Freilassing verliert seinen Nimbus

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Auch wenn die ESVler Albert Deiter (links) und Niko Otto den Heimstettener Marko Tomicic in die Mangel nehmen - die erste Saisonniederlage konnten auch sie nicht abwenden.

Freilassing - Im sechsten Saisonspiel hat der ESV Freilassing die erste und völlig unnötige 2:3-Niederlage gegen den SV Heimstetten II kassiert.

Es war eine ärgerliche, weil völlig unnötige Niederlage, die sich das Freilassinger ESV-Team ohne seinen Kreativspieler Denis Krojer im sechsten Bezirksliga-Saisonspiel einhandelte und damit zugleich seinen Nimbus verlor. Der SV Heimstetten II – immerhin auswärts noch unbesiegt – war jedoch beileibe keine Übermannschaft, jedoch mit einem hervorragenden Keeper Marjan Krasnic, dem besten Mann auf dem Platz.

Er hielt seine Vorderleute im Spiel, denn gemessen an den hochkarätigen ESV-Torchancen, vor allem durch Daniel Leitz schon in der Anfangsphase, hätte die Truppe von Hermann Lindner eigentlich locker 3:0 führen können, statt zur Halbzeit 1:2 zurückzuliegen. Da die Heimelf auch nach dem Seitenwechsel die Partie durch viel zu überhastete Aktionen nicht umbiegen konnte, sogar 1:3 in Rückstand geriet, war es für den Anschlusstreffer in der letzten Spielminute zum 2:3 zu spät.

„Es mog heit net a", meinte ein treuer ESV-Anhänger, vielleicht schon vorahnend, als Leitz, zuletzt in Rosenheim dreifacher Torschütze, schon zehn Sekunden nach dem Anstoß im sonnenüberfluteten ESV-Stadion zentimeterknapp über die Querstange scheiterte. Ebenso dann auch in der 5. Minute, vom Torwart abgedrängt, aus spitzen Winkel ans Außennetz. Den Zuckerpass lieferte ihm „Mitch" Mayer. Gelegentliche Vorstöße der „Roten" aus Heimstetten – wenn auch ohne große Möglichkeiten - zeigten auf, dass die ESV-Abwehr nicht unbedingt sattelfest agierte.

Dennoch schien für die gastgebenden Grenzstädter vor 130 Zuschauern alles „nach Plan" zu verlaufen, denn in der 10. Minute zirkelte Manuel Weiß einen Freistoß perfekt für Christian Niederstrasser in den Strafraum, der, sich aus der Bewachung lösend, das 1:0 fixierte. Die letztlich entscheidenden individuellen Fehler der ESVler leitete nach einer Viertelstunde ausgerechnet Kapitän Stefan Schönberger ein. Bei einem Freistoß von Lukas Riglewski auf seinen Kasten kam seine Faustabwehr einen Tick zu spät und vielleicht auch irritiert von seinem Zuruf an seine Verteidiger kam deren Kopfballabwehr zu zaghaft. Christoph Schleger, einer der auffallend baumlangen Akteure der Gäste, köpfte zum 1:1 ein.

Zweikampf zwischen dem Freilassinger Franz Rehrl (in blau) und dem Gästeakteur Lukas Riglewski.

Die erneute ESV-Führung hatte Leitz auf dem Fuß. Innerhalb Sekunden scheiterte er nach Querpass von Albert Deiter gleich zweimal am Gästegoalie. In eigentlich recht simpler Spielweise nahmen die Heimstettener immer wieder den gegnerischen Druck aus dem Spiel, auch weil bei den ESVlern einfach nichts zusammenlief. Dicke Luft herrschte sogar im Torraum, als zunächst Schönberger toll gegen Marko Tomicic seitlich abwehrte und dann Schützenhilfe bekam, dass einer seiner Vorderleute den Schuss von Schleger vom linken Fünfereck auf der Torlinie abwehrte. Auf der Gegenseite gewann Torwart Krasnic mehrmals das Direktduell gegen Leitz. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kamen die Gäste zum Führungstor in der 39. Minute, begünstigt, dass Mayer in zentraler Abwehrmitte den Ball nicht unter Kontrolle bekam und Daors Gerguri diesen Stoppfehler rigoros nützte.

Fünf Minuten waren in der zweiten Halbzeit gespielt, als Dieter Lorenz einen Hinterhaltsschuss auf die ESV-Kreuzeckkante krachen ließ. Zwischen der 53. und 55. Minute lag jedoch der Ausgleich in der Luft: Mayer legte den Ball ideal in die Gasse für den eher unauffälligen Daniel Kovcs, der halblinks freie Bahn hatte, jedoch nur ein „Schüsschen" zustande brachte, vom Tormann problemlos gemeistert. Kurz drauf warf sich dann Krasnic mehrmals ins Geschehen in einem permanent starken Angriff der Hausherren. Wiederum hatte Daniel Leitz das Glück nicht gepachtet, denn sein akrobatischer Schuss von der Strafraumgrenze aus dieser „Schussorgie" landete an der Latte. Erneut zeigte sich gleich drauf der TSV-Torsteher aufmerksam, indem er vor dem kopfballbereiten Mayer die Kugel mit den Fingerspitzen noch zur Ecke abfälschte.

Punktehoffnungen des ESV sanken nach 64 Minuten mit dem dritten Gegentor auf den Tiefpunkt. Aus einem Konter, der nach einem Abspielfehler eingeleitet werden konnte, zog in zentraler Mitte Dieter Lorenz davon – 3:1 aus Sicht der Gäste. An dieser gnadenlosen Ausbeute der Heimstettener trotz weniger Möglichkeiten musste Coach Hermann Lindner frustriert mit ansehen, dass dann seine Schützlinge auch in Überzahl – Spielführer Christian Scheiblegger sah in der 70. Minute wegen wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot von Schiedsrichter Vinzenz Pfister (Oberbergkirchen) – einfach nichts zerrissen.

Ein brutaler Tritt des bulligen Romas Langer an der Grundline im Strafraum gegen Daniel Leitz, der sich hätte böse verletzten können, hatte lediglich den Gelbkarton zur Folge. Den Elfmeter verwertete Manuel Weiß in der 90. Minute. In drei Minuten Nachspielzeit – wenn man die Zeitverzögerungen der Gäste ins Kalkül zieht, schlichtweg zu wenig – fanden die Gastgeber weiterhin kein Rezept, die Heimstettener wenigstens noch zum Ausgleich auszuhebeln.

ESV-Teamchef Hermann Lindner verschönte den ersten Saison-Ausrutscher nicht: „Wir waren selber schuld. Drei katastrophale Fehler und jede Menge vergeigte Torchancen – es war nicht unser Tag." (

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