Peter Maffay: Ein Mann, ein Buch, eine Bilanz

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München/Waldkraiburg - „Auf dem Weg zu mir“ heißt die Biografie, die Rockstar Peter Maffay in München vorgestellt hat. ** Video von der Buch-Vorstellung ** 

Die erfolgreichste Karriere der deutschen Popgeschichte begann mit einer Schnulze: "Du" eroberte 1970 nicht nur die deutschen Hitparaden. Der Sänger: Peter Maffay, damals 20 Jahre jung, sieben Jahre zuvor mit seinen Eltern aus dem rumänischen Siebenbürgen in die Bundesrepublik gekommen. Die ganzen 70er brauchte Maffay, um sich wieder aus der Schlagerschublade herauszukämpfen. Viele nehmen ihm das bis heute nicht ab, trotzdem ist er mit über 40 Millionen in 40 Jahren verkauften Tonträgern der erfolgreichste deutsche Rockstar.

Maffay - Bilder seiner Karriere

Peter Maffay - Bilder seiner Karriere

Wie Maffay - bürgerlich Makkay - dies schaffte, erzählt der Musikjournalist Edmund Hartsch in der Biografie "Auf dem Weg zu mir" (C. Bertelsmann), die am Donnerstag, zehn Tage vor dem 60. Geburtstag des Künstlers, veröffentlicht wurde. 25 zwei bis dreistündige Interviews habe er mit Maffay geführt, mit Managern, Bandmitgliedern und anderen Leuten aus Maffays Umfeld gesprochen, Archive durchstöbert. "Mit dieser Biografie vermittle ich meine Sicht der Dinge, die ich mit Peters Hilfe erzählt habe", schreibt er in der Einleitung: "Sechzig Jahre Leben, vierzig Jahre Bühnenpräsenz, Millionen von loyalen Fans, die locker drei Generationen umspannen, eine Menge Gold und Platin, viel Wahnsinn, gescheiterte Ehen, Visionen, Kampf um Autarkie und Selbstbestimmung, Suchen, Finden und Verlieren."

Hartsch, Jahrgang 1963, gibt auch zu, dass er erst große Bedenken hatte, den Auftrag anzunehmen: "Erstens war ich nicht unbedingt Fan seiner Musik, und zum Zweiten hatte ich nicht die geringste Ahnung, was der Mann schon alles angestellt hatte in seinem Leben." Eine typische Reaktion auf Maffay, dessen Liedtexte von Intellektuellen gerne verrissen wurden.

Peter Maffay und der Moderator Reinhold Beckmann blicken in Maffays neues Buch.  Beckmann moderierte die Buchvorstellung.

Hartsch zitiert eine volle Breitseite von Heinz Rudolf Kunze aus dem Jahr 1984: "Peter ist ein James Dean aus Wanne-Eickel, ein Prügelknabe mit Erleuchtungserlebnis: Ab heute wird zurückgeschlagen, ist die Botschaft jedes zweiten Titels. Die Liebe, die ein Maffay verspricht, ist das probate Schlafmittel für alle weiblichen Putzteufel, die unter Heulen und Zähneklappern das Vertrauen zu ihrem Geschirrspülmittel verloren haben." Auch Lindenberg giftete wütend gegen Maffay - nicht zuletzt, weil der "Schlagerfuzzi" ihm etliche "von Meisterhand ausgebildete Edelmusikanten aus der Panikschule" abgeworben hatte.

"Nie wieder zurück in die Enge"

Dennoch wurden Maffay und Kunze und Lindenberg später gute Freunde, berichtet Hartsch und analysiert: "Kunze ging die Sache mit dem Kopf an, (Udo) Lindenberg mit den Eiern und Maffay mit dem Herzen. Geist, Körper und Seele."

Warum Maffay nicht zu einem typischen Intellektuellen der 70er und 80er Jahre wurde, erschließt sich aus dessen Kindheit und frühen Jugend: Nachhaltig geprägt wurde er vom Werte- und Zusammengehörigkeitsgefühl der deutsch-ungarischen Minderheit in Siebenbürgen - und das galt jungen Westlern damals als spießig.

