Sommer-Theater bei Hertha BSC Berlin

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Schlechte Stimmung herrscht derzeit bei Hertha BSC Berlin.

Berlin - Kapitän kontra Trainer, Manager kontra Präsident, Anspruch kontra Wirklichkeit: Hertha BSC steht nach der verpassten Meister- und Champions-League-Chance vor einem heißen Sommer.

Nach einer hoffnungsvollen, am Ende aber ernüchternden Saison bemühten sich die Protagonisten des Berliner Fußball-Bundesligisten auf der Vereins-Vollversammlung zwar, den 666 anwesenden von insgesamt 17 000 Mitgliedern das Bild von der heilen Hertha-Welt zu erhalten. Doch nicht erst nach dem 0:4-Debakel bei Absteiger Karlsruher SC ist der Friede beim Hauptstadt-Club in höchster Gefahr.

Der von Trainer Lucien Favre zuletzt auf die Ersatzbank versetzte Kapitän Arne Friedrich hielt sich auf der Versammlung zwar noch zurück, am Montag übermittelte er via “Bild“-Zeitung jedoch klare Botschaften: “Ich war absolut fit und heiß und hätte dem Team helfen können. Das muss jetzt der Trainer verantworten.“ Zwar sei es nichts Persönliches, aber für ihn sei auch klar: “Als Kapitän muss man in so einer wichtigen Phase spielen.“

Favre hatte bei seiner Entscheidung auf die Verletzungspause des Nationalspielers verwiesen. Friedrich, der am Dienstag mit der DFB-Auswahl nach Asien reisen wird, will seinem Verein zwar weiter treu verbunden bleiben, sagte jedoch auch: “Aber hängen bleibt natürlich immer etwas.“

Auch in der Chefetage rumort es weiterhin. “Wir haben einen Generations- und Verantwortungswechsel vor uns“, benannte Präsident Werner Gegenbauer den tiefer liegenden Knackpunkt. Manager Dieter Hoeneß wird am Ende der kommenden Saison wie schon lange angekündigt seinen Stuhl räumen.

Der Unternehmer Gegenbauer und weitere Kritiker des Managers sehen die Chance, schon in den kommenden Wochen die Machtverhältnisse bei Hertha neu zu ordnen. Der Präsident hat ein externes Unternehmen damit beauftragt, die Führungsstrukturen und -kräfte des Clubs zu durchleuchten. In diesen Tagen soll es die ersten Ergebnisse geben. Das sei “keine Spinnerei“, sondern eine “objektive Beurteilung der Mitarbeiter“, verteidigte Gegenbauer vor den Mitgliedern die Maßnahme, die mitten im Saison-Endspurt ablief.

Präsident und Manager wurden von Mitgliedern auf die Konflikte offen angesprochen. Zumindest wollen sich die einstigen Freunde, die sich zuletzt nur mit Skepsis und versteckten Vorwürfen begegneten, offenbar nun an einen Tisch setzen. “Wir werden in den nächsten 14 Tagen einen Weg finden, um das nächste Jahr noch gemeinsam zu machen“, sagte Gegenbauer, der Hoeneß in der Erfolgsphase eine zu ausgeprägte Selbstdarstellung (“Dieter-Hoeneß-Festspiele“) vorgeworfen hatte. “Es gibt Missverständnisse, was die Zuordnung der Erfolge betrifft“, sagte dazu Hoeneß auf der Vereins-Versammlung. 

dpa

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