Boykott vom Tisch

Doping-Sperre für Russlands Biathleten denkbar

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Eine Sperre für das gesamte russische Team wäre möglich. Foto: Hendrik Schmidt

Das Thema Doping beherrscht auch die Biathlon-Szene. Die Russen stehen unter Generalverdacht. Athleten aus vielen Nationen diskutierten über mögliche Konsequenzen, ein Boykott ist aber vom Tisch. Eine Sperre für das gesamte russische Team wäre möglich.

Oberhof (dpa) - Biathlon-Weltverbandspräsident Anders Besseberg hofft auf rasche Konsequenzen im russischen Dopingskandal.

"Man sollte versuchen, so schnell wie es nur geht, die Athleten zu sperren, die es betrifft. Priorität haben dabei selbstverständlich die noch aktiven Sportler", sagte der Norweger beim Weltcup in Oberhof.

Einen Weltcup-Boykott der Athleten wird es vorerst nicht geben, eine Sperre für das gesamte Team des Landes ist dagegen möglich. "Diese Konsequenzen sind für die Zukunft nicht ausgeschlossen", sagte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch dem ZDF. "Die hängen aber davon ab, was wir noch rausfinden werden."

Weil im zweiten McLaren-Report um mutmaßliches russisches Staatsdoping insgesamt 31 russische Skijäger genannt worden waren, rumort es in der Biathlon-Szene gewaltig. Es sollen auch Athleten dabei sein, die derzeit im Weltcup laufen.

Den Sportlern ist das derzeitige Agieren des Weltverbandes IBU nicht entschlossen genug. Besseberg kann den Unmut der Athleten "sehr gut verstehen. Aber zuerst müssen wir die Beweise auf dem Tisch haben, und Stand heute haben wir diese leider noch nicht", sagte er. Man müsse dem WADA-Code zu 100 Prozent folgen.

Der Verband sei verantwortlich für die Beweise, die man der unabhängigen Disziplinarkommission vorlegen müsse. Dann müsse man sich zu mehr als 50 Prozent sicher sein, auch die Prozesse vor den Sportgerichten zu gewinnen, erklärte Besseberg. Eine von der IBU ins Leben gerufene Expertengruppe arbeite "jeden Tag daran. Aber es ist nicht die einfachste Aufgabe."

Bisher sind nur die zurückgetretene Olga Wiluchina und Jana Romanowa vorläufig gesperrt worden. Gegen 29 namentlich noch nicht bekannte Russen laufen Ermittlungen. Auf der letzten außerordentlichen IBU-Vorstandssitzung sei "erstmal nur über die Maßnahmen bezüglich der Events in dieser Saison gesprochen worden und wie die Verfahren im Moment erstmal eingeleitet werden", sagte Resch.

Den Weltcup in Tjumen im März und die Junioren-WM in Februar in Ostrow hatten die Russen zurückgegeben. Die Athleten hatten sich am Mittwoch bei einem vom Franzosen Martin Fourcade, dem Tschechen Michal Slesingr und dem US-Amerikaner Lowell Bailey initiierten Treffen über die Entwicklungen ausgetauscht. "Ein Boykott steht nicht an. Wir werden einen Forderungskatalog an die IBU stellen und sehen dann weiter", sagte Slesingr. Auch Resch war die erste halbe Stunde des 90-minütigen Treffens dabei. "Es war ein konstruktives Gespräch und sinnvolles", sagte Schempp.

"Es war ein konstruktives Gespräch, in dem ich den Athleten den Status quo erklärt habe, und in welche Richtung es bei uns weitergeht, damit wir in diesem Fall auch rechtlich alles richtig machen", sagte Resch der Deutschen Presse-Agentur.

Vertrauen zwischen beiden Seiten sei ebenso notwendig wie der richtige Informationsfluss: "Es ist wichtig, dass wir miteinander reden und nicht nur übereinander." Russlands Staffel-Olympiasieger Anton Schipulin, der seine Unschuld beteuert, appellierte an seine Konkurrenten, das russische Team nicht vorzuverurteilen: "In der Dopingfrage gibt es derzeit mehr Fragen als Antworten. Wir müssen schnell Gewissheit haben, wer schuldig ist und wer nicht. Ich habe den anderen gesagt, dass sie keine voreiligen Schlüsse ziehen sollen, bevor endgültige Beweise vorliegen."

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