Nach nur einem Spiel: Berger verlässt Bielefeld

Jörg Berger
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Kaum war er da, ist er auch schon wieder weg: Jörg Berger

Bielefeld - Kaum war der siebte Bundesliga-Abstieg besiegelt, machte sich Untergangsstimmung breit und Trainer Jörg Berger ging nach der missglückten Blitz-Rettungsaktion wieder von Bord.

Einen Tag nach dem 2:2 gegen Hannover 96 trennten sich die Wege von Arminia Bielefeld und dem 64 Jahre alten Fußball-Lehrer schon wieder. “Wir haben uns noch am Samstagabend zusammengesetzt und waren übereinstimmend der Meinung, nicht gemeinsam in die nächste Saison zu gehen“, teilten die Ostwestfalen am Sonntag mit. Berger verabschiedete sich am Morgen nach nur fünf Tagen im Amt wieder von der Mannschaft. Er habe einen “intakten Verein“ vorgefunden und durch die Fans eine “fantastische Unterstützung“ erfahren, sagte er.

Noch lange nach dem Schlusspfiff lag Bielefelds Torjäger Artur Wichniarek weinend im Mittelkreis. Nicht weit entfernt forderten wütende Fans den Rücktritt der Clubspitze und mussten wenig später von Ordnungskräften mit körperlichem Einsatz an der Erstürmung der Haupttribüne gehindert werden. Der Absturz vom Relegations- auf den letzten Tabellenplatz versetzte die Arminia in einen Schockzustand - und deckte tiefe Risse auf. “Das war der bitterste Abstieg, den ich miterlebt habe. Ich dachte, nach so langer Bundesliga-Zugehörigkeit sei das Team gefestigter“, klagte Präsident Hans-Hermann Schwick.

Anders als in den vergangenen vier Jahren blieb das Happy End im Überlebenskampf trotz der guten Ausgangsposition diesmal aus. Mit Nürnberg hält Bielefeld nun gemeinsam den Bundesliga-Abstiegsrekord. Sichtlich mitgenommen nahm sich Schwick die Sportliche Leitung um Detlev Dammeier und Berger-Vorgänger Michael Frontzeck zur Brust. “Ich hatte schon vor der Saison auf die falsche Struktur in der Mannschaft hingewiesen und noch in der Winterpause neue Stürmer gefordert“, kritisierte Schwick. Für die auf großen Spruchbändern formulierte Kritik der Anhänger an seiner Arbeit brachte er wenig Verständnis auf. “Das ziehe ich mir nicht an. Aber ich hätte schon viel früher auf den Tisch hauen sollen.“

Zehn sieglose Spiele in Serie und insgesamt nur vier Saisonerfolge erwiesen sich als zu schwere Hypothek. Auch Last-Minute-Trainer Berger konnte keine Trendwende einleiten. Hannovers Torschützen Jiri Stajner (57. Minute) und Sergio Pinto (84.) nahmen den Bielefeldern alle Hoffnungen, die im Anschluss an das frühe Eigentor von Abwehrspieler Mario Eggimann (2.) aufgekommen waren.

Neben Schwick stand Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch im Zentrum der Kritik. Viele Fans warfen beiden Führungskräften ein zu spätes Gegensteuern vor. Kentsch versuchte die Kritik zu entkräften: “Angesichts der vielen Unentschieden war es schwierig zu beurteilen, ob Trainer Frontzeck die Mannschaft noch erreicht.“ Erst nach der 0:6-Schlappe in Dortmund am zweitletzten Spieltag gaben sie dem Fußball-Lehrer den Laufpass. “Hätte das Team öfter deutlich verloren, wäre der Handlungsbedarf eher zu erkennen gewesen“, sagte Kentsch.

Nach fünf Jahren in der 1. Liga müssen die finanziell ohnehin nicht auf Rosen gebetteten Bielefelder ihren Gürtel nun noch enger schnallen. Von vormals 15 Millionen auf künftig rund acht Millionen Euro wird der Etat für den Zweitliga-Kader schrumpfen. Spieler wie Top-Torschütze Wichniarek (90.) und Torhüter Dennis Eilhoff dürften kaum zu halten sein. Zudem ist völlig offen, welcher Trainer das Team zurück in die Bundesliga führen soll. Doch zumindest am Samstag war Wichniarek mit seinen Gedanken noch ganz bei der Arminia: “Wir sind selber schuld. Wir hatten es in der eigenen Hand und haben es wieder versaut.“

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