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Nachruf auf FC Bayern-Legende

Zum Tod des „Bombers der Nation“: Der Tag, an dem ich Gerd Müller traf

Gerd Müller ist tot
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Ganz Fußball-Deutschland trauert um den Tod von Gerd Müller.

Gerd Müller ist tot: Der erfolgreichste aller deutschen Torjäger ist von uns uns gegangen. OVB24-Redakteur Felix Graf erinnert sich, wie er im eiskalten Olympiastadion den „Bomber der Nation“ kennenlernen durfte.

Es war kalt im Olympiastadion in München an diesem Tag. Ich weiß es noch sehr gut, wie mir damals die Finger eingefroren sind. Manche Sachen vergisst man nicht. Meine Mutter hatte in einer der Logen eine Veranstaltung für einen Sponsor des FC Bayern organisiert. Und ich durfte mit meinen 10 Jahren mit!

Draußen also das Schneetreiben. Drinnen ich, der mit großen Augen sein Umfeld beobachtet, ausstaffiert mit Trikot und Fan-Schal. Im Rahmen der Veranstaltung gab es eine kleinen Wettbewerb. Man sollte Fragen über den FC Bayern beantworten und die Antworten in einen Lostopf schmeißen (Was der Gewinn war, weiß ich leider nicht mehr). Meine Mama wollte mich beschäftigen, also hielt sich mich dazu an, das Quiz zu lösen. Nicht, dass der Bub noch auf blöde Gedanken kommt (was damals nicht so unwahrscheinlich war).

Quizlösen mit Gerd Müller

Also saß ich da so auf meinem Stuhl und grübelte gerade über die Frage, wer der letzte Torschütze der Bayern gewesen war. Natürlich wusste ich es. Pizarro! Ich war gerade dabei, den Namen zu schreiben, als ich von der Seite gefragt wurde: „Weißt du die Antwort denn schon?“

Ich erwiderte fast schon gekränkt: „Natürlich, Pizarro!“ Ich blickte auf und am anderen Tisch saß ein Mann um die 60, der (ich glaube leicht belustigt) zu mir rüberblickte. Ich vertiefte mich in die anderen Antworten zu den Fragen. Währenddessen ging der Mann zu meiner Mama (was ich erst später erfuhr: Er bot nochmal seine Hilfe bei der Beantwortung der Fragen an) und steckte ihr eine Autogrammkarte zu. Das war also meine Begegnung mit Gerd Müller.

Nur Anhand dieser Geschichte versteht man, warum Gerd Müller sich Zeit seines Lebens so großer Beliebtheit erfreut hat. Er wirkte immer nahbar. Einer von uns, der Höhen und Tiefen in seinem Leben mitgemacht hat.

Das Leben des Gerd Müller

Geboren und aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Nördlingen war Müller von Anfang an ein Kämpfer, ein Beißer. Mit 14 Hauptschulabschluss, danach Weberlehre.

Und so spielte er dann auch Fußball. Zuerst bei Nördlingen, später beim FC Bayern München. Schnörkellos, direkt, mannschaftsdienlich. Er selbst sagte zu seiner Spielweise: „I hau‘ halt immerzu aufs Tor. Wenn i drei Sekunden zum Überlegen hätt‘, wär‘s vorbei.“

Gerd Müller (l) schießt aus der Drehung am niederländischen Abwehrspieler Ruud Krol vorbei und erzielt so den 2:1-Siegtreffer im WM-Finale 1974 in München.

Seine Tore halfen dem FC Bayern, den Mythos zu begründen, von dem der Verein bis heute zehrt. Franz Beckenbauer sagte einmal: „Ohne die Tore vom Gerd wären wir noch immer in unserer alten Holzhütte an der Säbener Straße.“

Und wie wahr dieser Satz war! 607 Pflichtspiele, 566 Treffer für den FC Bayern. Und die Bestmarke von 365 Toren in der Bundesliga. Auch das Siegtor zum 2:1 der Deutschen Nationalmannschaft im WM-Finale schoss Müller.

Müller liebte den Fußball, und der Fußball liebte ihn

Müller liebte den Fußball, und der Fußball liebte ihn. Unter den extrovertierten Sepp Maiers und Beckenbauers war „Der Bomber“ eher schüchtern und bescheiden. Zeit seiner Karriere konnte er den Trubel über seine Person nicht nachvollziehen. So lehnte er ein hochdotiertes Angebot des FC Barcelona ab mit den Worten: „I mog ned, i kann doch ned mehr als a Schnitzel am Tag essen.“

Private Probleme nach Karriereende

Doch wie das so ist mit der Liebe: Ist sie weg, folgt erstmal eine große Leere. So muss es Müller nach der Karriere gegangen sein. In den 1980er Jahren hatte er viel mit privaten Problemen zu kämpfen. Er trank zu viel Alkohol, die finanziellen Probleme häuften sich. Erst durch seine Freunde Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer, die ihn als Co-Trainer bei den Bayern anstellten, kam das Leben des erfolgreichsten deutschen Torjägers wieder in gerade Bahnen. Fußball wieder da, Müller wieder stabil. Diese Formel schien sich zu bestätigen.

Müller sagte einmal zu dieser Zeit: „Ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft.“

Müller als Co-Trainer beim FC Bayern München

Alzheimer diagnostiziert

Es hätte noch ewig so weitergehen können, Müller, glücklich und zufrieden in den Sonnenuntgergang reitend. Man mochte es ihm nach der schweren Zeit wünschen. Doch 2015 wurde für Müller ein annus horribilis. Seit diesem Jahr kämpfte der „Bomber“ im Pflegeheim gegen das Vergessen. Bei ihm wurde Alzheimer diagnostiziert. Ehefrau Uschi sagte einen Tag vor dem 75. Geburtstag: „Der Gerd schläft seinem Ende entgegen. Er schläft langsam hinüber.“ Am 15. August 2021 ist Gerd Müller gestorben.

Und auch, wenn er sich wohl am Ende nicht mehr an all die Tore, die Triumphe und die Niederlagen seines Lebens erinnern konnte, so werden sie für immer im Gedächtnis des deutschen Fußballbewusstsein bleiben.

Ich für meinen Teil werde mich für immer an den Tag erinnern, an dem ich Gerd Müller traf. Manche Sachen vergisst man eben nicht.

fgr

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