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2. Liga

Trauerspiel zum Dritten: HSV nimmt Abschied vom Aufstieg

Enttäuschung
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Wieder keine Bundesliga? Nach dem Remis gegen den KSC schwinden beim HSV weiter die Aufstiegshoffnungen.

Es scheint, als könnte der HSV das Thema Aufstieg auch für diese Saison beenden. Die Mannschaft erliegt dem nervlichen Druck. Trainer Thioune ist tief getroffen. Es gibt aber etwas, was ihm Hoffnung macht.

Hamburg (dpa) - Kommt der Frühling, ist der Hamburger SV von der Rolle. Geht es um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, versagen den Profis die Nerven. Das Trauerspiel aus dem Volkspark wird zum Klassiker. Derzeit vollzieht sich Akt drei.

Viele Protagonisten aus den vermurksten Aufführungen der beiden Vorjahre sind erneut dabei, nicht wenige sind neu. Die Mechanismen aber sind immer gleich. „Wir brauchen nicht über Dinge zu reden, die sich nicht realisieren lassen, wenn man keine Fußballspiele gewinnt“, sagt Trainer Daniel Thioune nach dem 1:1 gegen den Karlsruher SC in der 2. Liga. „Wir haben in den letzten Wochen sehr wenig gewonnen. Da müssen wir uns nicht über irgendwelche Relegationsplätze unterhalten.“

Seit fünf Spielen ist das Team sieglos. Nur drei Siege gab es in der Rückrunde. So viele hat auch der Vorletzte Würzburger Kickers. Fünf Punkte ist Greuther Fürth auf einem direkten Aufstiegsplatz entfernt. Beide haben noch drei Partien. Von hinten drückt Holstein Kiel, das noch sechs Spiele zu bestreiten hat, aber nur zwei Punkte hinter dem HSV liegt. „Natürlich muss man sich Sorgen machen“, gesteht Torhüter Sven Ulreich. Der dritte verpasste Aufstieg in Serie ist nah.

Thioune nimmt der Absturz seiner Mannschaft sichtlich mit. Mit leiser Stimme analysiert er das Gesehene und Geschehene und kann selbst nicht so recht fassen, dass der Hinrunden-Primus so eklatant abschmiert. Eine privilegierte Position habe seine Mannschaft nach der Hinrunde gehabt, klagt Thioune, die dazu hätte führen müssen, „dass eine ordentliche Rückrunde ausgereicht hätte, um dann den einen oder anderen Platz weiter oben zu stehen“.

Auch der 46 Jahre alte Coach mit starker persönlicher Ansprache, mit Begeisterungspotenzial und fußballerischer Ideenvielfalt erleidet jetzt, was seine Vorgänger Hannes Wolf und Dieter Hecking ertragen mussten. „Uns hat die Leichtigkeit in unserem Spiel gefehlt“, sagt Thioune. Jene Leichtigkeit, „die im Kopf nicht da war, Beine und Körper gehemmt hat“. Soll heißen: Die Profis brechen unter dem Aufstiegsdruck zusammen. Da konnte auch Mentaltrainer Martin Daxl, auch Reflexionscoach oder Potenzialtrainer genannt, nicht helfen.

Es hat den Eindruck, als wäre in Hamburg dieser Psycho-Druck stärker als bei anderen Zweitligisten, als würden die negativen Erfahrungen der Vergangenheit den Profis Fesseln anlegen und jeglichen Mut rauben. Da bringt es wenig bis gar nichts, schon wieder dem Pawlowschen Reflex zu erliegen und den Trainer zu feuern. Beweise gibt es natürlich nicht, aber die These steht: Auch ein Jürgen Klopp oder Pep Guardiola würden die HSV-Profis kaum zu Mental-Monstern umfunktionieren können. Wenn jemand die Fähigkeiten und das Wissen dazu hat, dann der Menschenfänger, diplomierte Sportfachwirt und Bachelor für Sport und Erziehungswissenschaften Thioune. Auch er ist nicht fehlerlos. Aber wer will schon den ersten Stein werfen?

Definitiv vorbei ist es für den HSV noch nicht. Die Hoffnung ruht auf dem psychischen Umkehreffekt: Wenn eh alles in die Grütze geritten wurde, dann muss man sich auch keinen Kopf mehr machen. „Die Scheißegal-Mentalität ist vielleicht etwas, was helfen kann“, sagt Thioune. Jetzt geht es noch gegen Nürnberg (Platz 12), Osnabrück (17.) und Braunschweig (16.). Thioune: „Am Ende werden wir sehen, ob diese Scheißegal-Mentalität dazu führt, dass wir ein bisschen mehr einsammeln.“

Das sieht auch HSV-Sportdirektor Michael Mutzel so. „Vielleicht ist dann doch ein bisschen zu viel Druck auf dem Kessel“, sagt er. Deshalb setzt er auf „eine Leck-mich-am-Arsch-Einstellung“, die mehr Lockerheit bringt. „In der Liga sieht man, dass jeder jeden schlagen kann. Da kann schon noch was passieren“, meint er. Eine Trainerdiskussion hält der 41-Jährige für unangebracht. „Das ist immer einfach, wenn man solche Phase hat, dass man mit dem Finger auf den Trainer zeigt. Das wollen wir nicht machen.“

© dpa-infocom, dpa:210430-99-414414/5

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