Briten müssen von zuhause trauern

Keine Beisetzung von Prinz Philip (†99) am Wochenende: Das passiert wirklich

Prinz Philip - Sein letzter Auftritt
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Prinz Philip bei seinem letzten Auftritt in der Öffentlichkeit (Archivbild).

Nach dem Tod von Prinz Philip steht der Königlichen Familie am Wochenende der offizielle Abschied vor. Für Windsor und ganz Großbritannien ist es ein historischer Tag - und in Corona-Zeiten auch eine besondere Herausforderung. Was kaum bekannt ist: Beigesetzt wird der Herzog von Edinburgh dann noch nicht.

Denn am Samstag findet in der St. George‘s Chapel auf dem Gelände von Schloss Windsor zunächst einmal nur die Trauerfeier für den verstorbenen Ehemann von Queen Elizabeth II. (94) statt. Beigesetzt wird er an diesem Tag noch nicht. Das passiere erst, wenn auch die britische Königin verstorben ist, berichtet der Nachrichtensender n-tv.

Bis dahin werde er in einem besonderen Sarg im königlichen Gewölbe auf einer schwarzen Marmorplatte aufgebahrt. Der Sarg stehe schon seit mindestens 30 Jahren bereit, denn es handelt sich dabei um ein besonderes Modell, das nicht von heute auf morgen angefertigt werden könne. Hergestellt ist er aus englischer Eiche. Wann genau, ist nicht bekannt. Das Bestattungsunternehmen JH Kenyon hat den Sarg bereits 1991 dem britischen Königshaus übergeben, ebenso den der Königin.

Eichensarg von Prinz Philip mit Blei ausgekleidet

„Wir hatten das Gefühl, dass es wichtig sei, ihn verfügbar zu haben“, sagte Andrew Leverton, Direktor des königlichen Bestattungsunternehmens Leverton & Sons in London gegenüber der „Times“. Und weiter: „Das ist nicht etwas, das man einfach an einem Tag oder in ein paar Stunden fertigen kann.“ Denn der Sarg von Prinz Philip ist innen mit Blei ausgekleidet. Auf diese Weise soll der Leichnam länger konserviert werden. Bis er irgendwann in der royalen Gedächtniskapelle seine letzte Ruhe neben der Queen findet.

Unterdessen fleht der Bürgermeister von Windsor die Briten geradezu an, seiner Gemeinde fern zu bleiben. Am Samstag soll der vergangene Woche gestorbene Prinz Philip in der St.-Georgs-Kapelle auf Schloss Windsor im engsten Familienkreis begraben werden. Die Zeremonie samt royaler Trauerprozession wird sich komplett hinter den Mauern der königlichen Residenz abspielen. Ein historischer Tag für das Vereinigte Königreich steht bevor, doch John Storys Motto lautet: Hier gibt es nichts zu sehen, gehen Sie bitte einfach weiter - oder noch besser, kommen Sie gar nicht erst her.

Abstand halten beim Trauern

Der Grund ist, natürlich, Corona. „Wir müssen jeden bitten, die eigene Gesundheit und Sicherheit und die von anderen ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen und nicht nach Windsor zu kommen“, mahnte Bürgermeister Story. Schon wenige Stunden nach dem Tod von Prinz Philip, der am vergangenen Freitag im Alter von 99 Jahren friedlich eingeschlafen war, bemühten sich Palast und Behörden, größere Menschenansammlungen von Trauernden zu verhindern - keine Blumensträuße an den Residenzen, bitte Abstand halten beim Trauern, so die offizielle Bitte von höchster Stelle. Einfach durchzusetzen ist das nicht, wenn eine Monarchie gerade einen ihrer wichtigsten Vertreter verloren hat.

Trauerfeier auf 30 Teilnehmer begrenzt

Nun soll das Volk hingegen zuhause bleiben und vor dem Fernseher trauern. Selbst Boris Johnson will das Geschehen vor dem Bildschirm verfolgen. Der Premier verzichtete auf seinen Platz bei der auf 30 Teilnehmer begrenzte Trauerfeier, um einem weiteren Familienmitglied den Vortritt zu lassen.

Doch darauf verlassen, dass außer den Royals niemand anreist, will man sich in Windsor dann doch lieber nicht. Schon zu Beginn der Woche, noch etliche Tage vor der Trauerfeier, suchten Spezialeinheiten der Polizei bereits Briefkästen, Mülleimer und Telefonzellen nach verdächtigen Gegenständen ab. Straßenpolizisten bereiten sich auf ihre Patrouillen am Samstag vor. Ein Café-Betreiber stellt sich schon darauf ein, am Samstag ab 3 Uhr in der Frühe seinen Laden für einen Besucheransturm zu öffnen. Allerdings sei er angewiesen worden, an dem Tag draußen keine Tische aufzustellen. «Ich denke, es wird sehr, sehr voll werden», sagte der Gastronom der Nachrichtenagentur PA.

mh/dpa

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