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"Sozial-Porno": Wirbel um Fake-Dokus im TV

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Carl Bergengruen, Leiter der Hauptabteilung Film und Familienprogramm des Südwestrundfunks, sind die Fake-Dokus ein Dorn im Auge

Berlin - Für das Privat-TV ist die “Scripted Reality“ ein Segen mit hohen Quoten. Doch nun formiert sich Widerstand gegen die Scheinrealität in vielen Nachmittagssendungen.

Sie ist 37, hat zwei halbwüchsige Kinder und sucht einen Mann. Er ist 25, Fitnesstrainer und ist ewig klamm. Die beiden lernen sich kennen, er nistet sich bei ihr ein und lässt sich aushalten. Mal eine neue Armbanduhr, mal die Autoreparatur. Die Kinder laufen Sturm gegen die Mutter, die offenbar blind vor Liebe ist. Vor der TV-Kamera kommt es mitten im privaten Bereich zu Eklats.

Doch halt: Die Szene ist nicht echt. Sie ist nach einem Drehbuch mit Laiendarstellern inszeniert und ist der Ausschnitt aus einem Beitrag, der im RTL-Programm am Nachmittag lief - dort sind jeden Tag von 14 bis 17 Uhr “Scripted Reality“-Soaps zu sehen. Die Gegner formieren sich vor allem unter den Vertretern der öffentlich- rechtlichen TV-Anstalten, wie die Diskussionsveranstaltung “Die gedopte Realität“ im Zuge des Mainzer Mediendisputs am Dienstagabend in Berlin zeigte.

Diese Form der “Scheinrealität“ werde es bei öffentlich- rechtlichen Sendern nicht geben, sagte NDR-Programmdirektor Frank Beckmann. “Wir müssen diese Entwicklung brandmarken. Die Abwärtsspirale geht immer weiter.“ Schlimm sei, dass diese Filme unter dem Etikett “Doku“ im Programm liefen. Dokumentationsfilmer Andreas Veiel bezeichnete die “Scripted Reality“ als den “Tod der Ambivalenz“ - nur die Zuspitzung zähle, es gebe keine “Grauwerte“ mehr.

Bernhard Hörksen, Medienwissenschaftler an der Universität Tübingen, schloss sich der Meinung der öffentlich-rechtlichen Sender an. “Verenge Dich auf deine Schlüsselreize“, laute das Motto. “Auf Voyeurismus und Sexualität.“ Bei den gescripteten Reality-Soaps handele es sich um “Sozial-Pornos“, denen vielleicht als Gutes noch abzugewinnen sei, dass sie die Hilfe in den Mittelpunkt stellten - “Sozial-Porno mit Kondom also“, kommentierte Moderator Thomas Leif vom Südwestrundfunk.

Leif bedauerte, dass er vom Privatfunk wie Sat.1 und RTL nur Absagen für die Veranstaltung erhalten habe. Eine RTL-Sprecherin teilte mit, Unterhaltungschef Tom Sänger habe keine Zeit gehabt. Einzig Kathrin Löschburg von der Produktionsfirma MME - sie verantwortet das RTL-Erfolgsformat “Bauer sucht Frau“ - unterstützte ein wenig die private Haltung und wandte ein, dass in den gescripteten Soaps immerhin reale Menschen spielten, die nachvollziehbare Handlungen aus Drehbüchern nachstellten.

Carl Bergengruen, Fernsehdirektor vom Südwestrundfunk, stellte fest, dass diese Formate den Publikumsgeschmack veränderten und zu einer “Hinrichtung“ bestehender Sendungen führten. Arte habe vor einigen Jahren die “Doku-Soap“ eingeführt - sie habe aber aus echten Menschen mit echtem Hintergrund bestanden. Jetzt säßen ARD und ZDF in der Klemme. Echte Darsteller funktionierten bestenfalls noch in den Zoogeschichten am Nachmittag.

Bergengruen und Beckmann setzen künftig auf die reine Erzählung, auf Serien und Filme. “Wir finden zum fiktionalen Erzählen zurück“, sagte Bergengruen. Beckmann ergänzte, man suche nach Wegen, Fiktion günstiger produzieren zu lassen.

dpa

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