Ab 14 - also bereits in der Bundesrepublik - hatte Maffay nur noch Musik, seine Band und Partys im Kopf. 1966 blieb er das erste Mal in der Schule sitzen, im Sommer 1968 ging er ohne Mittlere Reife vom Gymnasium ab und zog nach München, um eine Lehre als Chemigraph zu beginnen.

Doch diese Ausbildung hat Maffay nie abgeschlossen. Das Duo "Margit (Kraus) & Peter" kam gut an in der Münchner Szene, Maffay verdiente mit den Auftritten mehr, als er als Lehrling bekam, und wurde vom Talentsucher Michael Kunze schließlich 1969 angesprochen.

Kunze bot Maffay einen Plattenvertrag bei Teldec an. Er sollte eine Komposition von Peter Orloff singen, zu der Kunze den Text geschrieben hatte: "Du". "Der Text... war an Banalität kaum zu überbieten", schreibt Hartsch. Trotzdem wurde das der erste Millionenerfolg Maffays. Allerdings hatte er damit erstmal das Image des "seichten Schlagersängers" weg.

Hartsch erzählt alle folgenden Karrierestationen mit einer Art distanzierter Sympathie, bringt viele Insider-Details und Anekdoten und Fakten, die auf knapp 400 Seiten auch die Charaktereigenschaften Maffays immer deutlicher werden lassen: Ein Mann, der zu dem steht, was er sagt, eine Führungspersönlichkeit, die den Laden straff zusammenhält, glänzend organisiert, Leute rauswirft, aber auch andere, die ihn verlassen haben, ohne Probleme wieder aufnimmt. Ein Mann auf einer rastlosen Suche nach Freiheit: "Ich will nie wieder zurück in die Enge, aus der ich gekommen bin, und ich treibe mich und andere an, damit das hoffentlich nicht passiert" schreibt Maffay selbst unter der Rubrik "Peter Maffay erinnert sich", die die Biografie ergänzt.

Beinahe Karriere-Waterloo als Vorgruppe der Rolling Stones

 

Spitz auf Kopf stand Maffays Karriere kurz nach seinen ersten großen Albumerfolgen "Steppenwolf" (1979) und "Revanche" (1980): Die Rolling Stones wollten die umsatzstärkste deutsche Band als Vorgruppe haben. Das war 1982 Maffay. Mick Jagger sagte in einem Interview, er finde Maffays Musik ziemlich gut - seine Fans waren anderer Meinung. Die bombardierten Maffay und seine Band mit Eiern, Tomaten und anderen Wurfgeschossen.

Von der Bühne jagen ließen sie sich nicht. "Hätte er die Bühne verlassen und die Tour abgesagt, hätte dies das Ende seiner Karriere bedeutet", schreibt Hartsch. "Bis ins hohe Alter hätte ihn diese Niederlage verfolgt." Maffay analysiert: "Das Publikum braucht und will Sieger. Loser haben keine Zukunft. Das ist für alle Beteiligten brutal, aber unabwendbar."

Weitere wichtige Karrierestationen:

"Tabaluga", das Drachenmärchen, erster Teil 1983, weitere Folgen 1986, 1993/94 und 2004; "Begegnungen" 1999 und "Begegnungen 2 - Eine Allianz für Kinder" (2006). "Tabaluga" wurde auch Namensgeber für eine Stiftung, die traumatisierten Kindern hilft.

Und nicht zuletzt die Konzerte in der DDR - im Sommer 1986 in Rostock, im März 1987 in Suhl und Ostberlin, die dem Jahre zuvor von der ostdeutschen Band Karat entliehenen Song "Über sieben Brücken musst du gehen" eine neue Dimension gaben. Insgesamt veröffentlichte Maffay 21 Studioalben.

In der Biografie ist nur wenig über Maffays vier Ehen zu lesen. Sie scheiterten daran, dass Maffay dem Privatleben kaum Zeit und Raum ließ. Erst mit seiner vierten Frau Tania, mit der er seit 2000 zusammen ist, hat er ein Kind: Sohn Yaris wird im Oktober sechs Jahre alt. 

Buch-Tipp: Edmund Hartsch: "Peter Maffay - Auf dem Weg zu mir" (C.Bertelsmann)

ap

Rubriklistenbild: © dpa

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