Neil Armstrong wird 80: Wollte nicht Erster sein

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Neil Armstrong (Foto von 1969) wird am Donnerstag 80 Jahre alt

Frankfurt/Main - Wirklich behagt hat ihm die Rolle nie. “Ich war nicht auserkoren, der erste zu sein“, hat Neil Armstrong einmal über die Mondlandung 1969 gesagt. Am Donnerstag wird er 80 Jahre alt.

In einem seiner raren Interviews hatte er dem Fernsehsender CBS einen kleinen Einblick in seinen Umgang mit dem Ruhm gegeben, um den er sich nie gerissen hatte. Mit dem an ihm haftenden Etikett “Erster Mensch auf dem Mond“ konnte er nie viel anfangen.

“Ich war nur auserkoren, diesen Flug zu befehligen. Umstände haben mich in diese besondere Rolle gebracht. Das war von niemandem geplant.“ Erst im vergangenen Jahr wurde bekannt, was für “Umstände“ an Bord der Mondlandefähre “Eagle“ dazu führten, dass Armstrong und nicht Edwin “Buzz“ Aldrin zuerst einen Fuß auf den Mond setzte.

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Aldrin brach nach 40 Jahren sein Schweigen und erzählte, dass seine depressive Mutter sich kurz vor der Apollo-11-Mission umgebracht hatte. “Sie hatte Angst vor der Öffentlichkeit, vor dem Trubel, der nach der Mondlandung über sie hereinbrechen würde“, sagte Aldrin. “Die Wahrheit war: Ich wollte da nicht als Erster hinaus. Ich wollte die Öffentlichkeit nicht, in Wahrheit wollte ich ja nicht mal mehr dabeisein bei dem ersten Flug.“

Das Verhältnis zwischen den drei Apollo-11-Mitgliedern - neben Armstrong und Aldrin war noch Michael Collins dabei, der das Mutterschiff “Columbia“ während der Landung der “Eagle“ um den Mond herumfliegen musste - ist nie ein enges geworden. Während Aldrin mit dem Leben haderte, Probleme mit Alkohol bekam, zwei Scheidungen durchlebte und zeitweise arbeitslos war, wurde Armstrong stellvertretender Leiter des Aeronautik-Büros der NASA in Washington.

Ein Jahr später verließ er die Behörde wieder und wurde Professor für Raumfahrt-Ingenieurswesen in Cincinnati. 1979 wechselte er in die Wirtschaft, wo er für verschiedene Unternehmen in Aufsichtsrats- oder anderen Führungspositionen tätig war. Armstrong gründete auch eigene Firmen und brachte es zum mehrfachen Millionär. Im Herbst 1989 trat er in das Direktorium der Thiokol Corp. ein, dem Hersteller jener Booster-Rakete, deren Explosion im Januar 1986 die Raumfähre Challenger zerriss und zum Tode der ganzen Besatzung führte.

Mit 16 Jahren erhält Armstrong die Fluglizenz

Armstrong wurde am 5. August 1930 in Ohio auf der Farm seiner Großeltern bei Wapakoneta als Sohn eines staatlichen Rechnungsprüfers geboren. Bereits mit 14 Jahren verdiente er sich Geld für Flugunterricht. An seinem 16. Geburtstag hielt er dann die ersehnte Fluglizenz in den Händen.

Er begann ein Studium, um Flugzeugingenieur zu werden, kam zum Militärdienst, wurde zum Marineflieger ausgebildet und nach Korea geschickt. Dort flog er 78 Kampfeinsätze und wurde einmal abgeschossen, konnte sich jedoch mit dem Fallschirm retten. Hoch dekoriert kehrte er 1952 an seine Universität zurück, beendete das Studium und wurde Forschungspilot.

1962 ereilte Armstrong ein schwerer Schicksalsschlag, als seine zweijährige Tochter Karen an Krebs starb. “Ich dachte, das Beste was ich in dieser Situation für mich tun konnte, war, meine Arbeit fortzusetzen, so normal wie eben möglich“, hat Armstrong einmal in einem Interview gesagt.

Wenig Zeit für die Familie

Noch im selben Jahr wurde Armstrong unter 300 Bewerbern für das Astronautenprogramm der USA ausgewählt. Bereits 1957 war sein Sohn Eric auf die Welt gekommen, 1963 folgte dann Sohn Marc. Beide haben ihren Vater in jener Zeit nicht häufig zu sehen bekommen, wie dieser vor einigen Jahren einräumte. “Was ich bedauere, ist, dass meine Arbeit so viel Zeit kostete und so vieler Reisen bedurfte. Diese Zeit konnte ich nicht mit meiner Familie verbringen, als meine Kinder aufwuchsen.“

1966 gehörte er zu den Chefpiloten der “Gemini 8“ beim ersten Dockmanöver mit einer “Agena“-Rakete. Als das Raumschiff wegen eines technischen Defekts außer Kontrolle geriet, brachte Armstrong es wieder in die Umlaufbahn zurück und landete sicher im Atlantik. Seine Reaktionsfähigkeit rettete ihm auch am 6. Mai 1968 das Leben, als ein Trainings-Mondlandegerät auf einem Routineflug abstürzte und er mit einem Fallschirm abspringen konnte. Armstrong machte nicht viel Federlesens darum, dass er nur knapp dem Tod entronnen war. Im Gegenteil, er kehrte sofort in sein Büro zurück. “Es gab dort Arbeit zu tun“, sagte der Astronaut rückblickend.

Der Raumfahrt hat er sich bis heute verschrieben. Vor sechs Jahren noch rief er die Amerikaner auf, den Plan des damaligen Präsidenten George W. Bush für eine künftige Mond- und Marsexpedition zu unterstützen. Als sein Nachfolger Barack Obama im April dieses Jahres das Programm zur Rückkehr amerikanischer Astronauten auf den Mond absagte, gehörte Armstrong zu den prominentesten Kritikern.

Im Mai erklärte er vor dem Senat, die Pläne Obamas drohten die USA im Wettbewerb mit Russland und anderen Raumfahrtnationen zurückzuwerfen. Ein Graus für einen wie Armstrong: Noch vor vier Jahren war er gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, zum Mond zurückzufliegen, und später zum Mars aufzubrechen. Seine augenzwinkernde Antwort: “Ich denke nicht, dass ich die Chance kriege. Aber ich würde nicht sagen, dass ich nicht zur Verfügung stünde.“

AP

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