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Binnen 343 Tagen

Harting feiert Gold-Hattrick mit Hürden!

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Nach seinem Olympiasieg sprang Robert Harting über die Hürden

London - Robert Harting feiert binnen 343 Tagen einen Gold-Hattrick, der in die Sportgeschichte eingeht. Der Diskuswerfer ist spät, aber gewaltig in den Wettkampf gekommen. Danach läuft er Hürden.

Robert Harting riss sich mit einem Urschrei das Trikot vom Leib, er flippte fast aus vor Glück, als er den Olymp gestürmt hatte. Eine Weile hatte es so ausgesehen, als würde er seine große Chance auf die Goldmedaille wegwerfen, zu flatterhaft waren seine Würfe mit dem Diskus im Finale von London. Dann das Comeback: 68,27 m im fünften Versuch - Gold!

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Britta Heidemann hat den deutschen Medaillenbann gebrochen - die Degenfechterin holte mit Silber das erste deutsche Edelmetall. © dpa
Für das erste Gold sorgte dann die deutsche Equipe im Vielseitigkeitsreiten. Michael Jung, Ingrid Klimke, Sandra Auffarth, Dirk Schrade, Peter Thomsen ritten der Konkurrenz einfach auf und davon. © dpa
Michael jung bescherte sich an seinem 30. Geburtstag gleich ein zweites Mal mit Gold: Nach dem Erfolg mit der Mannschaft holte er sich auch den Sieg in der Einzelkonkurrenz. © dpa
Teamkollegin Sandra Auffarth kam im gleichen Wettbewerb auf den dritten Platz - die erste Bronzemedaille für das deutsche Olympiateam! © dapd
Eine echte Überraschung gelang Sideris Tasiadis: Im Kanuslalom im Canadier-Einer holte der Augsburger Silber. © dpa
Nach Gold in Peking vor vier Jahren bestätigte Judoka Ole Bischof seine Leistung auch in London. Der Reutlinger musste sich erst im Finale geschlagen geben - Silber! © dpa
Julia Richter, Carina Bär, Annekatrin Thiele und Britta Oppelt holen das erste Edelmetall auf dem Dorney Lake - die Deutschen rudern im Doppelvierer zur Silbermedaille. © dapd
Gold für das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes: Filip Adamski, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Richard Schmidt, Lukas Müller, Florian Mennigen, Kristof Wilke und Martin Sauer werden ihrer Favoritenrolle gerecht. © dapd
Judith Arndt hat in ihrem letzten olympischen Radrennen auf der Straße die Silbermedaille im Zeitfahren gewonnen. © dapd
Noch ein Augsburger Medaillengewinner! Nach Sideris Tasiadis am Tag zuvor hat Slalomkanute Hannes Aigner im Kajak Bronze geholt. © dpa
Tony Martin sicherte den Radfahrern das zweite Edelmetall auf den Straßen Londons: Im Zeitfahren wurde er Zweiter. © dpa
Kerstin Thiele hat im Judo in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm völlig überraschend Silber erkämpft. © dpa
Marcel Nguyen aus Unterhaching, der in München geboren ist, hat beim Mehrkampf-Finale der Kunstturner überraschend die Silbermedaille gewonnen. © dpa
Dimitrij Ovtcharov sicherte sich überraschend Bronze im Tischtennis-Einzel. © dpa
Judoka Dimitri Peters legte einen bärenstarken Auftritt hin und sichert sich ebenfalls Bronze. © dpa
Kristina Vogel und Miriam Welte haben sich im Bahnrad-Teamsprint Gold geholt, obwohl sie das Finale gegen China verloren haben. Doch die Asiatinnen wurden nachträglich wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert. © dpa
Die Teamsprinter Rene Enders, Maximilian Levy und Robert Förstemann haben im Teamsprint der Männer wenig später ganz ohne Jury-Entscheid die Bronzemedaille gewonnen. © dpa
