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Ovtcharov holt Bronze und merkt es nicht

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Dimitrij Ovtcharov jubelt über seine Bronzemedaille.

London - Im Augenblick des Sieges drehte sich Dimitrij Ovtcharov ungerührt um, breitete seine Arme aus und zuckte mit den Achseln. Erst als er seinen Trainer Jörg Roßkopf wie wild jubeln sah, begriff es auch der Tischtennis-Youngster:

Erst als er seinen Trainer Jörg Roßkopf wie wild jubeln sah, begriff auch der Tischtennis-Youngster: Das war der Schlag zur Bronzemedaille, die bei den Olympischen Spielen in London eigentlich Timo Boll gewinnen wollte. Ovtcharov riss die Fäuste hoch - und sprang Roßkopf in die Arme.

„Ich kann es wirklich nicht glauben“, sagte Ovtcharov. Der Adrenalinschock war ihm nach dem 4:2 gegen Chuang Chih-Yuan aus Taiwan deutlich anzusehen. „Ich war so viele Sätze hinten, auch im letzten. Ich hatte mich schon auf den siebten Satz konzentriert. Aber auf einmal war es vorbei“, sagte der 23-Jährige.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Britta Heidemann hat den deutschen Medaillenbann gebrochen - die Degenfechterin holte mit Silber das erste deutsche Edelmetall. © dpa
Für das erste Gold sorgte dann die deutsche Equipe im Vielseitigkeitsreiten. Michael Jung, Ingrid Klimke, Sandra Auffarth, Dirk Schrade, Peter Thomsen ritten der Konkurrenz einfach auf und davon. © dpa
Michael jung bescherte sich an seinem 30. Geburtstag gleich ein zweites Mal mit Gold: Nach dem Erfolg mit der Mannschaft holte er sich auch den Sieg in der Einzelkonkurrenz. © dpa
Teamkollegin Sandra Auffarth kam im gleichen Wettbewerb auf den dritten Platz - die erste Bronzemedaille für das deutsche Olympiateam! © dapd
Eine echte Überraschung gelang Sideris Tasiadis: Im Kanuslalom im Canadier-Einer holte der Augsburger Silber. © dpa
Nach Gold in Peking vor vier Jahren bestätigte Judoka Ole Bischof seine Leistung auch in London. Der Reutlinger musste sich erst im Finale geschlagen geben - Silber! © dpa
Julia Richter, Carina Bär, Annekatrin Thiele und Britta Oppelt holen das erste Edelmetall auf dem Dorney Lake - die Deutschen rudern im Doppelvierer zur Silbermedaille. © dapd
Gold für das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes: Filip Adamski, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Richard Schmidt, Lukas Müller, Florian Mennigen, Kristof Wilke und Martin Sauer werden ihrer Favoritenrolle gerecht. © dapd
Judith Arndt hat in ihrem letzten olympischen Radrennen auf der Straße die Silbermedaille im Zeitfahren gewonnen. © dapd
Noch ein Augsburger Medaillengewinner! Nach Sideris Tasiadis am Tag zuvor hat Slalomkanute Hannes Aigner im Kajak Bronze geholt. © dpa
Tony Martin sicherte den Radfahrern das zweite Edelmetall auf den Straßen Londons: Im Zeitfahren wurde er Zweiter. © dpa
Kerstin Thiele hat im Judo in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm völlig überraschend Silber erkämpft. © dpa
Marcel Nguyen aus Unterhaching, der in München geboren ist, hat beim Mehrkampf-Finale der Kunstturner überraschend die Silbermedaille gewonnen. © dpa
Dimitrij Ovtcharov sicherte sich überraschend Bronze im Tischtennis-Einzel. © dpa
Judoka Dimitri Peters legte einen bärenstarken Auftritt hin und sichert sich ebenfalls Bronze. © dpa
Kristina Vogel und Miriam Welte haben sich im Bahnrad-Teamsprint Gold geholt, obwohl sie das Finale gegen China verloren haben. Doch die Asiatinnen wurden nachträglich wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert. © dpa
