10 Jahre OVB24

So erlebte ich als Reporterin das Zugunglück von Bad Aibling

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Bei dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling im Februar 2016 waren zwölf Menschen getötet und 89 zum Teil schwer verletzt worden
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Bad Aibling - Am 9. Februar 2016 starben zwölf Menschen beim Zugunglück von Bad Aibling. Was bleibt, sind Bilder und eine Geschichte. Bilder, die sich im Gedächtnis der Retter und Opfer festkrallen. Bilder, die bei den Betroffenen immer wieder hochkommen und eine Geschichte, die man als Reporter versucht zu erzählen.

Im Rahmen unseres 10-jährigen Firmenjubiläums schildern unsere Reporter die eindringlichsten Ereignisse in der Region noch einmal aus ihrer Sicht. 

Der Countdown läuft: 10 Jahre OVB24 - 10 Megapreise!

rosenheim24.de Reporterin-Jennifer Bretz

Es ist der 9. Februar, kurz nach sieben Uhr morgens, als meine Kollegen von der Frühschicht auf meinem Diensthandy anrufen. Ich stehe gerade beim Zähneputzen. "In Bad Aibling bei der Kläranlage soll ein Zug entgleist sein, kannst du da mal hinschauen?", sagt mein Kollege am Telefon. Da ich in Bad Aibling wohne und es nicht weit zur genannten Stelle habe, beeile ich mich und fahre los. Schon unweit der Mangfallbrücke vor dem Pullacher Kreisel sehe ich Blaulichter und Rettungskräfte. Ich stelle mein Auto ab und gehe die letzten Meter zu Fuß. Einen kleinen Weg entlang des Mangfallkanals, den ich noch aus Kindertagen kenne. Je weiter ich gehe, umso mehr wird mir klar, dass das nicht eine einfache Zugentgleisung sein kann. Unentwegt hört man Sirenen und Hubschrauber. Mir kommt auf meinem Weg ein Feuerwehrler entgegen. Ich stelle mich vor und frage was passiert ist. "Zwei Züge sind zusammengeprallt", sagt der. "Bitte gehen Sie nicht weiter. Vorne am Kreisel finden Sie einen Ansprechpartner." 

Ich drehe um, gehe zurück. Auf der Wiese vom Theresien Monument und rund um den Pullacher Kreisel ist mittlerweile alles voller Einsatzfahrzeuge und -kräfte. Immer mehr Rettungshubschrauber landen. Es versammeln sich auch immer mehr neugierige Bürger. Immer wieder schicke ich mit meinem Handy Bilder von der Situation an unsere Redaktion in Rosenheim. Telefoniere mit Kollegen und schildere ihnen, was ich sehe und erlebe.

Luftaufnahmen vom Zugunglück

Ich sehe den Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Der gibt mir weitere Auskünfte darüber, was passiert ist, die ich wiederum an die Redaktion weiterleite. Mittlerweile ist es etwa neun Uhr. Immer mehr Kollegen von anderen Medien treffen ein. Man sagt uns, dass wir bald zur Unfallstelle können. 

>>> Themenseite: Das Zug-Unglück von Bad Aibling <<<

"Ein Bild, das ich nicht vergessen werde"

In Begleitung des Polizeipressesprechers Jürgen Thalmeier dürfen wir schließlich mitkommen. Nach ein paar hundert Metern Fußmarsch kommen wir an der Unfallstelle an. Was sich vor mir auftut ist ein Bild, das auch ich nicht mehr vergessen werde: Ein entgleister Triebwagen, ein anderer, der sich in einen Waggon bohrt und diesen regelrecht aufschlitzt. Überall Rettungskräfte, die alles geben. Zu der Zeit, als wir Medienvertreter zur Unfallstelle dürfen, sind bereits alle 150 Menschen, die in den Zügen saßen, abtransportiert worden. Thalmeier bekommt einen Funkspruch und informiert uns: "Nach jetzigem Stand haben wir sieben Tote zu verzeichnen." Ein paar Minuten später der nächste Funkspruch. Acht Tote. 

Ich drehe Videos und schieße Fotos von der Unfallstelle, führe Interviews mit Polizei- und Feuerwehrvertretern. Informiere immer wieder die Redaktion. Das geschieht alles wie ferngesteuert. Irgendwann sind die Akkus meines Handys und der Kamera aus. Ich werde von einem Kollegen vor Ort abgelöst und fahre in die Redaktion, wo ich das Gesehene und Gehörte niederschreibe.

Es folgen Tage der Nachberichterstattung. Pressekonferenz mit Horst Seehofer, Gedenkgottesdienst, Interviews mit Bahnvertretern und Menschen, die auch im Zug saßen, Anwälten, Bahnexperten. Man versucht die Geschichte aufzuschreiben, das Erlebte wiederzugeben.

Der Prozess

Noch im selben Jahr startet im November der Prozess gegen den Fahrdienstleiter, der das schlimme Unglück verschuldete. Er wird vom Traunsteiner Landgericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Als der Vorsitzende Richter Erich Fuchs die Namen der Toten vorliest, Männer im Alter von 24 bis 59 Jahren, wird es still im Saal. Ein Moment, der auch mir durch Mark und Bein geht

Kann man als Reporterin im Gerichtssaal immer wieder emotional abschalten und einfach das, was passiert, mitschreiben, so gibt es aber auch für mich als Berichterstatterin Momente, in denen ich meine Emotionen nicht unterdrücken kann. Das sind Momente in denen mir der Angeklagte leid tut, Momente in denen ich Wut auf ihn verspüre, vor allem wenn ich in die Gesichter der Angehörigen blicke. Momente, in denen ich unfassbare Dankbarkeit den Hilfskräften gegenüber verspüre, Momente, in denen ich hoffe, dass ein Urteil fällt, das der Tat gerecht wird, Momente, in denen die Bilder wieder auftauchen und ich versuche, das Ende der Geschichte aufzuschreiben.

Quelle: mangfall24.de

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