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Meer und Moneten

Hambüchen und Nguyen mit neuem Leben

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Marcel Nguyen (l.) und Fabian Hambüchen posieren mit ihren Medaillen

London - Das Leben der deutschen Medaillengewinner Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen wird sich schon kurz nach den Turn-Triumphen ziemlich ändern. Es winken Meer und Moneten.

Viel Zeit zur Erholung bleibt den deutschen Vorturnern nach ihrem aufregenden London-Abenteuer nicht. Nach dem grandiosen Doppel-Silber bei Olympia wird sich für Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen das Leben gravierend ändern. Der elegante Reck-Artist gibt seine Wohnung in Wetzlar auf und beginnt ein Studium für Sport und Kommunikation an der Sporthochschule Köln. Auf den smarten Barren-Spezialisten aus Unterhaching kommt ein Riesenstress durch zahlreiche Sponsoren-Anfragen selbst aus Asien zu.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

Britta Heidemann hat den deutschen Medaillenbann gebrochen - die Degenfechterin holte mit Silber das erste deutsche Edelmetall. © dpa
Für das erste Gold sorgte dann die deutsche Equipe im Vielseitigkeitsreiten. Michael Jung, Ingrid Klimke, Sandra Auffarth, Dirk Schrade, Peter Thomsen ritten der Konkurrenz einfach auf und davon. © dpa
Michael jung bescherte sich an seinem 30. Geburtstag gleich ein zweites Mal mit Gold: Nach dem Erfolg mit der Mannschaft holte er sich auch den Sieg in der Einzelkonkurrenz. © dpa
Teamkollegin Sandra Auffarth kam im gleichen Wettbewerb auf den dritten Platz - die erste Bronzemedaille für das deutsche Olympiateam! © dapd
Eine echte Überraschung gelang Sideris Tasiadis: Im Kanuslalom im Canadier-Einer holte der Augsburger Silber. © dpa
Nach Gold in Peking vor vier Jahren bestätigte Judoka Ole Bischof seine Leistung auch in London. Der Reutlinger musste sich erst im Finale geschlagen geben - Silber! © dpa
Julia Richter, Carina Bär, Annekatrin Thiele und Britta Oppelt holen das erste Edelmetall auf dem Dorney Lake - die Deutschen rudern im Doppelvierer zur Silbermedaille. © dapd
Gold für das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes: Filip Adamski, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Richard Schmidt, Lukas Müller, Florian Mennigen, Kristof Wilke und Martin Sauer werden ihrer Favoritenrolle gerecht. © dapd
Judith Arndt hat in ihrem letzten olympischen Radrennen auf der Straße die Silbermedaille im Zeitfahren gewonnen. © dapd
Noch ein Augsburger Medaillengewinner! Nach Sideris Tasiadis am Tag zuvor hat Slalomkanute Hannes Aigner im Kajak Bronze geholt. © dpa
Tony Martin sicherte den Radfahrern das zweite Edelmetall auf den Straßen Londons: Im Zeitfahren wurde er Zweiter. © dpa
Kerstin Thiele hat im Judo in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm völlig überraschend Silber erkämpft. © dpa
Marcel Nguyen aus Unterhaching, der in München geboren ist, hat beim Mehrkampf-Finale der Kunstturner überraschend die Silbermedaille gewonnen. © dpa
Dimitrij Ovtcharov sicherte sich überraschend Bronze im Tischtennis-Einzel. © dpa
Judoka Dimitri Peters legte einen bärenstarken Auftritt hin und sichert sich ebenfalls Bronze. © dpa
Kristina Vogel und Miriam Welte haben sich im Bahnrad-Teamsprint Gold geholt, obwohl sie das Finale gegen China verloren haben. Doch die Asiatinnen wurden nachträglich wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert. © dpa
Die Teamsprinter Rene Enders, Maximilian Levy und Robert Förstemann haben im Teamsprint der Männer wenig später ganz ohne Jury-Entscheid die Bronzemedaille gewonnen. © dpa
