"Verrückter" Cuche mit Doppelsieg

+
Didier Cuche ist in Topform

Kitzbühel  - Didier Cuche beherrschte die Streif auch 24 Stunden nach seinem Super-G-Sieg am besten, für Stephan Keppler endete der Angriff bei der legendären Kitzbüheler Abfahrt dagegen im Fangzaun.

Einen Tag nach dem gelösten Olympia-Ticket übersah der 26- Jährige am Samstag an der Hausbergkante eine Bodenwelle und kam zu Fall. Ein Schreckmoment für das deutsche Alpin-Lager, bis über Funk die Entwarnung eintraf: Der Speedfahrer zog sich keine ernsten Verletzungen zu. Zwar zwickte Kepplers Rücken nach dem harten Aufprall “ein bisschen“, aber in der am Freitag gestarteten Vancouver-Vorbereitung stört ihn das nicht. “Ich geh trotzdem mit 'nem guten Gefühl hier weg und das ist das Wichtigste. So ein Sturz macht mir nicht viel“, erklärte der Ebinger.


Viel Mut und Risikobereitschaft war bei den Abfahrern am Samstag beim Klassiker gefragt, und wie am Vortag war Cuche für die Konkurrenz zu schnell. Am nächsten kamen ihm vor über 30 000 Zuschauern noch der Überraschungszweite Andrej Sporn (Slowenien) und der ebenfalls nicht hoch gewettete Drittplatzierte Werner Heel (Italien). Aber den Platz ganz oben auf dem Podest hatte der 35 Jahre alte Schweizer an diesem Wochenende für sich reserviert. “Du bist verrückt, zweimal hier zu gewinnen ist unglaublich“, raunte ihm noch im Zielraum der Kroate Ivica Kostelic zu, der selbst nach Rang sieben in der Abfahrt nun im Slalom am Sonntag nach dem Sieg in der Kitzbüheler Kombinationswertung greift.


An neun verschiedenen Weltcup-Stationen konnte der Schweizer Altmeister schon siegen, aber nur an einem Ort glückte Cuche der Sprung nach ganz oben mehr als einmal. Ausgerechnet in Kitzbühel, einem der Höhepunkte im alpinen Weltcup. “Ein Sieg hier hat immer eine ganz besondere Bedeutung. Jeder, der hier schon auf der Piste auch nur heruntergerutscht ist, weiß, wovon ich rede“, beschrieb der 13-malige Weltcupsieger ein Stück des “Mythos“. Dass er erst als Dritter nach den Lokalmatadoren Stephan Eberharter und Hermann Maier Abfahrt und Super-G gewann, machte den Routinier “besonders stolz“.

Cuche war am Samstagabend nicht nur um 120 000 Euro für seine zwei Siege reicher, sondern schob sich bei der Olympia-Generalprobe in den schnellen Disziplinen auch in die Favoritenrolle für die Speed- Wettkämpfe in Whistler. “Alle sind heiß auf Olympia. Es wird sicher Spaß machen, dort zu kämpfen“, erklärte der Super-G-Weltmeister, der bei drei Olympia-Teilnahmen bisher einmal Silber gewann. Im Gesamtweltcup machte Cuche mit 726 Punkten weiteren Boden auf seinen führenden Landsmann Carlo Janka (793 Zähler) gut.

Auf Kitzbühels Straßen feierten Wintersportfans bei Kaiserwetter ausgelassen wie gewohnt, die österreichischen Idole hatten zur Après- Ski-Party keinen Podestplatz beigesteuert. Mario Scheiber auf Rang vier war noch der Beste der rot-weiß-roten Alpen-Asse, die weiter auf einen Saisonsieg in der Schussfahrt warten. “Hoffen wir, das Glück kehrt im nächsten Rennen zurück - dem wichtigsten“, sagte deren Alpin-Chef Hans Pum.

Erleichtert waren sie beim Deutschen Skiverband (DSV), dass Keppler sich nicht verletzt hatte. “In der Abfahrt muss man was riskieren um nach vorne zu kommen, da kommt so was mal vor“, meinte Sportdirektor Wolfgang Maier. Und der Skirennfahrer selbst, der eigentlich in der Abfahrt das Vancouver-Ticket hatte buchen wollen, war überfroh, dass ihm dieses Vorhaben schon tags zuvor im Super-G gelungen war. “Zum Glück hab ich das Ding Freitag realisiert.“

Kommentare