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Neuner: Zwischen totaler Dominanz und Peinlichkeit

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Magdalena Neuner schoß auf die falschen scheiben.

Nove Mesto - In ihrer Abschiedssaison bewegt sich Magdalena Neuner auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Den bitteren Fauxpas mit vier Schüssen auf die falschen Scheiben will sie schnell verdauen.

Zwischen totaler Dominanz und peinlichen Patzern: Magdalena Neuners Abschiedstournee im Weltcup-Zirkus gleicht einem Drahtseilakt. Genie und Wahnsinn liegen bei der Rekordweltmeisterin dicht beieinander. Neun Podestplatzierungen in zwölf Rennen, souveräne Führung im Gesamtweltcup - doch mit zwei unbegreiflichen Blackouts trieb sie ihre Fans in den Wahnsinn. So wie am Sonntag, als Neuner den sicher geglaubten Sieg beim Weltcup in Nove Mesto durch vier Schüsse auf die falschen Scheiben leichtfertig verschenkt hatte.

Völlig schockiert und ohne ein Wort verließ Neuner nach dem ersten „Crossfire“ ihrer Karriere die tschechische WM-Anlage des nächsten Jahres. Den Grund für ihren Aussetzer konnte sie auch später nicht nennen. „Das ist mir noch nie passiert“, sagte die 24-Jährige nur. Nachdem sie in der Kabine in Tränen ausgebrochen war („Ich musste erstmal kurz heulen“), wurde sie anschließend von den Teamkolleginnen getröstet. „Auch als Trainer ist man da machtlos und kann nicht eingreifen“, sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig.

Neuner scheint sich in dieser Saison nur selbst besiegen zu können. In der Loipe ist Deutschlands Sportlerin des Jahres schlicht nicht zu schlagen, auch einzelne Fehler am Schießstand kann sie kompensieren. Die Konkurrenz sieht sie meistens nur von hinten. Doch in Topform ist ihr in diesem Jahr nicht zum ersten Mal ein grober Patzer unterlaufen. Auch in der Staffel in Oberhof setzte sie von acht Schüssen sieben neben die Scheiben und vergab so den sicher geglaubten Sieg beim Heimweltcup.

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

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Magdalena Neuner wurde am 9. Februar 1987 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Die Oberbayerin wuchs in Wallgau auf. © Jantz
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Sie ist bekennende Bairisch-Sprecherin ... © dpa
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... und pflegt die Tradition. © dpa
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Sie ist bei der Bundeszollverwaltung als Zollhauptwachtmeisterin angestellt. Bereits in Jugendwettbewerben holte Lena Trophäe um Trophäe. Im Jahr 2004 war die damals 17-jährige (2.v.r.) noch merklich schüchtern, als sie mit dem deutschen Zoll-Team vom damaligen Finanzminister Hans Eichel empfangen wurde. © dpa
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Ihren großen Durchbruch feierte sie in der Saison 2006/2007. © dpa
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Am 5. Januar 2007 holte sie in Oberhof ihren ersten Weltcupsieg. © dpa
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Bei den Weltmeisterschaften 2007 in Antholz (Italien) hatte sie dann ihren großen Auftritt und holte drei Goldmedaillen. © dpa
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Auch bei der WM 2008 in Östersund sammelte Lena dreimal Gold. © dpa
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... und obendrein in derselben Saison noch den Gesamtweltcup und zwei Einzelweltcups. © dpa
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Lena erklärte es bislang für ausgeschlossen, sich für den Playboy auszuziehen. © dpa
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Wieso auch? Sie ist angezogen ein größerer Blickfang als viele andere nackt. © dpa
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Zu ihren Hobbies zählt Stricken. © LANA GROSSA
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Ja, richtig gelesen: Stricken! © LANA GROSSA
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Außerdem hört sie gerne Musik. Mit hartem Rock bringt sich Lena auf Betriebstemperatur für Wettkämpfe. In einem Tagesspiegel-Interview gestand sie, sich früher mit der Metal-Band System Of A Down aufgeputscht zu haben. © dpa
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Auch Robbie Williams und Chris Martin schallen ihr des öfteren durch die Ohren. © LANA GROSSA
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Lena ist äußerst schlagfertig und kann so auch mal einen Thomas Gottschalk ins Stocken bringen. © dpa
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Die süße Oberbayerin kann aber auch mal schimpfen. Hobby-Lippenleser dürfen hier mal an einer einfachen Aufgabe üben. © dpa
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"Ich glaub, mich knutscht eine Lena" - Die Biathletin dreht bei diesem Elch das Spiel um. © dpa
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In ihrer Heimat Wallgau trägt man sie auf Händen. © dpa
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Und auch die WM-Maskottchen 2007 namens "Bumsi" ließen sie hoch leben. © dpa
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Lena mit Hund Rocky © dpa
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Miss Neuner mit ihrer "Sportlerin des Jahres 2007"-Trophäe. © dpa
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Sie muss eine große Vitrine haben. © dpa
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Auch beim harten Training hat sie immer ein Lächeln übrig. © dpa
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Lena (r.) posiert mit den Alpin-Skifahrerinnen Maria Riesch (v-l), Kathrin Hölzl und Monika Bergmann-Schmudere vor der Allianz Arena. © dpa
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Ist echt! Lena macht die Probe aufs Exempel. © dpa
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Im Dezember 2011 kündigte Neuner ihr Karriereende für Frühjahr 2012 an. Sie wolle sich neu orientieren und mal etwas anderes ausprobieren, erklärte die Biathletin. © dpa

„Ich bin auch nur ein Mensch“, sagte Neuner anschließend. Wer die ehrgeizige Doppel-Olympiasiegerin kennt, der weiß, dass sie derartige Rückschläge nur noch mehr zu neuen Höchstleistungen anspornen. So auch im Thüringer Wald, als sie sich mit zwei Siegen im Sprint und dem Massenstart eindrucksvoll zurückmeldete. Aufkeimende Kritik erstickte so sofort im Keim.

Erinnerungen wurden dabei in den letzten beiden Wochen auch an den 25. Januar 2009 wach. Beim Massenstart im italienischen Antholz ließ Neuner ebenfalls in Führung liegend beim letzten Stehendanschlag alle fünf Scheiben stehen und wurde bis auf den sechsten Rang durchgereicht. Anschließend hatte sie mit einem Schießtrainer und einem Psychologen gearbeitet, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

Auch der neuerliche Aussetzer dürfte Neuner auf der Zielgeraden ihrer Karriere nicht zurückwerfen. Auf dem Weg zur Heim-WM in Ruhpolding (29. Februar bis 11. März) ist die Konkurrenz nicht stark genug, um Neuner dauerhaft Paroli zu bieten. Ihr erklärtes Ziel, sechs WM-Medaillen zu gewinnen, scheint ohne Blackouts zweifellos möglich. Die Form könne sie bis zum März halten, bestätigte sie bereits. „Läuferisch bin ich sehr zufrieden, aber ich weiß, dass es auch noch ein bisschen besser geht“, sagte Neuner dem SID in Nove Mesto.

Das will die zweimalige Gesamtweltcup-Siegerin ab Donnerstag (14. 30 Uhr/ARD und Eurosport) in Antholz wieder unter Beweis stellen. Auf ihrer Paradestrecke, den 7,5 km im Sprint, peilt Neuner den zehnten Podestplatz in dieser Saison an. „Neues Rennen, neues Glück“, sagte die Wallgauerin.

sid