Albachingerin Franziska Preuß bereitet sich in Ruhpolding vor

Biathlon zu Corona-Zeit: Von der Normalität noch weit entfernt

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Auch im heimischen Garten ist es für Franziska Preuß möglich, sich zum Beispiel mit Streching fit zu halten.

Ruhpolding/Albaching - Von der Normalität ist das Training der heimischen Biathleten am Stützpunkt in Ruhpolding noch weit entfernt. Noch müssen auch in der Chiemgau Arena die aktuellen Hygienevorschriften eingehalten werden. Auch für Franziska Preuß läuft daher die Vorbereitung auf die kommende Saison in diesem Mai ganz anders als geplant.

Zuvor ist der Trainingseinstieg nicht viel anders als die Jahre zuvor verlaufen. "Wir haben ja immer bevor das offizielle Training beginnt, ein bis zwei Wochen selbstständiges Training davor", sagt die 26-Jährige vom SC Haag. "Diese zwei Wochen genieße ich jedes Jahr das Training alleine nach Lust und Laune zu gestalten. Ich bin viel mit dem Rennrad unterwegs gewesen und konnte die ruhige Verkehrslage ausnutzen. Die eine oder andere Einheit habe ich im Keller in unserem eigenen Kraftraum daheim gemacht." 


Nach dem vorzeitigen Abbruch der Weltcupsaison und der Absage der Rennen in Oslo war nach den Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie ein großer Urlaub nicht möglich. "Ich habe das sehr entspannt gesehen. Gerade die Anfangszeit der Beschränkungen habe ich ehrlicherweise sehr genossen, einfach "nur" daheim zu sein. Gerade nach einem Wettkampfwinter war die Zeit echt schön und wir konnten auch unser Zuhause auf Vordermann bringen. Während der Saison ist man eh selten oder nur auf einen Sprung daheim. Andererseits war es schade, dass man bestimmte Personen die man das ganze Jahr nur selten sieht, nicht besuchen durfte", bedauert Preuß. 

Biathlon: Der Kader der deutschen Damen für die Saison 2020/21

(von links): Denise Herrmann, Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Karolin Horchler gewannen bei der WM 2020 in Antholz Silber in der Staffel und sind auch in der Saison 2020/21 Teil des deutschen Teams.
(von links): Denise Herrmann, Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Karolin Horchler gewannen bei der WM 2020 in Antholz Silber in der Staffel und sind auch in der Saison 2020/21 Teil des deutschen Teams. © picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa
Denise Herrmann: Geburtsdatum: 20.12.1988; Skiclub: WSC Erzgebirge Oberwiesenthal; Größte Erfolge: Weltmeisterin in der Verfolgung 2019, Vize-Weltmeisterin 2020, Gewinn des Sprintweltcups 2020; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 3.
Denise Herrmann: Geburtsdatum: 20.12.1988; Skiclub: WSC Erzgebirge Oberwiesenthal; Größte Erfolge: Weltmeisterin in der Verfolgung 2019, Vize-Weltmeisterin in der Verfolgung 2020, Gewinn des Sprintweltcups 2020; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 3. © picture alliance/Angelika Warmuth/dpa
Karolin Horchler: Geburtsdatum: 09.05.1989; Skiclub: WSV Clausthal-Zellerfeld; Größte Erfolge: Gesamtsiegerin im IBU-Cup 2017/18, Vizeweltmeisterin in der Staffel 2020; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 37.
Karolin Horchler: Geburtsdatum: 09.05.1989; Skiclub: WSV Clausthal-Zellerfeld; Größte Erfolge: Gesamtsiegerin im IBU-Cup 2017/18, Vizeweltmeisterin in der Staffel 2020; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 37. © picture alliance/Sven Hoppe/dpa
Franziska Preuß: Geburtsdatum: 11.03.1994; Skiclub: SC Haag; Größte Erfolge: Vizeweltmeisterin in der Verfolgung 2015, Weltmeisterin in der Staffel 2015; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 6.
Franziska Preuß: Geburtsdatum: 11.03.1994; Skiclub: SC Haag; Größte Erfolge: Vizeweltmeisterin in der Verfolgung 2015, Weltmeisterin in der Staffel 2015; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 6. © picture alliance/Sven Hoppe/dpa
Vanessa Hinz: Geburtsdatum: 24.03.1992; Skiclub: SC Schliersee; Größte Erfolge: Vizeweltmeisterin im Einzel 2020, Weltmeisterin in der Staffel 2015, 2017, Weltmeisterin in der Mixed-Staffel 2017; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 16.
Vanessa Hinz: Geburtsdatum: 24.03.1992; Skiclub: SC Schliersee; Größte Erfolge: Vizeweltmeisterin im Einzel 2020, Weltmeisterin in der Staffel 2015, 2017, Weltmeisterin in der Mixed-Staffel 2017; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 16. © picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa
Maren Hammerschmidt: Geburtsdatum: 24.10.1989; Skiclub: SK Winterberg; Größte Erfolge: Weltmeisterin in der Staffel 2017, IBU-Gesamtweltcupsiegerin 2012; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 79.
Maren Hammerschmidt: Geburtsdatum: 24.10.1989; Skiclub: SK Winterberg; Größte Erfolge: Weltmeisterin in der Staffel 2017, IBU-Gesamtweltcupsiegerin 2012; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 79. © picture alliance/Sven Hoppe/dpa
Janina Hettich: Geburtsdatum: 16.06.1996; Skiclub: Ski Club Schönwald; Größte Erfolge: Vize-Europameisterin in der Staffel 2019, Bronzemedaillengewinnerin bei den Deutschen Meisterschaften 2019; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 66.
Janina Hettich: Geburtsdatum: 16.06.1996; Skiclub: Ski Club Schönwald; Größte Erfolge: Vize-Europameisterin in der Staffel 2019, Bronzemedaillengewinnerin bei den Deutschen Meisterschaften 2019; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 66. © picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa
Franziska Hildebrand: Geburtsdatum 24.03.1987; Skiclub: WSV Clausthal-Zellerfeld; Größte Erfolge: Weltmeisterin in der Staffel 2015, 2017; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 86.
Franziska Hildebrand: Geburtsdatum 24.03.1987; Skiclub: WSV Clausthal-Zellerfeld; Größte Erfolge: Weltmeisterin in der Staffel 2015, 2017; Platzierung im Gesamtweltcup der Saison 2019/20: 86. © picture alliance/Angelika Warmuth/dpa

