„Wir sind hier und wir sind viele“

Schwul, lesbisch, bisexuell - 185 deutsche Schauspieler outen sich gemeinsam

Ulrich Matthes, Karin Hanczewski, Mark Waschke sind Teil der Initiative #actout.
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Auch Ulrich Matthes, Karin Hanczewski und Mark Waschke sind Teil der Initiative #actout.

185 deutsche Medienschaffende haben gemeinsam ihr Coming-out bekannt gegeben. Sie wollen mit der Aktion #actout mehr Anerkennung in Theater, Film und TV erreichen und mit dem Manifest eine Debatte anstoßen:

In einer gemeinsamen Aktion unter dem Hashtag „#actout“ haben 185 deutsche Filmschaffende, Schauspieler und Schauspielerinnen ihr Coming-out „unter anderem als lesbisch, schwul, bi, trans, queer, inter und non-binär“ gefeiert. Mit einem gemeinsamen Manifest im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ (erscheint am Freitag, 5. Februar) wollen sie eine öffentliche Debatte anstoßen.

#actout - 185 deutsche Filmschaffende outen sich

Gleich zu Beginn heißt es darin: „Wir sind hier und wir sind viele.“ Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Maren Kroymann („Enkel für Anfänger“), Godehard Giese („Babylon Berlin“), Mark Waschke („Tatort“), Karin Hanczewski („Tatort“), Ulrich Matthes („Das Boot“), Jaecki Schwarz („Polizeiruf 110“) und Mavie Hörbiger („What a Man“).

„Bisher konnten wir in unserem Beruf mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne dabei berufliche Konsequenzen zu fürchten“, heißt es in dem Beitrag. Zu oft sei ihnen geraten worden, die eigene sexuelle Orientierung geheim zu halten. „Das ist jetzt vorbei.“ Diversität sei in Deutschland längst gesellschaftlich gelebte Realität, schreiben die Künstler.

Diese Vielfalt soll durch die Film- und Fernsehbranche abgebildet werden. Das Publikum sei bereit dafür. „Wir sind Schauspieler*innen. Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es - das ist unser Beruf.“ 

„Tatort“-Schauspielerin Karin Hanczewski sollte sich nicht outen

Im Interview mit der Süddeutschen fordern sechs der 185 Unterzeichner ihre Branche und die Gesellschaft auf, Diversität noch stärker sichtbar zu machen. Sie kritisieren die Männer- und Frauenbilder, die im Fernsehen und im Kino vermittelt werden. Lesbische Schauspielerinnen fürchteten, aus „dem Pool der für Männer begehrenswerten Frauen oder Frauenrollen“ herauszufallen und nicht mehr besetzt zu werden, so die 48-jährige Dresdner „Tatort“-Kommissarin Karin Hanczewski. Ihr sei gesagt worden, „ich solle im ,Tatort‘ nicht zu viele Karo-Hemden tragen“.

Karin Hanczewski kritisiert zudem, dass ihr in ihrem Beruf gesagt worden sei, sie solle sich nicht outen. Auch sie spricht von „Befreiung“ und fügt an: „Ich hatte immer den utopischen Wunsch, dass es, wenn ich mich mal oute, eine politisch-gesellschaftliche Relevanz hat. Als Einzelperson müsste ich schon wahnsinnig bekannt sein, damit das irgendwas verändert.“ In der Gruppe könnten sie aber etwas verändern.

Godehard Giese: „Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm“

Den Künstlern geht es darum, als Minderheit sichtbar zu sein. In der Familie oder im Freundeskreis hätten sie ein Coming-out hinter sich, sagt Godehard Giese („Babylon Berlin“). „Aber wir sind mit unserer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit nicht sichtbar. Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm.“ Sein Kollege Jonathan Berlin („Der dritte König“) bezeichnet es als „Akt der Selbstliebe“, sich zu outen. Als Jugendlichem hätten ihm Vorbilder gefehlt, „um damit freier umgehen zu können“.

Ebenfalls Teil von #actout sind, unter anderem: Jochen Schropp („Big Brother“), Knut Berger, Gerd Wameling („Tatort“), Anian Zollner und Jannik Schümann („Dem Horizont so nah“) sowie Eva Meckbach („Criminal“), Katja Bürkle („Tatort“), Nadine Wrietz („Dieses bescheuerte Herz“) und Ulrike Folkerts („Tatort“). Einige von ihnen hatten sich bereits in der Vergangenheit geoutet. Andere wiederum würden diesen Schritt nun gemeinsam tun, heißt es in dem Manifest.

jg/dpa

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