Schicksalsschlag überwunden

Silber-Heldin Schäfer: Die traurige Geschichte hinter ihrer Medaille

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Carolin Schäfer konnte ihr Glück kaum fassen.

Siebenkämpferin Carolin Schäfer gewann mit 6696 Punkten WM-Silber. Das soll nicht alles gewesen sein. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio will sie den „maximalen Erfolg“. Zuvor musste sie einen schweren Schicksalsschlag überwinden.

London - Nach dem WM-Silbergewinn hatte Carolin Schäfer Lust auf eine richtige Völlerei. „Ich habe Bock auf eine Pizza oder etwas, was richtig ungesund und fettig ist“, bekannte die 25 Jahre alte Frankfurterin nach dem Siebenkampf am Sonntagabend in London. Den Heißhunger nach Erfolg hatte die Olympia-Fünfte zuvor gestillt, als sie über 800 Meter Platz zwei verteidigte - und in Tränen ausbrach.

Schäfer: Nach dem Gewinn der Silbermedaille brachen alle Dämme

„Da brachen alle Dämme, das war pure Erleichterung, endlich dieses Glück fassen zu können, mit Edelmetall nach Hause fahren zu dürfen“, sagte Schäfer. Zusätzliche Erleichterung erhielt sie von Jennifer Oeser, die vor den 800 Metern mit ihrer WM-Silbermedaille von 2011 zu ihr gekommen war. Wegen Dopings einer Ex-Rivalin durfte sie nach sechs Jahren einen Platz höher rutschen. „Das war eine Inspiration und hat mich vor dem grausamen Lauf gepushed“, meinte Schäfer.

Die Schützenhilfe half. Europameisterin Anouk Vetter (Niederlande), die nur drei Punkte zurück lag, ließ sie nicht mehr vor. Mit 6696 Punkten musste sie sich nur der Olympiasiegerin Nafissatou Thiam (Belgien/6784) geschlagen geben.

Ihr Freund verunglückte tödlich

„Ich bin einfach so überwältigt vom Erfolg“, sagte Schäfer nach dem „absoluten Moment zum genießen“. Dafür habe sie hart gearbeitet und Entbehrungen auf sich genommen. Damit meinte sie nicht nur die jahrelange Trainingsfron und Diäten. Privat musste die blonde Athletin einen Schicksalsschlag verkraften: Im Februar 2015 war ihr Freund, der Volleyballspieler Dennis Hefter, beim Überqueren eines Gleises von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden.

„Man muss im Leben ein paar Erfahrungen gemacht haben, um zu wissen, was im Leben zählt und was der Sport bedeutet“, sagte Schäfer. „Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch was richtig zählt, ist das, was nach dem Sport passiert.“ Deshalb freut sich die Polizeikommissarin schon auf ihren späteren Job, den sie faszinierend findet und auch wegen ihres „großen Gerechtigkeitssinns“ gewählt hat.

Bis zu den Olympischen Spielen 2020 zählt aber nur der Siebenkampf. „Ich hoffe, meinen Leistungshöhepunkt in Tokio und nicht schon heute gehabt zu haben“, sagte Schäfer. „Die Vorfreude ist da, drei Jahre darauf hinzuarbeiten, um dort den maximalen Erfolg abzuräumen.“

Schäfer nimmt jetzt den deutschen Rekord in Angriff

Um Olympia-Gold zu holen, müsste sie die bei der WM dominierende Nafissatou Thiam (22), die zuvor in Götzis in Österreich 7013 Punkte holte, schlagen können. „Der Mehrkampf ist ein Auf und Ab“, meinte Schäfer. „Sicher ist sie die Topfavoritin, aber jeder kann patzen und Fehler machen. Vor jedem Siebenkampf werden die Karten neu gemischt.“

In Deutschland ist die Wattenscheiderin Sabine Braun mit ihren WM-Titeln von 1991 und 1997 sowie dem deutschen Rekord von 6985 Punkten der Maßstab für sie. Nach den 6836 Punkten von Götzis sind Sphären geöffnet worden, die einen darüber nachdenken lässt, was einen die kommenden Jahre erwartet“, meinte Schäfer. „Sicherlich wäre die Krönung, mit dem deutschen Rekord die Karriere zu beenden. Es ist ein Rekord, der realistisch erscheint und in Angriff genommen wird.“

Nach der WM in London gönnt sie sich aber erst einmal eine Auszeit von zwei Monaten. „Nach den drei Weltklasse-Siebenkämpfen ist es wichtig einen Cut zu machen, einen kühlen Kopf zu bewahren und zu wissen, dass es mal gut ist“, erklärte Schäfer. Sie will sich nun mal um „Frauen-Sachen“ wie Shoppen kümmern und reisen. Die 30 000 Euro Prämie für WM-Silber will sie aber nicht dafür auf den Kopf hauen, sondern später für ein Eigenheim investieren.

dpa

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