Doch kein Freispruch für Oliver Kahn?

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Vom weltbesten Torhüter zum TV-Experten: Oliver Kahn ist auch bei der kommenden Europameisterschaft an der Seite von Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zu sehen. Ein Fahrverbot würde den "Titan" wohl hart treffen

Bergen/Traunstein - Es war ein kontroverses Urteil: Obwohl Kahn auf der A8 bei Bergen in einer Tempo-80-Zone mit 163 km/h geblitzt wurde, kam es zum Freispruch.

Der Grund für den Freispruch am Amtsgerich Traunstein: Ein "vorauseilenden Lichtreflexes" bei der Messung. Doch der Ex-Fußballtorwart ist noch nicht aus dem Schneider. Jetzt hat das Oberlandesgericht (OLG) Bamberg das Urteil verworfen.

Laut OLG waren die Urteilsgründe des Amtsgerichts inhaltlich widersprüchlich und lückenhaft. Damit wird der Prozess gegen den prominenten Temposünder neu aufgerollt. Das bestätigte das OLG Bamberg gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Verhandelt wird ebenfalls am Traunsteiner Amtsgericht. Ein Termin hierfür steht noch nicht fest.

Der "Titan", der über ein Jahrzehnt das Tor der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern München hütete, war im Oktober 2009 mit seinem getunten weißen AMG-Mercedes (650 PS) im Chiemgau unterwegs - und das vermutlich doppelt so schnell wie erlaubt.

Führerscheinentzug, Punkte und Bußgeld

Laut Bußgeldbescheid schoss sein Wagen in Fahrtrichtung München mit 163 km/h über die Autobahnbrücke bei Bergen. Dort waren im Baustellenbereich aber nur 80 km/h erlaubt. Auch nach Abzug der Messtoleranz von 5 km/h blieb eine Tempoübertretung von 78 km/h übrig - mehr als genug für das gefürchtete Dreifach-Strafpaket: Bußgeld, Punkte in Flensburg und Führerscheinentzug.

Schon eineinhalb Meter vorher geblitzt?

Dass er am Steuer saß, bestritt Kahn (42) nicht. Im Einspruch gegen den Bescheid ließ der Ex-Profi aber über seinen Rechtsanwalt erklären, dass er regelkonform mit Tempo 80 über die Bergener Brücke gefahren sei. So kam es zur Verhandlung am Traunsteiner Amtsgericht. Schon zuvor hatte ein von Kahn beauftragter Privatgutachter die Geschichte mit dem "vorauseilenden Lichtreflex" ins Spiel gebracht. Demnach sei schon "geblitzt" worden, als Kahns aufgemotzter Mercedes noch eineinhalb Meter von der Messlinie entfernt war.

Allerdings schloss der Mann an der Kontrollstelle, ein erfahrener Polizeibeamter, im Zeugenstand einen Messfehler ebenso aus wie der Entwicklungsleiter des Messgeräteherstellers. Vorauseilende Effekte wie Sonnenstrahlen oder Reflexionen könnten das System zwar einen Tick zu früh starten, die Geschwindigkeit des Autos werde aber trotzdem korrekt erfasst, so der Techniker.

Dagegen stellte sich der vom Gericht hinzu gezogene messtechnische Sachverständige aus München zumindest teilweise auf die Seite von Kahns Privatgutachter. Er bezeichnete den Lichtreflex als Sonderfall, den vermutlich das Wetter, die Art und die Farbe des Autos herbeigeführt hätten. Wahrscheinlich sei korrekt gemessen worden, er könne Abweichungen aber nicht ausschließen.

"in dubio pro reo"

Aufgrund der Expertenzweifel sprach der Richter Kahn nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" vom Vorwurf der unerlaubten Raserei frei. Ohne eine konkrete Geschwindigkeit sei eine Verurteilung nicht möglich. Die Annahme, dass der Ex-Fußballer wahrscheinlich viel zu schnell dran war, reiche hierfür nicht aus.

Gegen den Freispruch legte die Staatsanwaltschaft Rechtsbeschwerde zum OLG Bamberg ein, das in Bußgeldverfahren für solche Streitfälle in ganz Bayern zuständig ist - mit Erfolg. Knapp ein Jahr nach dem Urteil schickten die Franken die Prozessunterlagen wieder zurück nach Traunstein - mit dem Auftrag, die Sache noch einmal zu verhandeln, weil dem OLG eine schlüssige Begründung für den Freispruch fehlte. Die Zweifel an der Verwertbarkeit des Messergebnisses hielt man offensichtlich als Grundlage für zu dünn.

Im ersten Prozess hatte die Staatsanwältin ein zweites Gutachten beantragt, aber beim Richter damit kein Gehör gefunden. Ob jetzt im Vorfeld der Neuauflage eine weitere Expertenmeinung eingeholt wird, konnte das Amtsgericht gestern noch nicht sagen.

Zwei weitere Verkehrsverstöße 2011

Wegen der erfolgreichen Rechtsbeschwerde könnte die Fahrt auf der A8 für Kahn nun doch noch schmerzhafte Folgen haben. Der ehemals beste Torwart hatte Anfang 2011 drei weitere Verstöße - zweimal war er zu schnell dran, einmal fuhr er bei Rot über die Ampel - in seiner Verkehrssünderkartei in Flensburg stehen. So droht Kahn, der den Fernsehzuschauern als ZDF-Experte am Rande von Fußballübertragungen erhalten blieb, ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten. Darauf hatte jedenfalls die Staatsanwältin im Traunsteiner Amtsgerichtssaal plädiert.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

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