Trauer um Regisseur Christoph Schlingensief

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Berlin - Einen Tag nach dem Krebs-Tod Christoph Schlingensiefs herrscht Bestürzung und Trauer bei Prominenten aus Kultur und Politik.

Opernregisseurin Katharina Wagner würdigte ihn als einen großen Künstler. "Ich bin tief erschüttert, schockiert und traurig", sagte sie. Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth sagte, der Krebstod des Regisseurs habe sie bis ins Mark erschüttert. Der Regisseur starb mit 49 Jahren im Kreis seiner Familie in Berlin. Er war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt und operiert worden. Der Künstler gehörte zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart.

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Regisseur Christoph Schlingensief ist tot

Vom Underground-Kino kommend, wurde das Enfant terrible der deutschen Kulturszene zum Aushängeschild für provokante Theater- und Operninszenierungen. Künstler und Politiker reagierten erschüttert auf den Tod.

Schlingensief starb am Samstag im Kreis seiner Familie in Berlin, wie seine Ehefrau Aino der Nachrichtenagentur dpa sagte. Er war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt und operiert worden. Darüber erstattete er ausführlich in dem bewegenden “Tagebuch einer Krebserkrankung“ Bericht.

Das Enfant terrible der Kulturszene

Ein Künstlerleben lang ist Schlingensief dem Rat seines Jugendfreundes Helge Schneider gefolgt, "tief in deiner Seele nach deinen Ängsten zu suchen". Das führte den Theater- und Filmregisseur sogar auf den legendären Grünen Hügel in Bayreuth. Dort gab das Enfant terrible der deutschen Kulturszene 2004 sein Operndebüt mit "Parsifal", Richard Wagners "Weltabschiedswerk".

Christoph Schlingensief: Bilder seines Lebens

Anfang 2008 war bei dem Nichtraucher Lungenkrebs entdeckt worden. Im Mai 2010 meinte Schlingensief in einem Interview, er wisse seit einigen Monaten, dass er neue Metastasen habe. Durch den Krebs sei "alles in den Boden gerissen worden". Dabei war er voller Pläne. Ihm war die Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale in Venedig 2011 übertragen worden. Eine Produktion für die Ruhrtriennale ("S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken") musste Schlingensief im Sommer 2010 absagen.

Bei seiner eigenen Sinnsuche als Künstler blieb Schlingensief ein naives Kind und daher unbefangen und sehend, wurde aber auch von Freunden wie Klaus Staeck vor einer "permanenten Pubertät" gewarnt: Er müsse aufpassen, nicht abzurutschen. Schlingensief, selten frei von Selbstzweifeln, war nach eigenen Worten klar, dass sich "der große Junge innerlich noch immer fremd" geblieben war und auch immer "extrem um Anerkennung gekämpft" habe.

Der am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geborene Christoph Schlingensief hat die deutschsprachige Film- und Theaterwelt erregt und beflügelt. Der einstige Messdiener versuchte sich schon früh als Filmemacher und sorgte mit Underground-Streifen wie "Menu total" (1985/86) für Aufmerksamkeit. Im Fernsehen tauchte er ab 1997 auch als unberechenbarer Talkmaster auf.

Seinen Durchbruch als Theaterregisseur hatte er in den 1990er Jahren an Frank Castorfs Berliner Volksbühne mit Inszenierungen wie "100 Jahre CDU" oder "Rocky Dutschke, 68", wobei auch Laien und Behinderte mitspielten. Im Sommer 2009 heiratete der krebskranke Schlingensief im brandenburgischen Hoppenrade seine langjährige künstlerische Mitarbeiterin Aino Laberenz.

dpa

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