bayern-Kapitän Mark van Bommel nach der 2:5-Niederlage gegen Werder Bremen). © dpa
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“Wenn wir Meister werden, dann haben wir auch einen Balkon oder finden eine Lösung dafür.“ (Hoffenheims Ortsvorsteher Karl-Heinz Hess nach Spieltag elf zu der Tatsache, dass das Rathaus in dem Sinsheimer Ortsteil für den Fall der Fälle nicht über eine geeignete Balustrade verfügt) © dpa
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“Den Ball haut man entweder ins Tor oder in den Neckar.“ (Sami Khedira über seinen spektakulären Ausgleichstreffer zum 2:2 am 17. Spieltag gegen Bayern München) © Sampics
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“Wenn es hier nach Schweiß stinkt, bin ich das. Das Spiel war so aufregend.“ (Dortmunds Chefcoach Jürgen Klopp nach dem dramatischen 3:3 des vierten Durchgangs gegen Schalke 04) © dpa
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“Ein Dorf, 8 gesponserte Fans, 99 Prozent Investor - das nennt ihr Tradition?“ (Schmäh-Spruchband in der Kölner Fankurve beim 1:3 am 14. Spieltag gegen Neuling Hoffenheim) © dpa
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“Wenn man sich nicht mehr aufregen darf und wie ein Klosterschüler dasitzen muss, ist es besser, man hört auf.“ (Bochums Chefcoach Marcel Koller nach seinem “Platzverweis“ am 13. Spieltag und dem 1:1 in Hannover) © dpa
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“Ich habe einen Zahnarzt-Termin und bekomme ein neues Gebiss. Ich werde nicht beim Training sein. Schreibt deshalb nicht, ich wäre gefeuert.“ (Mönchengladbach-Coach Hans Meyer nach dem 1:3 am 15. Spieltag gegen Cottbus) © dpa
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"Für Streicheleinheiten müssen wir uns eine Katze kaufen." (Miro Klose auf die Frage, ob Lukas Podolski eine größere Fürsorge des Klubs benötige). © dpa

Auch wenn die Deutsche Fußball Liga (DFL) während des kurzen Aufenthaltes der Nationalelf in Shanghai stolz die Verlängerung des Vertrages mit dem chinesischen Sender CCTV um drei Jahre bis 2012 bekanntgab, steht die Bundesliga im bevölkerungsreichsten Land der Erde noch ganz am Anfang. 0,2 bis 0,3 Prozent beträgt der Marktanteil, den die Bundesligaspiele von Bayern oder Wolfsburg erzielen. “Die amerikanische Basketball-Liga hat es vorgemacht, wie's geht“, schildert Kahn: “Man muss erst einmal investieren und für eine dauerhafte Präsenz sorgen. Der Prozess ist nicht mit einem Freundschaftsspiel einmal im Jahr zu bewältigen.“

Er selbst hofft, dass beim Start seiner Torwart-Talent-Show Mitte Juni viele Millionen Chinesen vor dem Bildschirm sitzen werden. Sechs von zehn Folgen sind bereits produziert. “Ich habe mit zehn Kandidaten angefangen, jetzt sind es noch vier. Es ist gigantisch, was man da erlebt, wie wissbegierig die Jungen sind, wie sie alles aufsaugen, sich verbessern wollen“, erzählt Kahn. Ein Junge aus Tibet hat es ihm besonders angetan, wie er vorab verrät: “Dessen Vater hat gesagt: 'Junge, du musst Torwart werden, weil als Torwart lernst du unheimlich viel über das Leben.'“ Das gefällt dem Extrem-Torhüter. “Mut, Verantwortung sind zwei Schlagwörter. Die Jungen wachsen einem mit der Zeit ans Herz“, sagt der Vater zweier Kinder.

Seit vier Wochen ist er in Shanghai, der Einblick in eine andere Welt beeindruckt ihn. “Es ist eine gigantische Metropole, die kaum zu überblicken ist. China hat 1,3 Milliarden Einwohner, Deutschland 80 Millionen. Und die Chinesen sind gerade am Übergang in eine neuere Zeit.“ Bis Mitte Juni wird er noch bleiben, dann geht's heim nach München. “Es ist faszinierend, in die Kultur einzutauchen. Aber immer leben in so einer 18-Millionen-Metropole? Das ist schwierig.“ Die Bundesliga ohne Kahn - es muss kein Dauerzustand sein.

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