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Das "Schätzchen" feiert: Uschi Glas wird 70

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Schauspielerin Uschi Glas wird 70.

München - Als „Schätzchen“ wurde sie 1968 deutschlandweit bekannt. Uschi Glas hat eine Bilderbuch-Karriere als Schauspielerin hingelegt und sich mit ihrer natürlichen Art Sympathien erworben.

Sich selbst im Internet googeln? Einträge gäbe es genug, aber Uschi Glas interessiert das nicht. „Ich muss mir nicht selbst im Netz begegnen. Ich weiß ja, was ich gemacht habe und wer ich bin“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Erfolgreiche Schauspielerin, dreifache Mutter, sozial engagiert und weiter gern vor der Kamera - am 2. März feiert Uschi Glas ihren 70. Geburtstag. Eine kleine Feier, im Kreis der Familie. „Damit hat sich's.“

Im vergangenen Jahr spielte sie dem Erfolgsfilm „Fack ju Göhte“ eine suizidgefährdete Burnout-Lehrerin, und auch in diesem Jahr will sie drehen. „Ich habe aktuell drei Filmprojekte, eins ist eine Komödie“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Und sie wolle ihren Verein BrotZeit voranbringen, der Kinder in der Schule mit Frühstück versorgt. „Wir haben schon 800 freiwillige Helfer und mein großer Wunsch ist, dass kein Kind in Deutschland mehr hungrig in der Schule sitzt.“

Vielseitig hat sich Uschi Glas stets gezeigt: Sie ist in Schwabing genauso zu Hause wie in den bayerischen Hausbergen. In Kniebundhose steigt sie schon mal auf den Gipfel und teilt mit dem Reporter vor laufender Kamera eine zünftige Brotzeit. Genauso selbstverständlich schwebt sie in Abendrobe über den roten Teppich - und überraschte als 59-Jährige mit freizügigen Bikini-Fotos.

Zehn Jahre ist es her, dass Uschi Glas zum 60. Geburtstag zur Pressekonferenz in die Räume des Nachtclubs P1 lud, auch um ihre Autobiografie „Mit einem Lächeln“ vorzustellen - ein Neustart nach dem Ende der „Bilderbuchehe“ mit Bernd Tewaag, Vater der gemeinsamen Kinder Benjamin, Alexander und Julia. Die Trennung sei „die härteste Prüfung meines Lebens“ gewesen, sagte sie damals.

Immer hatte Glas versucht, mit Mann und Kindern das Bild der perfekten Familie zu verkörpern: keine Skandale, keine Affären, keine Allüren. Immer hielt sie ihr Privatleben von der Öffentlichkeit fern - bis 2002 Fotos ihres Mannes mit einer fast 30 Jahre jüngeren Frau erschienen. Erstmals zog Uschi Glas öffentlich vom Leder. „Ich steh' doch nicht daheim wie ein Möbelstück rum, und er geht abends schnackseln“, empörte sie sich mit bajuwarischem Temperament.

Inzwischen ist sie wieder glücklich verheiratet, mit dem Unternehmensberater Dieter Hermann. „Unsere Beziehung wächst und wächst, und wir ranken uns aneinander hoch. Das ist etwas sehr Besonderes“, sagte sie der „BamS“.

Eine Niederlage gab es im Rechtsstreit um die von ihr vermarktete Hautcreme: Die Stiftung Warentest darf die Pflege weiter mangelhaft nennen. Sorgen bereitete ihr auch Sohn Benjamin, der eine Haftstrafe absitzen musste. Jetzt scheint er seinen Weg gefunden zu haben.

Bei Uschi Glas selbst war immer alles picobello in Ordnung. Aufgewachsen im niederbayerischen Landau als jüngstes von vier Geschwistern zieht es sie als 20-Jährige nach München. Sie schlägt sich als Sekretärin durch, um in der Großstadt - besser: Schwabing - ihr Glück zu machen. Auf einer Premierenfeier empfiehlt sie sich frech dem Produzenten Horst Wendtland als Schauspielanwärterin - und bekommt die erste Rolle in dem Edgar-Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“. Sie nimmt Schauspielunterricht, beißt sich durch - und schafft drei Jahre später mit Peter Schamonis „Zur Sache Schätzchen“ den Durchbruch.

Danach hat sich die vielfach gekürte Schauspielerin - Bambi, Bayerischer Fernsehpreis, Goldene Kamera, Bayerischer Verdienstorden, Bundesverdienstkreuz, Frau des Jahres - in zahlreichen Kinofilmen und TV-Serien gespielt und sich auch im Theater bewiesen. Mit ihren Sat.1-Serienrollen in „Zwei Münchner in Hamburg“ und „Anna Maria - eine Frau geht ihren Weg“ wird sie Quotenkönigin.

Zu ihrer Popularität trug früher auch ihre Kindermoden-Boutique bei, die sie 1970 eröffnete - eher ungewöhnlich für eine Schauspielerin. Politisch setzte sich Glas der Kritik aus, als sie 2000 dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in der Schwarzgeld-Affäre mit einer Spende von 10 000 Mark zur Seite sprang. „Das war für mich eine Frage der Courage“, sagte sie später. Schon früher musste sie sich als „CSU-Zicke“ beschimpfen lassen, als sie nicht für Willy Brandt votieren wollte. „Ich bin halt öfters gegen den Strom geschwommen“, sagte sie dazu einmal.

Ohne großes Aufsehen engagierte sie sich in sozialen Projekten. Sie wirkt als Schirmherrin der Deutschen Stiftung Patientenschutz und unterstützte das Münchner Obdachlosen-Projekt Biss sowie SOS Kinderdorf.

Ob sie sich wie 70 fühlt? „Nee. Ich weiß auch nicht, wie man sich mit 70 fühlen sollte. Soll ich mich jetzt anders anziehen?“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Und sie schaut mild zurück auf die Vergangenheit. Jede überraschende Wendung verändere einen, sagte sie der „BamS“. „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel.“

dpa

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