Die Teamsprinter Rene Enders, Maximilian Levy und Robert Förstemann haben im Teamsprint der Männer wenig später ganz ohne Jury-Entscheid die Bronzemedaille gewonnen. © dpa
Das nächste Ruder-Gold im Doppel-Vierer der Männer: Karl Schulze (Dresden), Philipp Wende (Wurzen), Lauritz Schoof (Rendsburg) und Tim Grohmann (Dresden) siegten nach einer eindrucksvollen Leistung bei der olympischen Ruder-Regatta auf dem Dorney Lake. © getty
Judoka Andreas Tölzer (r.) sicherte sich im Schwergewicht das bronzene Edelmetall. © dpa
David Storl hat im Kugelstoßen die erste Leichtathletikmedaille für die Deutschen geholt - Silber! © dpa
Erst Silber, dann disqualifiziert, dann Silber: Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf macht es spannend - und holt am Ende doch eine Medaille! © dpa
Auch sie fielen einer Jury-Entscheidung zum Opfer und verpassten so das Finale. Die Herren freuten sich dann aber dennoch über Edelmetall: Das Florett-Team Benjamin Kleibrink (L-R), Peter Joppich und André Wessels holten Bronze. Nicht im Bild ist Sebastian Bachmann, der nach einem Sturz in seinem Gefecht verletzt aufgeben musste. © dpa
Marcel Nguyen sorgte nach seinem zweiten Platz im Mehrkampf für die erste Olympia-Medaille seit 24 Jahren für deutsche Turner am Barren. Er holte Silber. © dpa
Fabian Hambüchen hat sich mit Silber am Reck seinen Traum von einer erneuten Olympia-Medaille erfüllt. © dpa
Nach achtmal Gold bei acht Starts hintereinander gewann das deutsche Dressur-Team diesmal "nur" die Silbermedaille. © dpa
Maximilian Levy hat im Keirin-Wettbewerb der Bahnradfahrer Silber geholt. © dpa
Robert Harting hat im Diskus Gold geholt © dpa
Sebastian Brendel holte sich Gold im Einer-Canadier. © dpa
Martin Hollstein und Andreas Ihle paddelten im Zweier-Kajak dank eines tollen Endspurts zu Bronze. © dpa
Max Hoff schnappte sich im Einer-Kajak Bronze. © AP
Der deutsche Vierer mit Carolin Leonhardt (Lampertheim), Franziska Weber (Potsdam), Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) schaufelte sich zu Silber. © dpa
Timo Boll gewinnt mit der deutschen Tischtennis-Mannschaft durch einen Sieg über Hongkong Bronze © dpa
Doppel-Gold in 60 Minuten: Erst holten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem sensationellen Schlussspurt im Zweier-Canadier Gold, ... © dpa
... eine Stunde später fuhren Franziska Weber und Tina Dietze im Zweier-Kajak souverän zum Olympiasieg. © Getty
Für eine Sensation im Beachvolleyball sorgten Julius Brink und Jonas Reckermann: Die Kölner sichern sich Gold! © dpa
Christina Obergföll wirft den Speer zu Silber. © dpa
Linda Stahl holt sich im selben Wettbewerb überraschend Bronze. © dpa
Thomas Lurz bleibt zwar über die Langstrecke von 10km das erhoffte Gold verwehrt aber mit Silber darf sich der Schwimmer immerhin schmücken. © dpa
Raphael Holzdeppe steigerte seine Bestleistung im Stabhochsprung und holte Bronze. © dpa
Noch besser lief es für Björn Otto: Der Dormagener sicherte sich die Silbermedaille. © dapd
Betty Heilder musste lange zittern, doch als die Kampfrichter nochmal mit dem altmodischen Maßband rausholten, war klar: Bronze für die Weltrekordhalterin im Hammerwerfen. © dpa
Taekwondoka Helena Fromm musste zwar durch die Trostrunde, doch am Ende klappte es mit der Bronzemedaille! © dpa
Sabine Spitz gewinnt im Mountainbike-Wettbewerb Silber und komplettiert damit nach Bronze in Athen und Gold in Peking ihren olymischen Medaillensatz. © dpa
Mit seinen beiden Treffern im Finale sichert Jan Philipp Rabente Deutschland Gold im Herren-Hockey. © dpa

