Unwürdiges Karriereende für „Tanne“ Tarnat

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Der Hannoveraner Sergio Pinto feiert den Treffer zum 1:1 mit einem Trikot des verletzten Michael Tarnat, der an diesem Tag seine Karriere auf dem Spielfeld beendet hätte.

Hannover - Keine Blumen, kein Applaus von den Fans, keine warmen Worte vom Clubchef: Die Karriere des dienstältesten Feldspielers der Fußball-Bundesliga nahm ein unwürdiges Ende.

Michael Tarnat war bei Hannover 96 nicht mehr erwünscht, doch mitgeteilt wurde ihm das zwischen Tür und Angel. Nach 363 Bundesliga-Spielen, davon 102 für Hannover 96, ist Schluss für den 39-jährigen Profi, der gerne noch ein Jahr drangehängt hätte. Als “respektlos“ bezeichnete Tarnat den Abschied nach fünf Jahren in Hannover.

Das taktlose Ende, das außerhalb von Hannover nur wenige mitbekommen haben, offenbarte einen Teil der Probleme bei Niedersachsens Nummer zwei und die Kommunikationsdefizite. Vor allem Trainer Dieter Hecking machte dabei keinen guten Eindruck.

Er hatte Tarnat kurz vor dem letzten Heimspiel über dessen unfreiwilliges Karriere-Ende informiert. “Der Trainer hat gesagt: 'Tanne, du spielst heute'“, berichtete der ehemalige Bayern-Profi: “Und im zweiten Atemzug: 'Aber dein Vertrag wird nicht verlängert'.“

“Kalt abserviert“ fühlt sich Tarnat. Er hatte dem Verein mitgeteilt, dass er noch ein Jahr dranhängen wolle, doch keiner traute sich offensichtlich, dem Routinier die Wahrheit zu sagen. So wurde es herausgeschoben, bis es nicht mehr ging.

Wie sehr Tarnat auch in der Mannschaft geschätzt wurde, zeigte sich noch einmal am Samstag in Bielefeld, als die Mitspieler nach dem ersten Treffer ein Tarnat-Trikot auf den Boden legten und davor niederknieten. Viele Beobachter werteten das als Affront gegen Hecking.

“Die Sache mit dem Tarnat-Trikot hat nichts mit dem Trainer zu tun. Das war allein für 'Tanne'“, behauptete Mitspieler Sergio Pinto. Ähnlich äußerte sich auch Christian Schulz, der die Umstände als “ein bisschen unwürdig für 'Tanne'“ bezeichnete. Notdürftig fiel der Versuch einer Entschuldigung durch den Verein aus.

Präsident Martin Kind bedauerte die “unglückliche Entwicklung“ und führte mit Tarnat “ein klärendes Gespräch“. Der Clubchef sagte, er wolle Tarnat an anderer Stelle bei 96 einsetzen und sprach von einer “zukunftsorientierten Lösung“.

Für Tarnat wird das Fußball- Leben nach der Profi-Karriere nun beim FC Bayern München weitergehen. Von Uli Hoeneß hat er das Versprechen, dass er bei den Bayern arbeiten kann. Bei jenem Club, mit dem er 2001 die Champions League und den Weltpokal gewann sowie viermal deutscher Meister wurde. 

dpa

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