Das nächste Ruder-Gold im Doppel-Vierer der Männer: Karl Schulze (Dresden), Philipp Wende (Wurzen), Lauritz Schoof (Rendsburg) und Tim Grohmann (Dresden) siegten nach einer eindrucksvollen Leistung bei der olympischen Ruder-Regatta auf dem Dorney Lake. © getty
Judoka Andreas Tölzer (r.) sicherte sich im Schwergewicht das bronzene Edelmetall. © dpa
David Storl hat im Kugelstoßen die erste Leichtathletikmedaille für die Deutschen geholt - Silber! © dpa
Erst Silber, dann disqualifiziert, dann Silber: Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf macht es spannend - und holt am Ende doch eine Medaille! © dpa
Auch sie fielen einer Jury-Entscheidung zum Opfer und verpassten so das Finale. Die Herren freuten sich dann aber dennoch über Edelmetall: Das Florett-Team Benjamin Kleibrink (L-R), Peter Joppich und André Wessels holten Bronze. Nicht im Bild ist Sebastian Bachmann, der nach einem Sturz in seinem Gefecht verletzt aufgeben musste. © dpa
Marcel Nguyen sorgte nach seinem zweiten Platz im Mehrkampf für die erste Olympia-Medaille seit 24 Jahren für deutsche Turner am Barren. Er holte Silber. © dpa
Fabian Hambüchen hat sich mit Silber am Reck seinen Traum von einer erneuten Olympia-Medaille erfüllt. © dpa
Nach achtmal Gold bei acht Starts hintereinander gewann das deutsche Dressur-Team diesmal "nur" die Silbermedaille. © dpa
Maximilian Levy hat im Keirin-Wettbewerb der Bahnradfahrer Silber geholt. © dpa
Robert Harting hat im Diskus Gold geholt © dpa
Sebastian Brendel holte sich Gold im Einer-Canadier. © dpa
Martin Hollstein und Andreas Ihle paddelten im Zweier-Kajak dank eines tollen Endspurts zu Bronze. © dpa
Max Hoff schnappte sich im Einer-Kajak Bronze. © AP
Der deutsche Vierer mit Carolin Leonhardt (Lampertheim), Franziska Weber (Potsdam), Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) schaufelte sich zu Silber. © dpa
Timo Boll gewinnt mit der deutschen Tischtennis-Mannschaft durch einen Sieg über Hongkong Bronze © dpa
Doppel-Gold in 60 Minuten: Erst holten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem sensationellen Schlussspurt im Zweier-Canadier Gold, ... © dpa
... eine Stunde später fuhren Franziska Weber und Tina Dietze im Zweier-Kajak souverän zum Olympiasieg. © Getty
Für eine Sensation im Beachvolleyball sorgten Julius Brink und Jonas Reckermann: Die Kölner sichern sich Gold! © dpa
Christina Obergföll wirft den Speer zu Silber. © dpa
Linda Stahl holt sich im selben Wettbewerb überraschend Bronze. © dpa
Thomas Lurz bleibt zwar über die Langstrecke von 10km das erhoffte Gold verwehrt aber mit Silber darf sich der Schwimmer immerhin schmücken. © dpa
Raphael Holzdeppe steigerte seine Bestleistung im Stabhochsprung und holte Bronze. © dpa
Noch besser lief es für Björn Otto: Der Dormagener sicherte sich die Silbermedaille. © dapd
Betty Heilder musste lange zittern, doch als die Kampfrichter nochmal mit dem altmodischen Maßband rausholten, war klar: Bronze für die Weltrekordhalterin im Hammerwerfen. © dpa
Taekwondoka Helena Fromm musste zwar durch die Trostrunde, doch am Ende klappte es mit der Bronzemedaille! © dpa
Sabine Spitz gewinnt im Mountainbike-Wettbewerb Silber und komplettiert damit nach Bronze in Athen und Gold in Peking ihren olymischen Medaillensatz. © dpa
Mit seinen beiden Treffern im Finale sichert Jan Philipp Rabente Deutschland Gold im Herren-Hockey. © dpa

Nach WM- und EM-Titel war es der dritte Triumph des Berliner Modellathleten innerhalb von 343 Tagen. Historisch. Harting wickelte sich eine Deutschland-Fahne um den nackten Oberkörper und hüpfte sogar noch ausgelassen über die Hürden auf der Laufbahn. Die 80.000 Zuschauer johlten.