Den abrupten Saisonabbruch und die zwei Weltcups zuvor ohne Zuschauer war für die Biathletin eine ungewohnte Situation. Zum einen das leere Stadion und zum anderen die Ungewissheit, welche Auswirkungen das Virus auf das Leben haben wird. "Wir haben uns sehr viele Gedanken dazu gemacht, dass es fast schon schwer gewesen ist, sich noch auf den Sport zu fokussieren." 

Schade fand es die Sportlerin, dass die Fans nicht ins Stadion konnten. "Gerade nach den Heimweltcups und danach bei der Weltmeisterschaft in Antholz war eine grandiose Stimmung. Es war aber auch mal angenehm, die Rennen in Ruhe abzuarbeiten. Aber grundsätzlich ist schon besser, eine gute Stimmung zu haben", beschreibt sie die Wettkämpfe in Nove Mesto und Kontiolathi ohne Zuschauer.

Pünktlich zur WM in Schuss gekommen

Bei der Weltmeisterschaft in Antholz konnte Preuß zwei Silbermedaillen in der Single-Mixedstaffel und mit der Frauenstaffel erringen. In den Einzelrennen hat es jeweils zu einer Top-8 Platzierung erreicht. "Im vergangenen Sommer war eine Einzelmedaille schon eine riesen Motivation im Training. Nachdem ich aber dann im Dezember nochmal für zwei Wochen wegen Krankheit ausgefallen bin, wusste ich, dass es sehr schwer werden würde. Vor allem, weil mir alles noch ein Weilchen nachhing. Pünktlich zu den WM-Rennen bin ich wieder in Schuss gekommen, da war ich schon erleichtert." 

Ein besonderer Ansporn war beim Weltcup Anfang der Saison in Östersund der zweite Platz mit Erik Lesser im Single-Mixed. "Mittlerweile hat so gut wie jede Nation zwei richtig starke Athleten aufgestellt. Jeder Fehler kann einer zu viel sein. Uns war klar, dass wir auf alle Fälle in der Lage sein würden, im vorderen Feld mitzumischen. Es war ein Supertag für uns Zwei, dass es zu einer Medaille gereicht hat, hat uns schon ein wenig überrascht", gibt sie zu. Auf die Tage von Antholz blickt sie gerne zurück. Zwei Wochen konnten die Teilnehmer schönes Wetter genießen und im Stadion herrschte nicht nur bei den Wettkämpfen, sondern auch beim Training eine super Stimmung. "Nach den Einzelmedaillen von Denise (Herrmann) und Vanessa (Hinz) war natürlich bei uns Mädels eine gewisse Lockerheit dabei."

Franziska Preuß (links) und Erik Lesser bejubeln ihre Silbermedaille bei der WM in Antholz.

Zufrieden zeigt sich Franziska Preuß auch mit dem sechsten Platz im Gesamtweltcup. Nach gesundheitlichen Nebenbaustellen im Vorbereitungsjahr war sie gezwungen, sich nur noch auf das Wesentliche und auf Trainingsmethoden mit denen sie gute Erfahrungen gemacht hat, zu besinnen. „Hinter denen stehe ich hundertprozentig. Ich habe mich immer der aktuellen körperlichen Situation angepasst und das bestmögliche Training daraus gemacht. Das hat mir sehr gutgetan und es hat im Winter ja auch konstant funktioniert.“

Ab sofort in der Trainingsgruppe von Tobias Reiter

In dieser Saison hat sie sich nach Absprache mit Damen-Cheftrainer Kristian Mehringer abgesprochen, sich der Trainingsgruppe von Tobias Reiter, Andi Birnbacher und Niklas Kellerer angeschlossen. „In dieser Konstellation werde ich mein Stützpunkttraining machen.“ Trotz einiger Fragezeichen wegen der Corona-Krise und den anstehenden Planungen und Zielen für die neue Saison, hat sich Staffelweltmeisterin von 2015 einige Ziele gesetzt. „An oberster Stelle steht für mich, einfach mal eine Saison lang gesund durchzukommen und an die konstanten Leistungen des vergangenen Jahres anzuknüpfen. Dazu hoffe ich, dass es eine auch in Pokljuka wieder eine schöne WM wird.“ 

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Wenn alles wie geplant durchgeführt wird, steht den Biathleten ein sehr reiseaufwendiges Weltcup-Jahr bevor. Auch ein Testweltcup für Olympia 2022 in China ist vorgesehen. „Wie wichtig das sein wird, kann ich leider gar nicht so beurteilen. Die letzten olympischen Testrennen habe ich immer verpasst.“ Gespalten ist Franziska Preuß auf die Frage nach dem Traum von einer Olympiamedaille. „Mit Olympia habe ich mittlerweile schon gespaltene Ziele. Es gibt von außen diesen Hype um eine olympische Medaille, klar. Aber alles von dieser Medaille will ich auf keinen Fall abhängig machen. Wenn es klappt, würde ich mich total freuen. Ich glaube aber auch fest daran, man kann auch ein guter Sportler ohne Olympiamedaille sein.“

SHu

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