Das nächste Ruder-Gold im Doppel-Vierer der Männer: Karl Schulze (Dresden), Philipp Wende (Wurzen), Lauritz Schoof (Rendsburg) und Tim Grohmann (Dresden) siegten nach einer eindrucksvollen Leistung bei der olympischen Ruder-Regatta auf dem Dorney Lake. © getty
Judoka Andreas Tölzer (r.) sicherte sich im Schwergewicht das bronzene Edelmetall. © dpa
David Storl hat im Kugelstoßen die erste Leichtathletikmedaille für die Deutschen geholt - Silber! © dpa
Erst Silber, dann disqualifiziert, dann Silber: Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf macht es spannend - und holt am Ende doch eine Medaille! © dpa
Auch sie fielen einer Jury-Entscheidung zum Opfer und verpassten so das Finale. Die Herren freuten sich dann aber dennoch über Edelmetall: Das Florett-Team Benjamin Kleibrink (L-R), Peter Joppich und André Wessels holten Bronze. Nicht im Bild ist Sebastian Bachmann, der nach einem Sturz in seinem Gefecht verletzt aufgeben musste. © dpa
Marcel Nguyen sorgte nach seinem zweiten Platz im Mehrkampf für die erste Olympia-Medaille seit 24 Jahren für deutsche Turner am Barren. Er holte Silber. © dpa
Fabian Hambüchen hat sich mit Silber am Reck seinen Traum von einer erneuten Olympia-Medaille erfüllt. © dpa
Nach achtmal Gold bei acht Starts hintereinander gewann das deutsche Dressur-Team diesmal "nur" die Silbermedaille. © dpa
Maximilian Levy hat im Keirin-Wettbewerb der Bahnradfahrer Silber geholt. © dpa
Robert Harting hat im Diskus Gold geholt © dpa
Sebastian Brendel holte sich Gold im Einer-Canadier. © dpa
Martin Hollstein und Andreas Ihle paddelten im Zweier-Kajak dank eines tollen Endspurts zu Bronze. © dpa
Max Hoff schnappte sich im Einer-Kajak Bronze. © AP
Der deutsche Vierer mit Carolin Leonhardt (Lampertheim), Franziska Weber (Potsdam), Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) schaufelte sich zu Silber. © dpa
Timo Boll gewinnt mit der deutschen Tischtennis-Mannschaft durch einen Sieg über Hongkong Bronze © dpa
Doppel-Gold in 60 Minuten: Erst holten Peter Kretschmer und Kurt Kuschela mit einem sensationellen Schlussspurt im Zweier-Canadier Gold, ... © dpa
... eine Stunde später fuhren Franziska Weber und Tina Dietze im Zweier-Kajak souverän zum Olympiasieg. © Getty
Für eine Sensation im Beachvolleyball sorgten Julius Brink und Jonas Reckermann: Die Kölner sichern sich Gold! © dpa
Christina Obergföll wirft den Speer zu Silber. © dpa
Linda Stahl holt sich im selben Wettbewerb überraschend Bronze. © dpa
Thomas Lurz bleibt zwar über die Langstrecke von 10km das erhoffte Gold verwehrt aber mit Silber darf sich der Schwimmer immerhin schmücken. © dpa
Raphael Holzdeppe steigerte seine Bestleistung im Stabhochsprung und holte Bronze. © dpa
Noch besser lief es für Björn Otto: Der Dormagener sicherte sich die Silbermedaille. © dapd
Betty Heilder musste lange zittern, doch als die Kampfrichter nochmal mit dem altmodischen Maßband rausholten, war klar: Bronze für die Weltrekordhalterin im Hammerwerfen. © dpa
Taekwondoka Helena Fromm musste zwar durch die Trostrunde, doch am Ende klappte es mit der Bronzemedaille! © dpa
Sabine Spitz gewinnt im Mountainbike-Wettbewerb Silber und komplettiert damit nach Bronze in Athen und Gold in Peking ihren olymischen Medaillensatz. © dpa
Mit seinen beiden Treffern im Finale sichert Jan Philipp Rabente Deutschland Gold im Herren-Hockey. © dpa

Hambüchen sehnte sich nach dem Interview-Marathon erstmal nach ein bisschen Ruhe. “Ich freue mich, mit meiner Freundin Caroline auf der MS Deutschland nach Hause zu schippern“, meinte der Hesse, der den Silber-Tag im Kreise der Familie genoss. Bis zur Rückreise auf dem Kreuzfahrtschiff möchte er die Sehenswürdigkeiten der britischen Hauptstadt bewundern und unbedingt die Staffeln in der Leichtathletik anschauen.

