Verharmlosung des Holocausts?

Nach KZ-Vergleich: RTL schneidet Michael Wendler aus „DSDS“-Folgen heraus

Michael Wendler
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Nach seiner KZ-Äußerung zur Corona-Politik schneidet RTL nun Michael Wendler komplett aus „DSDS“ raus.

Schlagersänger Michael Wendler hat sich schon vor Monaten mit kruden Äußerungen zur Corona-Pandemie ins Aus katapultiert. Jetzt soll er die neuen Corona-Regeln mit einem Konzentrationslager verglichen haben. Nun reagierte RTL und schneidet ihn komplett aus den aktuellen „DSDS“-Folgen raus.

Köln/Florida - Am Dienstag, 5. Januar, startete die 18. Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ auf RTL. Trotz seines freiwilligen Ausstiegs aus der DSDS-Jury war auch Schlagersänger Michael Wendler in der ersten Folge der Castingshow zu sehen, obwohl er am 8. Oktober 2020 den Austritt aus der RTL-Show verkündete. Nach dem Verbreiten von Verschwörungstheorien bezogen auf das Coronavirus beendete RTL anschließend die Zusammenarbeit mit dem 48-Jährigen im Herbst 2020.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Dreharbeiten zu den Castings aber schon abgeschlossen. Der Sender hatte sich damals klar von den Äußerungen des Sängers distanziert, aber zunächst entschieden, die zum damaligen Zeitpunkt bereits aufgezeichneten Folgen auszustrahlen.

Corona-Pandemie: Michael Wendler macht KZ-Vergleich auf Telegram

Jetzt wird der 48-jährige Schlagersänger aber schlagartig aus allen Folgen von „Deutschland sucht den Superstar“ herausgeschnitten. Denn Michael Wendler soll am Dienstagabend, 5. Januar, beim Nachrichtendienst „Telegram“ die aktuelle Corona-Situation in Deutschland mit jener von Gefangenen in KZ-Lagern in Verbindung gebracht haben.

Auf Telegram war offenbar zu lesen: „KZ Deutschland??? Es ist einfach nur noch dreist was sich diese Regierung erlaubt!“. Auch ein Screenshot davon kursierte im Internet. In einem Statement auf Instagram räumte Wendler später auch eine „KZ“-Äußerung ein. Angeblich sei „KZ“ jedoch eine Abkürzung für „Krisen Zentrum“ gewesen.

RTL bezieht Stellung und reagiert schlagartig

RTL-Geschäftsführer Jörg Graf stellte anschließend in einer Pressemitteilung klar: „Wir verurteilen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung auf das Schärfste. In Zeiten, in denen es darum geht, durch gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt gemeinsam eine schwere Krise zu bewältigen, wird RTL mit einer Unterhaltungsshow nicht die Bühne für Menschen sein, die ihrerseits Spaltung und Verharmlosung propagieren.“

Man distanziere sich klar von Wenders Äußerungen, in denen er „Lockdown-Maßnahmen zum Schutz von Menschenleben inmitten der Corona-Pandemie nun in national-sozialistischen Kontext“ setze.

Politiker forderten Konsequenzen nach Äußerung von Michael Wendler

Zuvor hatte es aus der Politik zahlreiche Forderungen nach Konsequenzen für die Show gegeben, die seit fast 20 Jahren einen festen Platz im RTL-Programm hat. „Wer die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland mit einem KZ gleichsetzt und damit die Shoah derart relativiert, der sollte nicht von Woche zu Woche einem Millionenpublikum als Juror vorgesetzt werden“, so der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker. „DSDS“ solle abgebrochen werden.

Auch die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte gewarnt. Die Aufregung um Wendlers Auftritte bei „DSDS“ verschafften seinen „kruden Verschwörungsmythen“ noch mehr Aufmerksamkeit, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Moderator Oliver Pocher, der sich seit geraumer Zeit Wortgefechte mit Wendler liefert, formulierte es auf Twitter noch etwas deftiger: „Das ist nur noch dreist, widerlich und asozial.“

Die Schnittarbeiten dürften jetzt nicht ganz einfach werden, denn das Material ist beträchtlich. Der ursprüngliche Plan hatte ja vorgesehen, dass der in Florida lebende Sänger aus Dinslaken in den sogenannten Castingfolgen noch zu sehen sein und erst danach verschwinden sollte.

jg

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