Gunter Sachs "war ein heimlicher Bayer"

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Der Playboy und die BB: Drei Jahre hielt die Ehe zwischen Gunter Sachs und Brigitte Bardot. Wie das Paar plötzlich im Kramerladen mitten im Ort auftauchte - darüber wird heute noch in Oberaudorf gesprochen.

Oberaudorf/Kiefersfelden - Gunter Sachs, der am 7. Mai Selbstmord begangen hat, galt als weitgereister Playboy. "Dabei war er ein heimlicher Bayer", sagen Trachtler aus Oberaudorf und Kiefersfelden.

Sie waren immer willkommen, wenn es auf der Rechenau oder in Wildgrub etwas zu feiern gab, wo die Familie Sachs Haus- und Grundbesitz im Bergwald hat.

Bestürzung und Erschütterung wäre übertrieben. Dafür waren die Begegnungen mit dem weltbekannten Millionär zu sporadisch. Vielmehr haben die Menschen in Oberaudorf und Kiefersfelden mit Betroffenheit und großem Bedauern auf die Todesnachricht reagiert.

Unkompliziert, freundlich, korrekt - so wird Sachs von Trachtlern, Gastronomen oder Gemeindemitarbeitern beschrieben, die hin und wieder mit ihm zu tun hatten oder ihn sogar näher kannten. In Jahrzehnten hat niemand von ihnen auch nur ein schlechtes Wort über den Mann verloren, der als Deutschlands einziger Playboy von Weltrang galt.

Noch heute erzählt man sich in Oberaudorf gern die Geschichte, als Sachs in den 60ern auf einmal im Kramerladen in der Ortsmitte auftauchte - mit Brigitte Bardot an seiner Seite. Oder von Sachs 70. Geburtstag im Jahr 2002 mit Gästen wie Caroline von Monaco. Damals ließ der Jubilar in der Ortsmitte sogar ein Zelt aufstellen - zum gemeinsamen "Brunch", wie es auch damals schon in Szene-Deutsch hieß, von Promis und Bevölkerung. Danach ging es mit Oldtimern aus Amerang durch den Chiemgau zur Residenz von Drei-Sterne-Koch Heinz Winkler. "Wer ko, der ko", freuten sich die Oberaudorfer über das Spektakel.

Die Oberaudorfer und Kiefersfeldener schätzten Sachs. Mögen seine Partys in seiner Sturm-und-Drang-Zeit auch noch so abgefahren gewesen sein, so hielt sich der millionenschwere Gastgeber stets an die Spielregeln. Menschen, Tiere oder Natur wurden nicht gestört.

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Auf der anderen Seite schätzte Sachs die Diskretion der Leute. Bei den Handwerkern, Breznlieferanten oder Tuba-Bläsern, die er sich ins Haus holte, bissen die Münchner Klatschreporter auf Granit. Sie erzählten nichts.

Dass Sachs Mirja Larsson heiratet - das wussten die Oberaudorfer als Erste.

So kam es auch, dass die Oberaudorfer schon vor dem Rest der Welt wussten, dass Sachs nach der Französin (Bardot) eine Schwedin heiraten würde. "Schaut her, das ist die Mirja, sie wird meine neue Frau", habe ihnen der Frauenschwarm 1969 "ganz exklusiv" erzählt, erinnern sich die Trachtler. Prompt folgten Monate später Verlobung und Trauung mit Mirja Larsson.

"Seit er die hat, ist er nimmer so narrisch", habe man in Oberaudorf geurteilt, berichtete die "Welt" aus Hamburg vor einiger Zeit. Tatsächlich hielt die Ehe bis zum Tod.

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Aber es sind gerade die Anekdoten aus den wilden 60ern, die man sich im Ort immer wieder erzählt - so wie über die wohl skurrilste Party-Choreografie, die Sachs im Inntal jemals inszeniert hat - eine Mischung aus Orient-Express, Petersburger Schlittenfahrt und Robin Hood: Filmstars, Adelige und Party-Sternchen reisten in einem Extra-Zug an, stiegen im verschneiten Oberaudorf in romantische Pferdekutschen um und wurden im Bergwald von Laienschauspielern der Kieferer Ritterspiele überfallen, die Sachs engagiert hatte. Frauen wurden von den mittelalterlichen Barbaren "entführt" und mussten wieder "ausgelöst" werden - es waren verrückte Zeiten.

Doch die sind längst vorbei. Kam Gunter Sachs in jüngeren Jahren häufig, so wurden die Besuche zuletzt spärlicher. Für Schlagzeilen sorgte nur noch der Freistaat Bayern, der in den 90ern einen "Revierkampf" um die Jagdrechte der Familie Sachs im Staatsrevier Rechenau (Gemeinde Kiefersfelden) führte. Am Ende erhielt das Landwirtschaftsministerium im Rechtsstreit um Wildverbiss und Waldschäden zwischen Staat und Rolf Sachs, dem Sohn von Gunter Sachs, einen Denkzettel: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe gab Rolf Sachs recht. Er durfte wieder jagen.

Mit den Gemeinden Kiefersfelden und Oberaudorf hatte die Familie Sachs nie Probleme. "Wir werden Gunter Sachs in bester Erinnerung behalten", sagt ein Oberaudorfer Gastronom. "Und im Grunde genommen war er ein heimlicher Bayer."

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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