Song Contest: Wo ist die Vorfreude?

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Lena Meyer-Landrut tritt wieder für Deutschland an

Düsseldorf - Der Eurovision Song Contest gilt als weltgrößte Unterhaltungsshow. Doch im Austragungsort Düsseldorf will ein Monat vor dem Grand Prix noch nicht die richtige Stimmung aufkommen.

Ein Kaffeebecher für 7,50 Euro oder ein Mousepad für 5,95 Euro - beides mit offiziellem Herz-Logo in der Tourist Information zu haben. Noch müssen Besucher der Stadt Düsseldorf ganz genau hinschauen, um Vorboten des Eurovision Song Contest zu entdecken. Dabei ist es nicht mehr lange hin zu dem Musikwettbewerb, der als weltgrößte Unterhaltungsshow gilt. In einem Monat - am 14. Mai - will Lena in der örtlichen Arena ihren Grand-Prix-Titel verteidigen. Doch bisher kann Düsseldorf als Austragungsort die erhoffte Strahlkraft kaum entfalten.

“Ich habe nicht das Gefühl, dass man in Düsseldorf oder darüber hinaus groß etwas vom Song Contest mitbekommt“, sagt der Chef des Werbegiganten Grey, Christian Hupertz. “Vielleicht ist das die Ruhe vor dem Sturm, aber eine frische Brise weht bisher nicht.“

Ein Urteil wie dieses muss den Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) schmerzen, verspricht sich die bisweilen etwas bieder geltende Stadt doch einen gewaltigen Imagegewinn durch den Song Contest. Von einem Werbewert von 140 bis 200 Millionen Euro ist die Rede. Gemeint ist damit die Summe, die man für herkömmliche Werbung ausgeben müsste, um ähnlich viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

Lena Meyer-Landrut: Ihre Karriere, ihr Jubel, ihre Nackt-Aufnahmen

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“Jetzt geht auch noch der Kreativ-Chef von Bord “, meldete dieser Tage die “Bild“-Zeitung, nachdem sich der Werbefachmann Ralf Zilligen aus der Taskforce des Oberbürgermeisters zurückgezogen hatte. Seine Ideen seien zum großen Teil im Papierkorb gelandet, schrieb die “Westdeutsche Zeitung“ über die Trennung. Zilligen selbst, der in der Werbebranche weit über Düsseldorf hinaus bekannt ist, will sich zum Song Contest nicht mehr äußern. Aus dem Rathaus heißt es offiziell, der Experte habe seinen Auftrag erfüllt.

Zilligen sollte das Rahmenprogramm zum Song Contest entwickeln, damit nicht nur die gut 35 000 Live-Zuschauer in der Arena, sondern auch alle anderen Besucher der Stadt in die passende Stimmung kommen. Zwischen Stadtteilfesten und Vorträgen findet sich in dem Veranstaltungskalender auch ein “Brauchtumsumzug der Schützen und Karnevalisten“, den zum Beispiel die Grünen im Stadtrat als “provinziell“ kritisieren. Die “Westdeutsche Zeitung“ bezeichnete das Programm als “eher regional interessant“, während Oberbürgermeister Elbers das Lebensgefühl Düsseldorfs “bestens transportiert“ sieht.

Nach Karneval werde der Grand Prix nach und nach im gesamten Stadtbild zu sehen sein, hatte Elbers im Februar versprochen. Doch Gäste der Stadt können immer noch über die mondäne Königsallee schreiten, ohne das Eurovision-Logo mit dem Schriftzug “feel your heart beat“ zu sehen. Am Ende der Prachtmeile deutet noch am ehesten ein temporärer Shop der Kosmetikmarke Schwarzkopf auf das Großereignis hin. Der Song-Contest-Werbepartner Schwarzkopf will den Haar-Tempel an diesem Donnerstag von Mode-Zar Karl Lagerfeld eröffnen lassen.

Um sichtbare Anhaltspunkte für den bevorstehenden Song Contest zu finden, muss man sich ansonsten knapp zehn Kilometer von der Innenstadt wegbewegen. Dort haben die Fernsehleute der ARD seit gut einer Woche das inzwischen in Eurovision-Arena umbenannte Fußballstadion in Beschlag genommen. Sie müssen unter anderem 2200 Scheinwerfer am Hallendach und eine 1300 Quadratmeter große Videowand hinter der Bühne montieren, bis Lena mit ihrer Mystik-Nummer “Taken By A Stranger“ auftreten kann.

Lena geht derweil erst einmal auf Tour. Ihr erstes Konzert stand am Mittwochabend in Berlin an. Der Tourabschluss ist am 29. April in Köln. Am selben Tag heiraten in England Kate und William, worüber Lena im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte: “Ist das ein Event? Wird das groß? Das ist an mir vorbeigegangen.“ Aus Sicht mancher Düsseldorfer könnte der kesse Spruch beinahe auf den Song Contest gemünzt gewesen sein.

dpa

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