Hronek: "Eher befreiend" 

Roxanne Dufter und Nicki Hronek beenden überraschend ihre Karriere

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Nicki Hronek (links, mit Tim Hronek) und Roxanne Dufter beenden ihre Karriere.

Inzell/Unterwössen - Zwei heimische Wintersportlerinnen haben etwas überraschend ihre Karriere beendet. So hat Inzells Eisschnellläuferin Roxanne Dufter die Schlittschuhe an den Nagel gehängt und auch Skirennläuferin Nicki Hronek aus Unterwössen hat die Bretter in den Keller gestellt. 

„Ich habe in den vergangenen vier Wochen viel nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, meine sportliche Karriere zu beenden“, so die Aussage der Inzeller Eisschnellläuferin Roxanne Dufter zu ihren Plänen nach dieser Saison. In dieser ist für die 28-jährige einiges nicht rund gelaufen, bereits nach dem letzten Wettkampf bei der Allround-Weltmeisterschaft in Hamar hatte sie angedeutet, dass sie mit dem Leistungssport aufhören will. „Es fällt mir wirklich sehr schwer, ich mag meinen Sport sehr. Ich habe aber gemerkt, dass ich die Belastung für die kommenden zwei Jahre bis zu den Olympischen Spielen in Peking nicht mehr aufbringen kann.“ 


In Zukunft will sich die Sportsoldatin ihrem Hochschulstudium im Sportmanagement widmen und ihre Bachelorarbeit schreiben. Auch eine zukünftige Tätigkeit im Sportjournalismus schließt sie nicht aus. Ebenfalls will sie sich bei ihrem Verein dem DEC Inzell engagieren und ihren jüngeren Bruder Joel bei dessen sportlichen Karriere unterstützen. Besonders bedanken will sich Roxanne Dufter bei ihrem Verein und der Gemeinde Inzell, aber auch bei allen Freunden, Familienangehörigen, Trainern und Wegbegleitern. „Da gibt es so viele, die mich durch mein Sportlerleben begleitet haben. Das hat mir immer gutgetan“, so Dufter dankbar. 

Schulsportsichtung als Startschuss

Begonnen hat sie mit dem Eisschnelllaufen nach einer Schulsportsichtung. Von den gut zehn jungen Eisschnellläuferinnen hat sie als einzige den Sprung in das internationale Geschehen geschafft. 2018 hat sie bei den Olympischen Spielen in Südkorea und bei acht Weltmeisterschaften teilgenommen. Neben Olympia zählt sie die Heim-WM 2019 in der Max Aicher Arena zu ihren Highlights. Dazu ist sie im Weltcup am Start gewesen, über 1.500-Meter ist sie zweimal deutsche Meisterin geworden. Bei der Einzelstreckenmeisterschaft zuletzt in Salt Lake City lief sie über 1.500-Meter 1:53,96 Minuten und blieb nur 0,87 Sekunden unter dem deutschen Rekord von Anni Friesinger-Postma. Im Laufe der Jahre spezialisierte sie sich weg von den 1.500-Meter auf die längeren Strecken wie etwa die 3.000- Meter.


Skirennläuferin Nicki Hronek aus Unterwössen begründet ihr Karriereende mit diesen Worten: „Ich habe den Anschluss verloren und mich von der Weltspitze weit entfernt.“ Bereits im Verlauf der vergangenen Saison habe sie mit dem Gedanken gespielt, nach der Saison die Bretter an die Wand zu nageln. „Ich habe viel um meine Form gekämpft, irgendwann habe ich festgestellt, dass das Feuer fehlt“, meinte die siebenfache deutsche Meisterin. Auch der Rat eines Mentaltrainers und ein Materialwechsel brachte nicht den erwünschten Erfolg. Ihren Entschluss habe sie mit vertrauten Personen in ihrem Umfeld besprochen. 

"Eher befreiend"

Die Entscheidung aufzuhören habe sie schließlich alleine gefällt. „Derzeit habe ich deswegen kein schlechtes Gefühl, ich fühle es eher befreiend“, sagt sie sichtlich erleichtert. In ihrer Karriere die 2010 im Weltcup begann, hatte Hronek immer wieder mit schweren Verletzungen zu kämpfen. Dreimal hat sie sich das Kreuzband gerissen. „Immer wieder habe ich einen neuen Anlauf nehmen müssen, jetzt ist die Luft raus.“ Ihren größten Erfolg feierte sie 2013 bei der WM in Schladming mit der Bronzemedaille in der Mannschaft. Im selben Jahr gelang ihr mit dem fünften Platz im Super-G in Garmisch-Partenkirchen ihre beste Platzierung im Weltcup. Ihr jüngerer Bruder Tim nahm die Nachricht vom Rücktritt gefasst auf. „Klar, wenn die große Schwester als Vorbild aufhört, ist das nicht schön für ihn.“ 

Tim Hronek ist im Weltcup bei den Skicrossern unterwegs. Pläne für die Zukunft hat Nicki Hronek bereits geschmiedet. Sie ist beruflich bei der Bundespolizei abgesichert und würde gerne Polizei- Bergführerin bei der Dienststelle in Berchtesgaden werden. Sportlich will sie weiter auf den Skiern unterwegs sein. „Aber ohne Zeitnahme im Ziel“, meint sie sie schmunzelnd. Auch eine Laufbahn als Trainerin im alpinen Bereich kann sie sich irgendwann vorstellen. Der Blick zurück auf ihre Karriere fällt ohne Zorn aus. „Ich bin sehr dankbar für alles, es war eine tolle Zeit, auch wenn es oft ein harter Weg gewesen ist“, sagt sie abschließend.

SHu

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