Überraschungssieg

Abfahrt: Mayer schlägt Favoriten ein Schnippchen

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War am schnellsten im Ziel: Matthias Mayer

Sotschi - Der Österreicher Matthias Mayer fährt in einem knappen Rennen zu Gold bei der Olympia-Abfahrt in Sotschi. Die Favoriten Aksel Lund Svindel und Bode Miller gewinnen nicht mal eine Medaille.

Bode Miller saß in einem Zelt und blickt betreten zu Boden. Aksel Lund Svindal hatte auch schon glücklicher ausgesehen. Einer aber, den vor einer Woche noch keiner auf der Rechnung hatte, lachte und lachte, tänzelte aufgeregt auf und ab und wusste nicht, wie ihm geschah. Matthias Mayer aus Österreich, erst 23 Jahre jung, schlug den großen Favoriten bei der Olympia-Abfahrt am Rosa Peak in Rosa Chutor tatsächlich ein Schnippchen und wird ab sofort der neue Nationalheld seines Heimatlandes sein.

„Es ist Wahnsinn! Das ist das Größte, was man in seiner Sportart erreichen kann. Bei den letzten Rennen habe ich am Podest gekratzt, es ist sich aber noch nie ausgegangen. Da runter habe ich gewusst, ich habe es drauf, es ist in den Trainings schon sehr gut gegangen“, sagte Mayer im ORF. Knapp war es am Ende: Christof Innerhofer aus Italien, Weltmeister im Super-G 2011, fehlten 0,06 Sekunden auf die Zeit von Mayer, er gewann Silber. Kjetil Jansrud aus Norwegen holte ein Jahr nach einem Kreuzbandriss Bronze (0,10 Sekunden zurück).

Mayer war vor Sotschi noch keine große Nummer, aber die ganz große Überraschung war er nicht mehr: Im ersten Training war er Dritter, im zweiten Training Erster, das Dritte fuhr er nicht zu Ende. „Der wird gefährlich“, beteuerte Svindal vor dem Rennen - und behielt zu seinem Leidwesen recht. Der Weltmeister fuhr als Vierter um 0,29 Sekunden am Gold vorbei, um 0,19 Sekunden an Bronze. Miller belegte Platz acht, 0,59 Sekunden hinter Mayer - und saß zunächst wie ein Häufchen Elend im Zielraum.

„Ich hatte eigentlich einen Plan, aber das mit dem Licht hat mir nicht geholfen“, sagte Miller. In der Tat spielten die Bedingungen eine Rolle. Kein Sonnenschein wie in all den Tagen zuvor, vielmehr diffuses Licht - bis auf eine kleine Phase. „Die Startnummern acht bis 15 waren sicherlich etwas bevorteilt, weil die Sonne da etwas rausgekommen ist. Das hat man ja bei Innerhofer gesehen, der unten verloren hat“, sagte Mayer, unterwegs mit Startnummer elf. Aber, „so ist das in unserem Sport, cool, dass es sich ausgegangen ist.“

Mayer ist der erste Olympiasieger in der Abfahrt seit Fritz Strobl, der 2002 in Salt Lake City gewann. Und kein Gold ist in Österreich wichtiger als dieses. Umso schlimmer für Rot-Weiß-Rot, dass es in den vergangenen Monaten nur Rückschläge gab. Ehe Hannes Reichelt vo zwei Wochen auf der „Streif“ in Kitzbühel siegte, hatten die Läufer aus Österreich ein Jahr lang keine Abfahrt gewonnen, nein, überhaupt kein „Speed“-Rennen. Und Reichelt musste dann am Montag nach seinem Triumph auch noch unters Messer: Bandscheibenvorfall, Olympia-Aus.

Der neue Olympiasieger war bislang ein Niemand. Das Talent liegt ihm im Blut, Vater Helmut gewann bei Olympia 1988 in Calgary im Super-G Silber. Und vor vier Jahren, 2008, war Matthias immerhin schon mal österreichischer Jugendmeister in der Abfahrt. Im Weltcup aber war er bei allem Talent bislang nicht groß auffällig geworden: 24 Mal hatte er bislang an einem Abfahrtsrennen teilgenommen, zweimal war er unter die ersten Zehn gekommen, im Dezember in Bormio (5.) und im Januar in Wengen (6.).

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Aber nein, eine Sensation war Mayers Sieg nicht mehr angesichts seiner beeindruckenden Trainingsfahrten: Er kam mit der immerhin 3, 5 Kilometer langen Strecke, einem tückischen, äußerst anspruchsvollen Kurs, auf Anhieb zurecht, die Favoriten waren gewarnt. „Viele haben gesagt, es ist ein Duell zwischen mir und Bode wird. Aber ich habe gewusst, dass es anders wird. Matthias ist hier immer sehr schnell gefahren - er war sehr konstant“, sagte Svindal. Und: Mayer blieb locker, trotz seiner guten Trainingsleistungen.

„Ich bin in der Früh' noch mit Bode Lift gefahren, er hat gesagt, er ist brutal nervös", berichtete Mayer und schlussfolgerte: `Das kann natürlich ein bisschen einen Vorteil gewesen sein.“ Miller betonte, er habe „nicht wirklich eine Erklärung“. Ja, er habe „einige kleine Fehler gemacht, aber nichts, was mir wirklich Zeit gekostet hat. Die Bedingungen haben sich halt geändert. Da fährt man automatisch etwas schlechter“, ergänzte der 36 Jahre alte Amerikaner. Abfahrtsgold war sein großer Traum. Er wird sich nicht erfüllen.

SID

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