Der König und der Märchenprinz

Der größte Star am Wochenende auf der Berlinale? Nein, das war nicht Ex-Bond Pierce Brosnan (56), der Freitagabend die Weltpremiere von Roman Polanskis Ghostwriter feierte...

...geduldig Autogrammwünsche erfüllte und dabei noch seine irische Mama May Carmichael (78) wie ein Bond-Girl am roten Teppich präsentierte. Auch nicht Filmbeau Ewan McGregor (38), dessen Ehefrau, die Schauspielerin Eve Mavrakis, einen eher traurigen Eindruck beim Star- Defilee hinterließ, nachdem vor wenigen Tagen Arm-in-Arm-Fotos von Ewan mit Kollegin Melanie Laurent aus Paris aufgetaucht waren. Und das war – gemessen an Fanbekundungen – auch nicht Hollywoodstar Leonardo DiCaprio (35), der seit Freitag in Berlin weilt, wo er schon als Kind die Mauer einreißen wollte und sich für ein Foto seiner Mama dagegenstemmte.

Eine stolze Löwin: Leonardos Mama und Managerin Irmelin (55) auf dem roten Teppich

Mutter Irmelin (55) ist natürlich auch diesmal wieder dabei und hält alle großen Augenblicke ihres Sohnes mit dem Fotoapparat fest. Wie die Premiere seines Films Shutter Island von Martin Scorsese am Samstagabend, wo am roten Teppich mindestens 2000 Fans ihrem Idol Leo zujubelten. Aber eben nur 2000. Für Shah Rukh Khan(44) musste die Polizei am Freitag ganze Straßenzüge sperren: 6000 Frauen und ein paar Männer in hysterischer Verzückung.

Fans aus Italien, Österreich, der Schweiz und ganz Deutschland waren nach Berlin gereist, um das indische Idol zu feiern.

Wer Shah Rukh Khan ist? Ein indischer Superstar. Schon vor zwei Jahren legte er den Online-Ticketverkauf der Berlinale lahm und verursachte ein Verkehrschaos, am Freitag entfachte er das größte Kreischkonzert der Berlinale. Nicht mal die Rolling Stones und Madonna zusammen haben vor zwei Jahren eine solche Fangemeinde wie der indische Märchenprinz mobilisiert. Weltweit zählt Khan drei Milliarden Fans. Sein Film Dilwale Dulhania Le Jayenge (Wer zuerst kommt, kriegt die Braut,1995) lief zwölf Jahre (!) lang im Kino. In seinem Berlinale- Beitrag My Name is Khan singt, liebt und tanzt Shah Rukh aber nur am Rande – hier wird es zum ersten Mal ernst: Es geht um die Vorurteile gegen Muslime, um deren Behandlung beiden Behörden seit dem 11. September. Politik – verpackt in eine Liebesgeschichte. Das Geheimnis des Bollywoodstars offenbarte sich bei der Pressekonferenz: Er verbeugte sich vor 400 Journalis- Der König und der Märchenprinz ten, lächelte, was das Gesicht und die glühenden Augen hergaben und ironisierte sich selbst: „Danke für diese warmherzige Begrüßung in Berlin – ich fühle mich jetzt wie ein großer Star.“ Dabei ist er schon der Größte und will nur eins: „Wir sind da, um unser Publikum zu bedienen, es glücklich zu machen und es zum Lächeln zu bringen.“

Die Stars aus „Shutter Island“: Sir Ben Kingsley, Michelle Williams und Regisseur Martin Scorsese (rechts)

Und Leo? Der Hollywood-Titan? Der ist ein begnadeter Schauspieler, wie er in Shutter Island wieder unter Beweis stellte: Beifallsstürme für ihn, seine Kollegen Sir Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Michelle Williams und seinen Regisseur im Berlinale-Palast am Samstagabend. Und ebenfalls ein Kreischkonzert. Aber das sind andere Fans als die von Bollywood, die Shah Rukh in der immer selben Rolle lieben. DiCaprio kann auf der Leinwand tiefe Liebe und noch tiefere Abgründe zeigen. Im Film ist er einer geisteskranken Mörderin auf der Spur, die aus ihrer Zelle auf Shutter Island verschwunden ist; dabei wird er von seinen eigenen Abgründen verfolgt. Zwei Sätze spricht Leo im Film sogar auf Deutsch. „Meine Mutter war sehr zufrieden mit meiner Aussprache“, gestand er – streng gescheitelt und sehr aufgeräumt. Ja, die Mama. Leo schert sich nicht darum, als Muttersöhnchen zu gelten, er findet es „cool“, dass seine Mutter dabei ist – die Managerin und Löwin für Leo. Die Geliebte ist übrigens inzwischen auch angereist: Das israelische Model Bar Rafaeli hat im Hotel Regent eingecheckt, wo Leo logiert. Vielleicht war das der Grund, weshalb der Hollywoodstar seine Gäste auf der Premierenparty in der Münze am Molkenmarkt vergeblich warten ließ. Marie Bäumer, Jule Ronstedt und 300 andere hätten ihn so gern noch mal gesehen. Auch die Gastgeber, die Concorde- Chefs Dr. Herbert Kloiber und Markus Zimmer, für die der Verleih dieses 125-Millionen- Dollar-Films ein Megadeal ist.

Ex-Bond Pierce Brosnan mit seiner Mutter May

Vielleicht hatte Leo aber auch einfach keine Lust mehr auf Blitzlicht und Fragensalven, die den ganzen Tag schon auf ihn niederprasselten. Wo er bereits sagte, dass er sich so gerne in der Stadt Museen anschauen würde – aber die Fotografen! Die hatten ihn nämlich schon Freitagabend erwischt, als er sich die restaurierte Fassung von Fritz Langs Monumentalwerk Metropolis unter freiem Himmel am Brandenburger Tor anschauen wollte – getarnt mit tief ins Gesicht gezogener Mütze, hochgezogenem Kragen und dickem Schal. Aufgeflogen!

Wo er es doch schon einmal geschafft hatte, unerkannt eine ganze Berlinale zu besuchen und einfach nur Filme zu schauen. Denn seit ihn die Titanic in den Strudel der Weltöffentlichkeit zog, muss er sich immer neue Strategien für den „privaten Leo“ überlegen.

Umso schwerer wiegt übrigens Leos Erinnerung ans ein allererstes Filmfest- Erlebnis überhaupt – ausgerechnet in München. 1995. Das war vor Titanic. Da, so erzählte er der Berliner Morgenpost, musste seine PR-Agentin Journalisten mit Engelszungen überreden, mit ihm überhaupt über seinen Film zu sprechen! Zwei Jahre später wurde er König von Hollywood.

Ulrike Schmidt

Rubriklistenbild: © dpa

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