"Unser Kampf hat sich gelohnt"

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Die Ringer haben ihren vielleicht größten Kampf der letzten Monate gewonnen: Die Traditionssportart bleibt weiter olympisch.

Landkreis/Buenos Aires - Auch auf regionaler Ebene herrscht unter den Ringern große Erleichterung. Sie freuen sich, dass ihre Sportart olympisch bleibt.

Aufatmen und riesen Jubel zugleich in der internationalen Ringerwelt wie auch auf lokaler Ebene bei den regionalen Ringervereinen: Die Ringer haben ihren Kampf gewonnen, der angedrohte Rauswurf aus dem olympischen Programm ist abgewendet. Ringen, das bereits in der Antike Teil des olympischen Programms war und seit 1896 Teil der Spiele der Neuzeit ist, bleibt weiterhin eine der olympischen Kerndisziplinen. Noch im Februar schien es, als würden die Ringer ihren größten Kampf verlieren, als der Sport auf der Abschussliste des Internationalen Olympischen Komitees stand. Eine weltweite Kampagne und flankierende Maßnahmen, wie beispielsweise massive Reformen und Regeländerungen, die die Attraktivität des Ringsports erhöhen sollen, haben nun neben eines gewaltigen aufgebauten weltweiten Drucks bei der Abstimmung der IOC-Vollversammlung für den „Turn around“ gesorgt, Ringen bleibt olympisch.

In der entscheidenden Abstimmung setzte sich Ringen mit 49 Stimmen vor Baseball/ Softball (24 Stimmen) und Squash (22) deutlich durch. „Die Ringerinnen und Ringer auf der ganzen Welt sind erleichtert, dass ihr ganz persönlicher Traum von Olympia als stärkster Motivationsfaktor erhalten bleibt und feiern die Entscheidung begeistert. Unser Kampf hat sich gelohnt. Unser Dank gilt allen Unterstützern aus Sport, Politik und Wirtschaft, sowie der gesamten Ringerfamilie, die uns auf diesem Weg Ihre volle Solidarität zukommen haben lassen“ betonte der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), Manfred Werner unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung. Insbesondere der deutsche Ringerbund hatte sich beim Ringer-Weltverband FILA massiv in die Reformbemühungen eingebracht und Flagge gezeigt. Ein Kampf, der sich nun erkennbar gelohnt hat.

Einsatz für den Sport auf allen Ebenen

Dieser Kampf wurde auf vielen Ebene geführt. Auf Bundes—und Verbandsebene liefen genauso Gespräche und Aktionen, wie auf lokaler Ebene. Lobbyarbeit wurde betrieben, Personen des öffentlichen Lebens – die dem Weg der noch stärkeren offenen Kommerzialisierung Olympias einen Riegel vorschieben wollten – stellten sich konsequent auf die Seite der Ringer. Der Ringsport, der in den vergangenen Jahren mehr und mehr an den Rand der medialen Berichterstattung gerutscht war, war plötzlich wieder in aller Munde. Zeitweise mutierte die Thematik sogar zum Wahlkampfthema für die Bundestagswahl.

Viele Ringer und Funktionäre engagierten sich in unzähligen Aktionen. So wie Toni Marchl, Vize Präsident Leistungsport des Österreichischen Ringsport Verbandes und Obmann des A.C. Wals, der sich aber nun – rechtzeitig zum Saisonbeginn der Mannschaftskämpfe – wieder mit den Mattenduellen beschäftigen will: „Es war die größte, längste, aufregendste, erfolgreichste, länderübergreifende Werbekampagne der Sportart Ringen die es jemals gegeben hat.“ Für den Ringsport waren die letzten Monate eine unfreiwillige Werbekampagne, eine Wiederholung aber nicht erwünscht. „Ich möchte diese in einer solchen Konstellation nicht mehr miterleben“ betont der Olympiateilnehmer von 1992 Toni Marchl, dessen Kontakte zur Fußball-Legende Franz Beckenbauer für dessen starkes Eintreten für den Ringsport mit verantwortlich waren.

Erleichterung bei Vereinen in der Region

Auch regional zeigten sich viele weitere Ringerverantwortliche erleichtert: Burghausens Abteilungsleiter, Jürgen Löblein, in dessen Mannschaftskader eine Reihe vor allem ausländischer Medaillengewinner und potentieller Olympiakandidaten stehen, formulierte es so: „ Unsere Sportler können damit weiter den Traum leben am weltweit größten Sportereignis teilzunehmen. Wir sind froh dass der Verstand über die kommerziellen Interessen gesiegt hat und hoffen dass unsere Dachverbände im In- und Ausland die Reformen unserer Sportart konsequent, aber auch mit Bedacht weiterführen.“

Sein Traunsteiner Kollege, Hartmut Hille freute sich ebenso über die Entscheidung: „Ob es junge Ringer aus der Region einmal zu Olympia schaffen, sei einmal dahingestellt. Letztlich geht es aber auch darum die Vision, die zugleich auch Trainings- und Wettkampfmotivation zugleich ist, gerade für die junge Generation aufrecht zu erhalten.“

Der für den einen oder anderen spitzen Kommentar bekannte Bezirksvorsitzende des Ringer Bezirks Inn-Chiem, Michael Buchholz hinterfragte die Entscheidung: „Sieg der Einsicht? Oder war es der weltweite Protest, die Reformen, der Druck aus Moskau, am Ende spielt es keine Rolle, warum das IOC doch noch eingeschwenkt hat. Nichts gegen andere Sportarten, aber wenn Ringen zugunsten der konkurrierenden Sportarten aus dem Programm geflogen wäre, hätte sich auch die Freunde von Mikado, Maßkrug-Stemmen und Fingerhakeln um Olympische Zugehörigkeit bewerben können!“

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