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"Nationale Schande"

Proteste gegen mildes Fuentes-Urteil

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Das milde Urteil gegen den Dopingarzt Fuentes löst in Spanien Proteste aus.

Madrid - Enttäuschung in Spanien über die milden Urteile im Prozess gegen Eufemanio Fuentes: Auf Kritik stieß vor allem die Entscheidung, dass die sichergestellten Blutbeutel vernichtet werden.

Mit den milden Urteilen ist der größte Dopingskandal in der spanischen Sportgeschichte noch lange nicht beendet: Knapp sieben Jahre nach der Aufdeckung der Affäre um die „Operación Puerto“ erhielt der Hauptangeklagte Eufemiano Fuentes ein Jahr Haft. Die Richterin Julia Patricia Santamaría entschied zudem, dass die bei dem Dopingarzt sichergestellten Blutbeutel und Dateien größtenteils vernichtet werden. Dies löste heftige Proteste aus.

Die spanische Anti-Doping-Agentur (AEA) kündigte Berufung an. „Die Operación Puerto ist noch nicht zu Ende“, sagte die AEA-Direktorin Ana Muñoz. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erwägt ebenfalls einen Einspruch. Kritik gab es auch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Die Entscheidung sei „grundlegend falsch aus Sicht eines effizienten Kampfes gegen Doping. Dies widerspricht den Prinzipien des Anti-Doping-Codes“, sagte Arne Ljungqvist, der die medizinische Kommission des IOC anführt.

„Die Zweifel am spanischen Sport bleiben bestehen“, titelte die Zeitung „El País“ am Mittwoch. Der Mediziner Ignacio Romo sprach gar von einer „nationalen Schande“. „Das Urteil verhindert, dass die Betrüger identifiziert werden können“, schrieb er in einer Kolumne im Sportblatt „As“. „Dies bedeutet einen schweren Rückschlag für die Madrider Olympia-Kandidatur für die Spiele 2020.“

Die Haftstrafe für Fuentes wird höchstwahrscheinlich zur Bewährung ausgesetzt. Die Madrider Richterin erließ für den Hauptangeklagten zudem ein vierjähriges Berufsverbot als Sportmediziner. Der Arzt hatte Dutzenden von Sportlern, vor allem Radprofis, beim Eigenblutdoping geholfen. Der frühere Radsporttrainer José Ignacio Labarta wurde wegen Beihilfe zu vier Monaten Haft verurteilt. Freisprüche gab es für die übrigen drei Angeklagten: die Fuentes-Schwester Yolanda, die ebenfalls Medizinerin ist, sowie die früheren Radteamchefs Manolo Saiz und Vicente Belda.

Die mehr als 200 bei Fuentes beschlagnahmten Blutbeutel sollen größtenteils vernichtet werden, sobald das Urteil rechtskräftig wird. Die Richterin begründete ihre Entscheidung damit, dass die in der Verfassung garantierten Grundrechte der Sportler geachtet werden müssten. Die WADA und andere Sportinstanzen hatten die Herausgabe gefordert, damit Fuentes-Kunden identifiziert und nachträglich bestraft werden können.

Ein Teil der Blutbeutel soll aber zunächst aufgehoben werden für den Fall, dass noch ein Prozess gegen den Mediziner José Luis Merino stattfinden sollte. Der frühere Fuentes-Partner war einer der Verdächtigen. Er musste in dem Prozess aber nicht auf die Anklagebank, weil er an Alzheimer leidet.

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass Fuentes die Gesundheit seiner Kunden gefährdet hat. Seine Praktiken hätten „eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit der Radsportler“ bedeutet. „Die Bluttransfusionen dienten allein dem Zweck, vor einem Wettbewerb die Leistungsfähigkeit von Sportlern zu erhöhen“, heißt es in dem Urteil.

Der Gynäkologe war nicht wegen Dopings angeklagt, weil Doping bei der Aufdeckung des Skandals 2006 in Spanien kein Straftatbestand war. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Haft für Fuentes gefordert, der Mediziner dagegen seine Unschuld beteuert. Die Tätigkeit des Dopingarztes war im Vorfeld der Tour de France 2006 aufgeflogen. Mehr als 50 Radprofis gerieten unter Dopingverdacht.

Spanien musste sich während der siebenjährigen Ermittlungen vorhalten lassen, nicht energisch genug gegen Doping vorzugehen. Die Hoffnung, der Prozess könne diesen Vorwurf ausräumen, ging nicht in Erfüllung. „Die Urteile erwecken den Eindruck, dass Spanien das Doping toleriert oder zumindest zum Kampf gegen diese Plage nicht bereit ist“, schrieb die Zeitung „El Periódico“.

Das Verfahren hatte deutlich gemacht, dass Fuentes ein lukratives Unternehmen betrieb, das Dutzenden von Sportlern Transfusionen mit Eigenblut anbot. Einige Kunden sind namentlich bekannt, von anderen kennt man nur die von Fuentes verwendeten Pseudonyme und Kürzel.

Fuentes hatte bei seiner Vernehmung ausgesagt, dass er neben Radsportlern auch Fußballer, Tennisspieler und Boxer behandelte. Er bot die Herausgabe der Liste seiner Kunden an, aber die Richterin wollte während des laufenden Verfahrens davon nichts wissen. Zehn Radprofis sagten als Zeugen aus, nur drei berichteten offen über ihre Erfahrungen als Kunden von Fuentes. Dies waren der Spanier Jesús Manzano, der Amerikaner Tyler Hamilton und der Deutsche Jörg Jaksche.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

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Doping - die dümmsten Ausreden
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dpa

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