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Gebürtiger Bad Reichenhaller hostet „Salon Simonetti“

Riccardo Simonetti bekommt eigene ARD-Show: Darum ist sie für ihn notwendig

Riccardo Simonetti
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In der neuen ARD-Show „Salon Simonetti“ wird die Diversität in den Mittelpunkt gerückt. In jeder Ausgabe empfängt Riccardo Simonetti neue prominente Gäste.

Es ist nahezu unmöglich, alle Jobs von Riccardo Simonetti aufzuzählen - der 29-Jährige gilt momentan als einer der angesagtesten Entertainer im Land. Nun bekommt der gebürtige Bad Reichenhaller eine eigene ARD-Show, welche bereits in der Nacht auf Freitag startet.

Bad Reichenhall - Blogger, Model, Schauspieler und Moderator: Riccardo Simonetti ist ein wahres Multitalent. Der gebürtige Bad Reichenhaller moderierte gerade erst die ZDFneo-Show „Glow Up - Deutschlands nächster Make-Up-Star“.

Jetzt hostet er erneut eine Fernsehshow. Die erste Folge von „Salon Simonetti“ startet in der ARD in der Nacht auf Freitag (25. November) um 0.30 Uhr. Das WDR-Fernsehen strahlt die fünfteilige Personality-Show zudem am Freitagabend (23.30 Uhr) aus. In der Mediathek ist sie bereits ab Donnerstag (24. November) abrufbar.

In jeder Ausgabe empfängt der 29-Jährige prominente Gäste. Mit ihnen diskutiert er Themen wie Liebe, Mut, Familie und Aktivismus, auch aber nicht nur aus einer queeren Perspektive. Als queer bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen beziehungsweise Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

Riccardo Simonetti hostet ARD-Show „Salon Simonetti“

Riccardo Simonetti kann ihn ganz gut nachzeichnen, den Weg, der ihn nun in seinen eigenen „Salon“ geführt hat. Er fing vor ungefähr 25 Jahren an. Damals stand Simonetti, ein Junge aus Bad Reichenhall, mit vier Jahren auf der Bühne eines Bauerntheaters und spielte einen Holzfäller.

Seitdem habe er versucht, jeden Tag „einen Schritt weiter“ zu kommen, erzählt er. Beim Theater, beim Radio, beim Fernsehen. „Ich war sehr hungrig darauf, Teil dieser Welt zu sein“, sagt Simonetti gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). „Extrem“ viel Arbeit sei das gewesen. Man merkt: Die Vom-Holzfäller-zum-Entertainer-Anekdote ist ihm durchaus wichtig.

Warum es wichtig ist? Weil viele Leute - die ihn etwa im ProSieben-Prominentenquiz „Wer stiehlt mir die Show?“ sahen - wohl denken könnten, dass Riccardo Simonetti jemand ist, der erst vor Kurzem und irgendwie zufällig in den deutschen Medien-Betrieb gepurzelt ist. Und weil es in seiner neuen Sendung auch darum geht: Was ist meine Geschichte? Und was ist meine Lebensrealität?

Riccardo Simonetti (Mitte) begrüßt Alex Mariah Peter, erfolgreiches Model – und trans, sowie Entertainer Thomas Hermanns, der sich bereits outete, während Homosexualität in Deutschland noch als Straftat galt. Unterschiedliche Generationen, doch die gleiche Frage: Wer bin ich und wer will ich sein?

In der ARD-Show „Salon Simonetti“ soll mit prominenten Gästen „Haltung auf Unterhaltung“ treffen, wie Simonetti es formuliert, der sich für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt einsetzt. Zum Start sind der „Quatsch Comedy Club“-Wegbereiter Thomas Hermanns und Alex Mariah Peter zu Gast, die 2021 als erste Trans-Frau das Format „Germany‘s Next Topmodel“ gewann. Unterbrochen wird der Talk in edler Salon-Atmosphäre mit lustigen Einspielern.

Riccardo hält diese TV-Show für notwendig

Ich wurde gefragt, ob es das noch im Fernsehen braucht. Also eine Sendung mit zwei queeren Menschen, wie zum Beispiel in der ersten Folge. Das sind ja die Themen, über die ich sowieso schon viel spreche“, sagt Simonetti, der einst als Blogger bekannt wurde. Seine Antwort sei: natürlich.

„Die öffentlich-rechtlichen Sender sind noch mal ein anderes Publikum, ein erwachseneres Publikum. Auch diese Generationen haben es verdient, in diese Diskurse inkludiert zu werden“, sagt er. „Es ist eine Sendung, wie ich sie früher gerne gesehen hätte. Und die ich nach wie vor für notwendig halte.“

Durchironisiertes, unpolitisches Gaga-Fernsehen, wie man es aus den 90er Jahren noch kannte - das ist mit ihm eher nicht zu machen. Stichwort Haltung. „Ich würde mir eigentlich auch wünschen, nur Entertainer sein zu können. Ich würde mir wünschen, eine Sendung zu machen, die mich einfach nur zum Lachen bringt“, sagt er. Aber in diesen Zeiten, im Jahr 2022, sei das nicht so einfach. Er könne nicht nur Entertainer sein, er müsse auch „gesellschaftliche Themen in den Fokus rücken, um Steine aus dem Weg zu räumen“, sagt er.

Diese Steine kennt er nur zu gut. Am Anfang habe er auch beim Fernsehen Ablehnung erlebt. Das Publikum sei „noch nicht so weit“, hieß es dann. „Es waren sehr viele Türen verschlossen, die für andere Menschen von Natur aus offen standen“, sagt er. „Mein Ziel ist es, diese Türen aufzumachen und dafür zu sorgen, dass sie offen bleiben.“

Diversität, Vielfalt, die Sichtbarkeit verschiedener Lebensrealitäten, das wird wohl auch nach „Salon Simonetti“ sein Thema bleiben, von dem zunächst fünf Folgen geplant sind. Über die Verhältnisse in Deutschland dürfe man sich jedenfalls keine Illusionen machen. Simonetti sagt, dass die Dinge, die er vor 15 Jahren auf dem Schulhof hörte, oft jenen glichen, die nun unter seinen Instagram-Bildern zu finden seien.

„Mein Leben ist heute natürlich viel privilegierter“, sagt er. „Und trotzdem schafft es jeder Hinterwäldler, mir in Social Media das Wort ‚Schwuchtel‘ an den Kopf zu werfen.“ Es sei „ein ewiger Kampf“. Der nun von einem ehemaligen Holzfäller geführt wird.

jg mit Material der dpa

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