Talkrunde „Die letzte Instanz“ löst Shitstorm aus

Rassismus-Vorwürfe nach Debatte bei WDR-Show: Sender und Gäste entschuldigen sich

Moderator Steffen Hallaschka in der Show „Die letzte Instanz“ mit Schlagersänger Jürgen Milski, dem Autor Micky Beisenherz, der Schauspielerin Janine Kunze und dem Entertainer Thomas Gottschalk (v.l.)
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Moderator Steffen Hallaschka in der Show „Die letzte Instanz“ mit Schlagersänger Jürgen Milski, dem Autor Micky Beisenherz, der Schauspielerin Janine Kunze und dem Entertainer Thomas Gottschalk (v.l.)

Ist es richtig, die „Zigeunersauce“ umzubenennen? Über diese Frage diskutierten in der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ unter anderem Janine Kunze und Thomas Gottschalk. Nach der Sendung hagelte es dafür auf Twitter ordentlich Kritik. Zwei der Gäste haben sich nun für ihre Aussagen entschuldigt.

Köln - In der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ begrüßte Moderator Steffen Hallaschka am 30. November die Gäste Micky Beisenherz, Thomas Gottschalk, Janine Kunze und Jürgen Milski. In der Talkrunde diskutierten sie über aktuelle gesellschaftliche Themen, darunter auch die Frage „Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notweniger Schritt?“ Die Gäste konnten mit einer grünen Karte zustimmen und mit einer roten Karte dagegen stimmen. Alle vier Gäste hielten die rote Karte hoch.

Am vergangenen Freitag, 29. Januar, wurde die Sendung als Wiederholung ausgestrahlt. Auf Twitter empörten sich anschließend viele Zuschauer darüber, dass die Gäste „empathielos“, „unkritisch“ und „naiv“ mit dem Thema Alltagsrassismus umgegangen seien und rassistische Begriffe verteidigt hätten. Auch der Umstand, dass zu einer Diskussion über Rassismus ausschließlich weiße Gäste in die Talkrunde eingeladen waren, wurde heftig kritisiert.

„Die letzte Instanz“ - Heftige Kritik für Aussagen von Kunze und Gottschalk

Besonders im Fokus stand eine Aussage von Janine Kunze, die sagte, sie habe sich „über viele Worte nie Gedanken gemacht“. „Haltet mich für naiv, nein, sie gehören dazu“, führte sie weiter aus. Scharfe Kritik gab es auch an Thomas Gottschalk (70), der angab, bei einer Kostümparty in Los Angeles mit Jimi-Hendrix-Verkleidung das erste Mal erfahren zu haben, „wie sich ein Schwarzer fühlt“.

Nach den schweren Rassismus-Vorwürfen hat der WDR noch am Wochenende Fehler eingeräumt. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter teilte der Sender am Sonntag, 31. Januar, mit, dass die Sendung nicht so gelaufen sei, „wie wir es geplant und uns vorgestellt hatten“. In der Talkrunde hätten Menschen mitdiskutieren müssen, die betroffen sind. „Daraus haben wir in jedem Fall gelernt“, sagte eine WDR-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Kunze und Beisenherz entschuldigen sich nach Rassismus-Vorwurf

Nach der Kritik an der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ haben sich nun die Schauspielerin Janine Kunze und der Moderator Micky Beisenherz für ihre Aussagen entschuldigt. „Mir ist klar geworden, dass ich Menschen, insbesondere die der Sinti und Roma Community, mit meinen unbedachten Äußerungen zutiefst verletzt, als auch diskriminiert habe“, schrieb Kunze am Sonntag bei Instagram.

Gerade als Mutter von drei Kindern sollte sie aufgeklärter sein. „Ich werde zukünftig meine Wortwahl überdenken, denn es war falsch, dass ich mir angemasst habe, als privilegierte weiße Frau über ein Thema zu sprechen, welches ich in seiner Konsequenz und in seinen Ausmaßen nicht beurteilen kann“, so die Schauspielerin.

Beisenherz: „Ganz klar mein Fehler. Sorry“

Micky Beisenherz sagte am Montag in seinem Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“: „Wenn ich Leute enttäuscht habe, dann tut mir das aufrichtig leid, denn das möchte ich nicht“. Auf Twitter schrieb der Moderator dann: „Eine Sendung, in der vier Kartoffeln sitzen und mittels Karten über Rassismus abstimmen hat ein Problem. Und auch meine Rolle in der Show war keine gute. Ich habe die Kritik aufmerksam gelesen und finde sie auch berechtigt. Ganz klar mein Fehler. Sorry“.

jg/dpa

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