Schlager-Heidi sticht Pumuckl aus

Beatrice ist Deutschlands neuer Superstar

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Beatrice Egli setzte sich im Finale durch.

Köln - Die Schweizerin Beatrice Egli hat am Samstagabend die Jubiläumsstaffel der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen.

Die 24-jährige Egli, die fast nur deutsche Schlager sang, setzte sich gegen die 21 Jahre alte Sächsin Lisa Wohlgemuth aus dem Erzgebirge durch. Für Egli entschieden sich über 70 Prozent der Zuschauer, die ihre Stimme abgegeben hatten. Auch von der Jury wurde sie zuletzt favorisiert.


Das diesjährige Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ war - was selten vorkommt - eine Angelegenheit unter Frauen. Die beiden Aspirantinnen hätten unterschiedlicher kaum sein können. Da war die unverstellt sächselnde Lisa Wohlgemuth (21) aus dem Erzgebirge, ebenso rothaarig wie real und von allen nur „Pumuckl“ genannt. Und da war die im Heidi-Idiom säuselnde Beatrice Egli (24) aus der Schweiz, eine professionelle Sing- und Lachmaschine.

DSDS: Von Superstars zu Superflops

Alexander Klaws (2003): Uaaah! Den Urwaldschrei hat Alexander Klaws drauf: Als Tarzan schwingt sich Alexander seit einem Jahr von Liane zu Liane – statt Konzerte zu geben, legte der 27-Jährige eine Musical-Karriere hin. Er war 2003 der erste Gewinner des Musikcastings. So einen wie ihn wird es wohl nie wieder geben: Keine Drogenprobleme, keine Hartz-IV-Vergangenheit, keine Gefängnisaufenthalte. Nebenbei arbeitet er mittlerweile an seinem fünften Album. © dpa
Elli Erl (2004): Sie ist bisher die einzige Frau, die von den DSDS-Fans zum Superstar gekürt wurde. Doch die Regensburgerin ist auch die einzige Gewinnerin, die keinen Nummer-1-Hit in den Charts platzieren konnte. Die 31-Jährige macht immer noch Musik, ihr Geld verdient sie aber mit einem normalen Beruf: Erl unterrichtet Realschüler. Ihre Erfahrungen im DSDS-Zirkus hat sie in einem autobiografischen Jugendroman verarbeitet: "Gecastet" erschien im März. © dpa
Tobias Regner (2006): Hart, laut, wild: Tobias Regner sollte damals das Image des Rockers verkörpern. Der 28-Jährige schlägt sich seit 2007 ohne Plattenvertrag durch, veröffentlichte vor gut einem Jahr mit seiner Band das kaum wahrgenommene Album "Kurz Unsterblich". Dieses Jahr folgt die Platte "Akustisch". Regner hat mit der Zeit mit dem RTL-Musikcasting komplett abgeschlossen, heute sagt der Sänger, dass er nie wieder zu einer Castingshow gehen würde. © dpa
Mark Medlock (2007): Nach dem Casting kletterten Mark Medlocks Singles "Now or never", "You can get it" und "Summer Love" jeweils auf Platz eins der Charts. Musikalisch ist er damit der erfolgreichste Superstar. Auch das 2010 veröffentlichte Album "Rainbow’s End" kam auf Platz drei. Eine gute Bilanz für den 32-jährigen Bohlen-Liebling, den RTL als abgehalfterten Arbeitslosen ohne Perspektive darstellte. © dpa
Thomas Godoj (2008): Stolz posierte Thomas Godoj vor zwei Jahren mit dem Echo – der Superstar von 2008 hat den wichtigen Musikpreis abgeräumt. Die erste Single "Love is you" kam auf Platz eins der Charts, doch bereits der Nachfolger "Helden gesucht" hievte sich mühsam auf Platz 12. Es wurde ruhiger um den heute 33-Jährigen. Er arbeitet immer noch als Musiker, tritt aber auf kleineren Bühnen und Festivals auf. Keine schlechte Karriere für den früheren Hartz-VI-Empfänger. © dpa
Daniel Schuhmacher (2009): Daniel wer? Der Gewinner der sechsten DSDS-Staffel verschwand so schnell aus dem Gedächtnis, wie er aufgetaucht war. Oder haben Sie noch seine Debütsingle "Anything but Love" im Ohr? Keines seiner folgenden Lieder schaffte es unter die Top 20. Trotzdem ist der 24-Jährige der Musik treu geblieben und will laut dpa im Sommer eine neue Single präsentieren. © dpa
ToMehrzad Marashi (2010): Mehrzad Marashi hatte es von Anfang an nicht leicht – musste er sich doch gegen DSDS-Rüpel Menowin durchsetzen. Seine Tour 2010 musste er abblasen. Zu wenig Fans wollten den heute 30-Jährigen auf der Bühne sehen. © dpa

„Die phänomenale Superstimme aus dem Erzgebirge mit der Extraportion Gefühl“ gegen „die einmalige Schlagerprinzessin aus der Schweiz, die alle Herzen im Sturm erobert“ - so war das Duell der gelernten Friseurinnen von Moderatorin Nazan Eckes (30) angekündigt worden. Zum zehnten Mal bereits suchte RTL den Superstar. Das Format kommt in die Jahre.

Metzgerstochter Beatrice, Spitzname „Zwergli“, beteuerte ein ums andere Mal: „Ich tue alles für den Schlager.“ Sie hatte keine Rührgeschichte vorzuweisen, keine Oma mit Holzbein, wie Dieter Bohlen es ausdrückte, sondern sang einfach in einem fort Oma-Titel wie „Und morgen früh küss ich dich wach“.

Wer ein paar Jahre nicht mehr „DSDS“ eingeschaltet hatte, konnte sich eingedenk eines Stefan-Raab-Titels verwundert fragen: Wadde singe dudde da? Schielt RTL jetzt auf das ZDF-Stammpublikum? Besonders begeistert von der Herzenssängerin zeigte sich Jury-Schlachtross Bohlen. Juror Mateo („Ich würde niemals eine Frau schlagen“) bekannte zwar, Schlager im Grundsatz eigentlich „scheiße“ zu finden, wollte am Ende aber auch wissen, ob es die Kuhglocken als Klingelton gebe.

Lisa Wohlgemuth („Das, was in meinem ganzen Körper sonst ist, hat sich alles in meinem Kopf gesammelt“) hatte am Donnerstag und Freitag noch eine Kehlkopfentzündung auskuriert. Pünktlich zu Beginn der Show konnte Bohlen jedoch ihre wundersame Genesung verkünden: „Um deine Stimme brauchen wir uns keine großen Sorgen zu machen.“ „DSDS“ verlangt Opfer. Oder war alles nur ein PR-Gag?

Am Ende stand Wohlgemuth dann doch ziemlich abgeschlafft neben Dauerstrahlerin Egli. „Ich hab' gearbeitet wie 'n Schwein“, sagte sie, während Egli immer wieder versicherte, welch ein Geschenk das alles sei. Jetzt winkt ihr der Plattenvertrag. Wie es aber mit „DSDS“ weitergehen soll, ist eine andere Frage. Die nächste Staffel kommt, das steht schon fest, aber die guten alten Quoten sind weg. Reform tut Not wie bei so manchem RTL-Format. Nur mit Bauern und Bohlen kann man auf Dauer nicht weitermachen.

dpa

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