Auch Rekord-Europameister Boll freute sich für seinen Kumpel Ovtcharov. „Das ist natürlich großartig für Dima und unseren Sport. Er hat sich das verdient, er ist ein harter Arbeiter“, sagte Boll. Ovtcharov wiederum erklärte fast ein wenig beschämt, dass auch der beste deutsche Tischtennisspieler der vergangenen zehn Jahre, der im Achtelfinale gescheitert war, „es verdient gehabt hätte“.

Die zweite deutsche olympische Einzelmedaille nach Roßkopfs Bronze in Atlanta 1996 fühlte sich für Ovtcharov an „wie Gold“. Gegen den Weltranglistenachten, den er am Vorabend noch auf Video studiert hatte, bewies die Nummer zwölf der Welt erneut die nötige Coolness und Klasse, um in die asiatische Phalanx an der Weltspitze einzubrechen.

Zeit zu feiern bleibt kaum, denn Boll und Ovtcharov gehen mit Bastian Steger (Saarbrücken) als Olympiazweite von Peking bereits am Freitag (19.00/20.00) wieder auf Medaillenjagd. Dann beginnt der Team-Wettbewerb mit dem Achtelfinale gegen Schweden. „Feiern ist nicht drin, aber vielleicht gönne ich mir etwas richtig Gutes - ein Stück Pizza“, sagte Ovtcharov lachend.

Olympia skurril: Die ungewöhnlichsten Fotos aus London

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Unsere Mode-Redaktion fällt ein vernichtendes Urteil über die Pullover von Ilya Zakharov und Evgeny Kuznetsov © dpa
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Sehr aerodynamisch © dapd
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Was sucht die denn dort? Keine Sorge, nur eine optische Täuschung © dpa
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Högschde Konzentration © dpa
Für musikalische Untermalung ist gesorgt © AP
Handlich verpackt: Danell Leyva aus den USA © dpa
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An der Hierarchie in der deutschen Mannschaft wird in London nicht gerüttelt. „Dazu bräuchte es noch ein paar Turniere, Medaillen und Erfolge mehr. Timo ist und bleibt ein sehr guter Teamleader“, sagte Roßkopf, der Ovtcharov aber ausdrücklich lobte: „Ich bin sehr stolz auf ihn, sein Kampfgeist war ausschlaggebend.“

Gegen Chuang hatte Ovtcharov in einem packenden Duell zu Satzbeginn meist Probleme, ins Spiel zu finden, obwohl er als letzter Europäer vom Publikum lautstark unterstützt wurde. „Ich war so unglaublich nervös“, gab Ovtcharov zu. Doch als es brenzlig wurde, bewahrte er die Nerven und drehte den 1:2-Rückstand.

Vor dem kleinen Finale hatte der in Kiew geborene Ovtcharov nur rund dreieinhalb Stunden Zeit gehabt, die Halbfinal-Niederlage vom Vormittag gegen den Weltmeister und späteren Olympiasieger Zhang Jike zu verdauen. Er ging schnell hinüber ins Hotelzimmer an der ExCel-Arena, das eigens für die doppelte Medaillenchance angemietet worden war. Auch im Halbfinale hatte Ovtcharov dann Chancen, machte sich aber vor den Augen von Innenminister Hans-Peter Friedrich und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper selbst das Leben schwer.

Doch wie man nach Tiefschlägen aufsteht, hatte Ovtcharov schon mal bewiesen. Eine positive Dopingprobe auf Clenbuterol, wohl ausgelöst durch in China verzehrtes verunreinigtes Fleisch, ließ ihn 2010 wochenlang um die Fortsetzung seiner Karriere bangen. Er wurde freigesprochen. „Damals habe ich erkannt, dass es Wichtigeres gibt als Tischtennis“, sagt Ovtcharov.

Von Jana Lange

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