Von Papierkugeln und Provokationen: Saison-Kuriositäten

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Eine Papierkugel im UEFA-Cup-Halbfinale wird berühmt.

Tore, Punkte, Kuriositäten - Der abgelaufenen Bundesliga-Saison mangelte es nicht an Unterhaltungswert.

Nicht nur der spannende Meister- und Abstiegskampf sorgte für Schlagzeilen: In Bremen wurde aus einer Papierkugel ein Kultobjekt, in München aus einem Rathausbalkon-Interview ein Ärgernis.

KULTOBJEKT: Für die HSV-Fans ist sie noch heute ein Ärgernis, für den Werder-Anhang längst ein Kultobjekt - Die von einem Fan auf den Rasen geworfene Papierkugel ebnete den Bremern im zweiten UEFA-Cup- Halbfinale gegen die Hamburger den Weg ins Finale. Die Kugel wurde zum Stolperstein: Statt zu Torhüter Rost spielte HSV-Verteidiger Gravgaard den Ball ins Toraus. Die anschließende Ecke nutzte Werder zur entscheidenden 3:1-Führung. Das in Anspielung auf Maradonas “Hand Gottes“ im Internet als “Papierkugel Gottes“ feilgebotene Kultobjekt brachte stattliche 4 510 Euro für den guten Zweck ein. Und macht die Erinnerung an die vier Duelle beider Teams binnen 19 Tagen einfacher.

PROVOKATION: Er gilt eigentlich als sehr besonnen, konnte sich die kleine Provokation jedoch nicht verkneifen. Nur wenige Tage vor dem Showdown im Meister-Drama gab Magath ein TV-Interview auf dem Rathausbalkon - nicht im heimischen Wolfsburg, sondern im fernen München. “Wer so gute Arbeit leistet, darf ein bisschen frech sein“, kommentierte Bayern-Manager Hoeneß den ungewöhnlichen Auftritt des Wolfsburger Trainers. Münchens Vorstandschef Rummenigge konterte mit dem Hinweis auf den fehlenden “Meister-Balkon“ in Wolfsburg. Magath selbst gab sich später reumütig. “Ich habe einen Fehler gemacht. Ich werde ihn kein zweites Mal machen.“

RAUSWURF: Als er kurz nach dem Abpfiff von den Gedankenspielen erfuhr, stutzte er: “Zu diesem Zeitpunkt, das hätte eine besondere Note“, kommentierte der Bielefelder Trainer Frontzeck. Stunden später war es Gewissheit: Das 0:6 beim BVB kostete den Fußball-Lehrer den Arbeitsplatz - nur eine Woche vor dem letzten Spieltag. Eine solch ungewöhnliche Trainerentlassung hatte es in der Bundesliga zuvor nur einmal gegeben: Vor 32 Jahren musste der erfolglose Pliska in Essen seinen Hut nehmen. In Gegensatz zu Bielefeld stand RWE zu diesem Zeitpunkt aber bereits als Absteiger fest. Nachfolger Berger konnte das Unheil jedoch nicht abwenden.

DUSELTOR/GENIESTREICH: Der eine traf aus 46,5 Metern mit einer als Abwehr gedachten Grätsche, der andere nach einem für die Gegner demütigenden Solo. Die Schützen der kuriosesten Saisontore heißen Langkamp und Grafite. Der Karlsruher schrieb gleich mit seinem ersten Bundesliga-Treffer Geschichte. Aus seiner Grätsche gegen Augusto am Mittelkreis wurde ein Schuss, der sich über Leverkusens verdutzten Keeper Adler hinweg ins Tor senkte. Der Geniestreich von Wolfsburgs Grafite drei Wochen zuvor bereitet den Münchner Profis noch heute schlechte Träume: Der Brasilianer tanzte die halbe Bayern-Abwehr aus und versenkte den Kullerball frech mit der Hacke im Tor.

WANGENWISCHER: Das wichtige 2:0 der Nationalmannschaft in Wales geriet fast zur Nebensache. Statt über die gute Ausgangsposition in der EM-Qualifikation zu reden, gab es in der Fußball-Nation nur ein Gesprächsthema: Der Wangenwischer von Podolski gegen Ballack. Aus Verärgerung über die taktischen Anweisungen des Mannschaftskapitäns war der Bayern-Angreifer handgreiflich geworden. Zur Wahrung des Betriebsfriedens verordneten Trainer Löw und Manager Bierhoff eine umgehenden Aussprache der Streithähne. “Wir haben Lukas und Michael zusammengebracht, dass da nichts hängen bleibt. Es ist wichtig, dass das innerhalb von drei Minuten ausgeräumt war“, sagte Bierhoff.

TORALLERGIE: Diese Bestmarke hätte sich Abwehrspieler Schuler liebend gern erspart. Als wäre das 0:6 in Dortmund nicht deprimierend genug, musste sich der Bielefelder am zweitletzten Spieltag noch den Fragen nach seiner scheinbar ewig währenden Torlosigkeit stellen. Auch nach seiner 181. Bundesliga-Partie steht bei ihm die Null. Damit überbot Schuler den Rekord des ehemaligen Gladbachers Eichin, der in 180 Erstliga-Einsätzen zwischen 1985 und 1999 leer ausgegangen war. Sollte Schuler seine Torallergie beenden, würde er aus der Statistik gestrichen. Darin werden nämlich nur die allzeit erfolglosen Spieler geführt. Doch Bielefelds Abstieg erschwert das Unterfangen: Vorerst steht Schuler mit nunmehr 182 Torlos-Spielen in den Fußball-Annalen.

dpa

Zahlreiche Videos von den Wolfsburger Meisterfeierlichkeiten finden Sie hier

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