„Jeder erwartet diesen Titel“, hatte der 27-Jährige gesagt. Jeder - das galt auch für ihn, nachdem der in diesem Jahr mit 70,31 und 70,66 m erstmals die frühere Traumgrenze übertroffen hatte. Harting erfüllte alle Hoffnungen und gewann mit seinem 29. Sieg in Serie binnen 730 Tagen als vierter Deutscher olympisches Diskus-Gold. Zuvor war dies Rolf Danneberg 1984 in Los Angeles, Jürgen Schult 1988 in Seoul und Lars Riedel 1996 in Atlanta geglückt.

Beinahe drohte Harting das Gold zu entgleiten. Im ersten Versuch hatte er 67,79 m vorgelegt, dann konterte der iranische WM-Dritte Ehsan Hadadi mit 68,18. Harting baute von Versuch zu Versuch ab - doch er behielt die Nerven und schlug im fünften eindrucksvoll zurück. Hadadi gewann mit Silber die erste olympische Leichtathletik-Medaille für sein Land. Bronze ging an Gerd Kanter (68,03), Olympiasieger von 2008 aus Estland. Martin Wierig aus Magdeburg wurde mit 65,85 m Sechster.

Harting, der sich nach dem knapp verpasstem Bronze 2008 in Peking geschworen hatte: „Ich werde nie wieder Vierter“, holte in London die dritte Medaille für die deutschen Leichtathleten. Silber hatten zuvor Kugelstoßer David Storl und Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf geholt. Wer auf Harting gewettet hatte, verdiente nicht viel: Die Siegquote des Diskus-Favoriten beim Sportwettenanbieter bwin lag bei 1,55 - wer auf den 100-m-Sieg von Usain Bolt (1,62) gesetzt hatte, kassierte ein bisschen mehr.

„Ich brauche den Olympiasieg, um die negativen Sachen aus meinem Leben zu spülen, um mich selber zu ertragen“, hatte Robert Harting in der Phase höchster Anspannung vor Olympia verkündet. Mit anderen krassen Aussagen hatte der Sportsoldat und Kommunikations-Student sein Gefühlsleben nach außen getragen und das Bild eines innerlich zerrissenen Menschen erweckt.

Bei seiner Ankunft in London bekannte der Mann mit dem kunstvoll rasierten Bart („Meine Kriegsbemalung“) zwar noch: „Die Anspannung ist größer als vor einer WM, weil die Medaille einfach mehr wert ist.“ Doch ansonsten wirkte er so aufgeräut wie einer, der die Selbstzweifel wieder in die Kiste gepackt hat. Dies demonstrierte der 2,01 m lange 130-Kilo-Mann bereits in der Qualifikation. Schon der erste Wurf von 66,22 m hatte ihn dem Ziel der Träume einen weiteren Schritt näher gebracht.

Harting, ein Bär von einem Mann und ein kluger Kopf zugleich, räumt angesichts seiner oft markigen Sprüche ein, dass er sich gern mal selbst inszeniert. Der gebürtige Spreewälder hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Berliner Universität der Künste studiert, bezeichnet sich als Unternehmer und weiß, wie man „als unterbezahlter Athlet“ durch die eine oder andere Schlagzeile an Sponsoren kommen kann. Mit dem Olympiagold hat er das vielleicht nicht mehr nötig.

sid

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