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Bronze statt Gold: Tölzer "wahnsinnig stolz"

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Andreas Tölzer stieß einen wilden Siegesschrei aus.

London - Judoka Andreas Tölzer kann über Bronze jubeln und aus vollem Herzen lachen, obwohl sein großer Traum nicht in Erfüllung gegangen ist. Am Ende scheitert er an Passivität.

Update vom 1. August 2016: Alles, was Sie zu Judo bei Olympia 2016 in Rio wissen müssen, erfahren Sie hier.

Andreas Tölzer stieß einen wilden Siegesschrei aus. Dann ging der 145-Kilo-Koloss vor seinem Trainer in die Knie und wickelte sich in eine Deutschland-Fahne, die viel zu klein für seinen mächtigen Körper war. Der Judoka konnte über Bronze jubeln und aus vollem Herzen lachen, obwohl sein großer Traum nicht in Erfüllung gegangen war: Tölzer hatte es mit Teddy Riner aufnehmen wollen, seinem ewigen Rivalen, diesem schier unbezwingbaren Giganten aus Frankreich. Stattdessen landete er im Kampf um Platz drei.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Britta Heidemann hat den deutschen Medaillenbann gebrochen - die Degenfechterin holte mit Silber das erste deutsche Edelmetall. © dpa
Für das erste Gold sorgte dann die deutsche Equipe im Vielseitigkeitsreiten. Michael Jung, Ingrid Klimke, Sandra Auffarth, Dirk Schrade, Peter Thomsen ritten der Konkurrenz einfach auf und davon. © dpa
Michael jung bescherte sich an seinem 30. Geburtstag gleich ein zweites Mal mit Gold: Nach dem Erfolg mit der Mannschaft holte er sich auch den Sieg in der Einzelkonkurrenz. © dpa
Teamkollegin Sandra Auffarth kam im gleichen Wettbewerb auf den dritten Platz - die erste Bronzemedaille für das deutsche Olympiateam! © dapd
Eine echte Überraschung gelang Sideris Tasiadis: Im Kanuslalom im Canadier-Einer holte der Augsburger Silber. © dpa
Nach Gold in Peking vor vier Jahren bestätigte Judoka Ole Bischof seine Leistung auch in London. Der Reutlinger musste sich erst im Finale geschlagen geben - Silber! © dpa
Julia Richter, Carina Bär, Annekatrin Thiele und Britta Oppelt holen das erste Edelmetall auf dem Dorney Lake - die Deutschen rudern im Doppelvierer zur Silbermedaille. © dapd
Gold für das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes: Filip Adamski, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Richard Schmidt, Lukas Müller, Florian Mennigen, Kristof Wilke und Martin Sauer werden ihrer Favoritenrolle gerecht. © dapd
Judith Arndt hat in ihrem letzten olympischen Radrennen auf der Straße die Silbermedaille im Zeitfahren gewonnen. © dapd
Noch ein Augsburger Medaillengewinner! Nach Sideris Tasiadis am Tag zuvor hat Slalomkanute Hannes Aigner im Kajak Bronze geholt. © dpa
Tony Martin sicherte den Radfahrern das zweite Edelmetall auf den Straßen Londons: Im Zeitfahren wurde er Zweiter. © dpa
Kerstin Thiele hat im Judo in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm völlig überraschend Silber erkämpft. © dpa
Marcel Nguyen aus Unterhaching, der in München geboren ist, hat beim Mehrkampf-Finale der Kunstturner überraschend die Silbermedaille gewonnen. © dpa
Dimitrij Ovtcharov sicherte sich überraschend Bronze im Tischtennis-Einzel. © dpa
Judoka Dimitri Peters legte einen bärenstarken Auftritt hin und sichert sich ebenfalls Bronze. © dpa
Kristina Vogel und Miriam Welte haben sich im Bahnrad-Teamsprint Gold geholt, obwohl sie das Finale gegen China verloren haben. Doch die Asiatinnen wurden nachträglich wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert. © dpa
Die Teamsprinter Rene Enders, Maximilian Levy und Robert Förstemann haben im Teamsprint der Männer wenig später ganz ohne Jury-Entscheid die Bronzemedaille gewonnen. © dpa
Das nächste Ruder-Gold im Doppel-Vierer der Männer: Karl Schulze (Dresden), Philipp Wende (Wurzen), Lauritz Schoof (Rendsburg) und Tim Grohmann (Dresden) siegten nach einer eindrucksvollen Leistung bei der olympischen Ruder-Regatta auf dem Dorney Lake. © getty
Judoka Andreas Tölzer (r.) sicherte sich im Schwergewicht das bronzene Edelmetall. © dpa
David Storl hat im Kugelstoßen die erste Leichtathletikmedaille für die Deutschen geholt - Silber! © dpa
Erst Silber, dann disqualifiziert, dann Silber: Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf macht es spannend - und holt am Ende doch eine Medaille! © dpa
Auch sie fielen einer Jury-Entscheidung zum Opfer und verpassten so das Finale. Die Herren freuten sich dann aber dennoch über Edelmetall: Das Florett-Team Benjamin Kleibrink (L-R), Peter Joppich und André Wessels holten Bronze. Nicht im Bild ist Sebastian Bachmann, der nach einem Sturz in seinem Gefecht verletzt aufgeben musste. © dpa
Marcel Nguyen sorgte nach seinem zweiten Platz im Mehrkampf für die erste Olympia-Medaille seit 24 Jahren für deutsche Turner am Barren. Er holte Silber. © dpa
Fabian Hambüchen hat sich mit Silber am Reck seinen Traum von einer erneuten Olympia-Medaille erfüllt. © dpa
Nach achtmal Gold bei acht Starts hintereinander gewann das deutsche Dressur-Team diesmal "nur" die Silbermedaille. © dpa
Maximilian Levy hat im Keirin-Wettbewerb der Bahnradfahrer Silber geholt. © dpa
Robert Harting hat im Diskus Gold geholt © dpa
Sebastian Brendel holte sich Gold im Einer-Canadier. © dpa
Martin Hollstein und Andreas Ihle paddelten im Zweier-Kajak dank eines tollen Endspurts zu Bronze. © dpa
Max Hoff schnappte sich im Einer-Kajak Bronze. © AP
Der deutsche Vierer mit Carolin Leonhardt (Lampertheim), Franziska Weber (Potsdam), Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) schaufelte sich zu Silber. © dpa
Timo Boll gewinnt mit der deutschen Tischtennis-Mannschaft durch einen Sieg über Hongkong Bronze © dpa
Doppel-Gold in 60 Minuten: Erst holten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem sensationellen Schlussspurt im Zweier-Canadier Gold, ... © dpa
... eine Stunde später fuhren Franziska Weber und Tina Dietze im Zweier-Kajak souverän zum Olympiasieg. © Getty
Für eine Sensation im Beachvolleyball sorgten Julius Brink und Jonas Reckermann: Die Kölner sichern sich Gold! © dpa
Christina Obergföll wirft den Speer zu Silber. © dpa
Linda Stahl holt sich im selben Wettbewerb überraschend Bronze. © dpa
Thomas Lurz bleibt zwar über die Langstrecke von 10km das erhoffte Gold verwehrt aber mit Silber darf sich der Schwimmer immerhin schmücken. © dpa
Raphael Holzdeppe steigerte seine Bestleistung im Stabhochsprung und holte Bronze. © dpa
Noch besser lief es für Björn Otto: Der Dormagener sicherte sich die Silbermedaille. © dapd
Betty Heilder musste lange zittern, doch als die Kampfrichter nochmal mit dem altmodischen Maßband rausholten, war klar: Bronze für die Weltrekordhalterin im Hammerwerfen. © dpa
Taekwondoka Helena Fromm musste zwar durch die Trostrunde, doch am Ende klappte es mit der Bronzemedaille! © dpa
Sabine Spitz gewinnt im Mountainbike-Wettbewerb Silber und komplettiert damit nach Bronze in Athen und Gold in Peking ihren olymischen Medaillensatz. © dpa
Mit seinen beiden Treffern im Finale sichert Jan Philipp Rabente Deutschland Gold im Herren-Hockey. © dpa

„Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Medaille, fühle mich als Sieger. Riner nehme ich mir dann eben später vor“, sagte Tölzer, nachdem er es im dritten Anlauf auf das olympische Podium geschafft hatte. Olympiasieger wurde Riner, ein Star in seiner Heimat, der zuletzt mit seinen 203 Zentimetern Lebensgröße dort Beilage einer Sportzeitung war.

Zum Traumfinale kam es nicht, weil Tölzer (Mönchengladbach) im Halbfinale bestraft worden war - wegen Passivität. Das Aus für den 32-Jährigen, gegen Alexander Michailin aus Russland, der nicht der Maßstab hätte sein sollen an diesem Nachmittag im Londoner ExCeL. „Der Frust war groß, und das negative Gefühl kriegt man so schnell nicht aus dem Kopf“, berichtete Tölzer. „Nach fünf Minuten habe ich mich dann aber ganz auf Bronze fokussiert.“

Im Kampf um den dritten Platz zwang er Igor Makarow (Weißrussland) mit dem charakteristischen „Tölzer-Umdreher“ in Bodenlage, warf sich mit Schwung auf dessen Brust. Ein Haltegriff, aus dem es auch für Top-Judoka kein Entrinnen gibt. Dies versöhnte Tölzer sichtlich, er umarmte Bundestrainer Detlef Ultsch, der kaum noch zu sehen war, aber leicht verstrubbelt und bester Laune wieder auftauchte.

Rund 25 Minuten vorher hatte es dagegen Anlass zu Tristesse gegeben. 33 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung (Golden Score) im Halbfinale gegen den WM-Dritten Michailin drückte der südkoreanische Mattenrichter Jeon Young Chun beiden Kämpfern eine Strafe wegen Passivität auf. Für Tölzer war es die zweite, er kassierte damit eine kleine Wertung gegen sich. Das reichte für den Russen, den bis dahin wertungslosen Kampf zu gewinnen. Tölzer hob fassungslos die Arme.

In der Mixed-Zone atmete sein Rivale Riner kurz durch, war erleichtert. Angstgegner Tölzer, den er fürchtete, war ihm erspart geblieben. Der kämpfte wenig später um Bronze, das er sich immerhin souverän sicherte. Das Minimalziel war erreicht. 2004 war Tölzer in Athen Siebter geworden, vier Jahre später in Peking Neunter. Seine weiteren Ziele: „Ich bin noch nicht Weltmeister...“

Der Deutsche Judo-Bund kann ebenfalls zufrieden sein: Vier Medaillen waren eine äußerst erfreuliche Ausbeute. 2008 hatte Ole Bischof den Olympiasieg geholt, mehr war nicht. Diesmal schafften es Bischof, Kerstin Thiele (beide Silber), Dimitri Peters (Bronze) und Tölzer aufs Treppchen - nur die goldene Krönung fehlte.

Schon unmittelbar vor dem ersten Kampf am Morgen waren sich Superstar Riner und Tölzer begegnet. Sie warteten etwa zwei Meter voneinander entfernt auf ihren Einmarsch und würdigten sich keines Blickes - als sie auf der Matte standen, machten ihre Gegner große Augen.

sid

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