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„Ich habe mich ein Jahr an Max rangepirscht“

Der „Gentleman“ Henry Maske (Foto) spielt Max Schmeling.
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Der „Gentleman“ Henry Maske (Foto) spielt Max Schmeling.

München - Mit 46 Jahren steht Henry Maske in diesem Jahr vor einer seiner größten Herausforderungen – nicht mehr auf dem vertrauten Terrain des Boxrings, sondern auf der ihm so fremden Kinolein­wand.

Der „Gentleman“ spielt Max Schmeling. Seinen Freund Max Schmeling. Der Film Schmeling ist so gut wie fertig; er startet im Frühjahr – und Henry Maske kann jetzt nur mehr abwarten, ob die Menschen sehen wollen, wie Deutschlands erfolgreichster Boxer aller Zeiten Deutschlands berühmtesten Boxer aller Zeiten spielt.

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Auf den ersten Blick klingt alles nach einem grandios zum Scheitern verurteilten Projekt, das angeblich von zwei Hamburger Millionären finanziert wurde, die der Legende Schmeling damit ein Denkmal setzen, aber anonym bleiben wollen. Hauptrolle: Henry Maske, als Schauspielanfänger eine Art Axel Schulz der Leinwand. Und es kommt noch bedrohlicher. Regie: Uwe Boll, der den inoffiziellen Ehrentitel „Deutschlands schlechtester Regisseur“ trägt und es mit Zombiefilmen beim Negativpreis Goldene Himbeere 2009 zum Sieger in der Kategorie „Schlechtestes bisheriges Lebenswerk“ brachte.

Maske als Hauptdarsteller, Boll als Regisseur – muss Max Schmeling auf dem Friedhof Hollenstedt bei Hamburg mit dem Rotieren beginnen? Wer Maske trifft, wer mit ihm über Schmeling, den Film, den Boxer, die Legende, den Freund spricht, ist am Ende des Gesprächs nicht mehr restlos davon überzeugt. Denn der Ex-Weltmeister wirkt beinahe besessen. Zu spüren ist eine Identifikation, die weit über die Arbeit an einem möglicherweise obskuren Kinoprojekt hinausgeht. „Ich habe das Gefühl, meinem Freund Max durch diese Arbeit deutlich näher gekommen zu sein“, sinniert der Ex-Champ. „Ich habe mich ein Jahr lang an ihn herangepirscht, das macht kaum ein normaler Schauspieler.“

Monatelang hat Maske Schmeling gelebt, geatmet, sich lexikalisches Wissen über den großen Alten angeeignet, der ihm bis zu seinem Tod 2005 zum Freund geworden war. Was fasziniert ihn so an Schmeling? „Er war ein Mann, der Größe und Persönlichkeit hatte, der zu seinem Wort stand. Max war ganz bestimmt kein Freiheitskämpfer. Er hat darauf geachtet, dass er selbst weiterkommt. Aber er hätte in keinem Moment jemanden für seine Karriere geopfert, weder seine tschechische Frau Anny Ondra noch seinen jüdischen Manager Joe Jacobs. Er war ein Boxer mit Rückgrat.“ Das „Genau-wie ich“ bleibt unausgesprochen, aber wohl nicht ungedacht.

Maske hat sich sogar sein eigenes Stück Max Schmeling gesichert. Das beige Adler-Cabrio, Baujahr 1936, an dessen Steuer er als Schmeling sitzt, hat er sich bereits vor den Dreharbeiten gekauft und dann für den Film zur Verfügung gestellt. „Dieses Auto ist mein Auto“, verrät Maske. „Jetzt habe ich den letzten Adler in dieser Ausführung, der noch fährt.“

Und dann sagt er plötzlich: „Ich muss gestehen, ich bin ein wenig verärgert über mich selbst. Ich bin verärgert, dass ich mich seinerzeit, als ich Max noch hätte fragen können, nicht so intensiv mit ihm beschäftigt habe.“ Was hätte er ihn noch gerne gefragt? „Ich hätte gern gewusst: Wie war das für dich, in Amerika anzukommen, 1938, vor dem zweiten Kampf gegen Joe Louis? 1936 hatte man ihn dort noch geliebt. Zwei Jahre später war er für die Amerikaner plötzlich der Vertreter Hitlers, er wurde bespuckt und bösartig beschimpft. Wie war es für dich, als dich die Nazis fallen ließen, als du als Fallschirmspringer zur Luftwaffe musstest, was beinahe einem Todesurteil entsprach? Als man dir nach dem Krieg klargemacht hat: Du warst einmal ein Star. Aber jetzt bist du jemand, der sich auch ganz hinten anstellen muss. Darüber hätte ich gerne mit ihm gesprochen.“ Es kam nie dazu.

„Deutschland hat über ihn gelacht, kaum jemand hat ihm eine Chance gegeben“, beschreibt Henry Maske die Stimmung, als Max Schmeling 1936 zum ersten Kampf gegen Joe Louis nach New York aufbrach. Schmeling triumphierte. Der Mann, der im Kino Max Schmeling sein wird, sieht das als gutes Omen.

Jörg Heinrich