Seinen Lebensmittelpunkt wird Hambüchen künftig an den Rhein verlegen. “Ich werde versuchen, dreimal in der Woche bei ihm zu sein. Wenn er es so will, gibt's keine Abstriche am Trainingspensum“, erklärte sein Vater Wolfgang zu den Veränderungen im Leben seines Sohnes. “Das ist sein letzter Schritt in die Selbstständigkeit.“ Am Mittwoch beschwerte sich sein Sprössling im Deutschen Haus erneut, dass es nicht gelungen sei, seinem Vater eine Akkreditierung zu verschaffen. “Das muss sich in Zukunft ändern“, forderte Hambüchen Junior.

Angesprochen auf die Zukunft des Turnens in Deutschland, blieb er skeptisch. Man spreche vom “goldenen Jahrgang 1987“, dem er wie Nguyen und Philipp Boy angehöre, aber was danach kommt, sei nicht so toll. “Da müsste sich in Deutschland einiges ändern“, kritisierte er. Hambüchen stand in der North Greenwich Arena dicht davor, den größten Erfolg seit Andreas Wecker zu feiern, der durch sein Gold bei den Atlanta-Spielen 1996 für den bislang wichtigsten Erfolg der Deutschen am Königsgerät gesorgt hatte. Nach Bronze in Peking und Silber in London scherzte Hambüchen in der Stunde seines großen Triumphs sogar vom Olympiasieg 2016 in Rio. Der ehemalige Reck-König Eberhard Gienger war angetan: “Tolle Leistung, tolle Übung“, schwärmte der Bundestagsabgeordnete, “die deutschen Turner sind wieder ganz oben in der Weltelite.“

Marcel Mink Phuc Long Nguyen hat einen erheblichen Anteil an dieser Renaissance. Auch für den Stabsgefreiten der Bundeswehr-Sportkompanie wird nichts mehr so sein wie zuvor. “Wir werden dafür sorgen, dass er jetzt nicht abhebt und seine Ziele aus den Augen verliert“, versicherte Trainer Waleri Belenki. Während sein Schützling auf Ibiza gemeinsam mit Philipp Boy und ihren Freundinnen entspannt, geht für Manager Jörg Neblung die Arbeit erst so richtig los. “Marcel ist als smarter Typ interessant. Wir haben schon mehr Absagen erteilt als Zusagen. Aber eines ist sicher: Wir müssen ihn jetzt mit Sponsoren-Terminen ein wenig stressen, um das Eisen zu schmieden, so lange es heiß ist“, sagte der Kölner und sprach von einer gravierenden “Transporter-Funktion“ der Silbermedaillen im Mehrkampf und am Barren.

Beim Hype im Netz hat Marcel Nguyen schon jetzt klar die Nase vorn. Die Zahl seiner Facebook-Freunde stieg in den Tagen von London von 3000 auf sagenhafte 175 000. Zum Vergleich: Hambüchens Seite, auf die er noch am Abend sein Lächeln mit der Silberplakette präsentierte, hat nur 17 000 “Follower“.

“Das ist unglaublich. So weit ich weiß, haben nur Sebastian Vettel und Dirk Nowitzki höhere Zahlen, wenn man die Fußballer mal außen vor lässt“, behauptete Neblung. Vor allem in Asien sei Nguyens Anhänger-Zahl riesig, viele Hongkong-Chinesen seien von ihm fasziniert. “Wir haben schon Einladungen zu Kaufhaus-Eröffnungen nach Hongkong und ähnliche Angebote“, erzählte Neblung, der die Hammer-Entscheidung ebenso vor dem Fernseher verfolgte wie Klaus Kärcher, als Manager seit acht Jahren wichtiger Baustein im “System Hambüchen“.

Er sei völlig fertig gewesen, bekannte Kärcher. “Wahnsinn. Aber das Unfassbare ist nicht Silber. Wie Fabi nach drei schweren Verletzungen wieder zurückgekommen gekommen ist und jetzt den Blick auf Rio lenkt, das zeigt seine einsame Klasse“, meinte der Schwabe, der nun auch für seine Vermarktungsstrategie Rückenwind bekommt: “Nicht ein einmaliger Erfolg ist entscheidend, sondern wie er trotz aller Hemmnisse acht Jahre lang in aller Munde geblieben ist.“

dpa

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