Krumme Geschäfte im TV

"Wetten, dass..?": Rüge wegen Schleichwerbung

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Schwere Vorwürfe gegen das ZDF: Die Gummibärchen bei "Wetten dass...?" zu Gottschalks Zeiten sollen nicht die einzige Schleichwerbung in der Sendung gewesen sein.

Leipzig/Mainz - Schwere Vorwürfe gegen das ZDF: Die Gummibärchen bei "Wetten dass...?" zu Gottschalks Zeiten sollen nicht die einzige Schleichwerbung in der Sendung gewesen sein.

Die Schleichwerbung-Vorwürfe gegen das ZDF-Zugpferd „Wetten, dass..?“ haben die Kodexhüter der PR-Branche auf den Plan gerufen. Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) rügt die Agentur Dolce Media sowie die Firmen Fleurop und Fressnapf für „versuchte beziehungsweise vollendete Schleichwerbung“ in der Show. Das ZDF teilte dazu auf Anfrage mit, dass keine Verstöße seitens des Senders festgestellt worden seien.


„Außerdem mahnt der Rat die Unternehmen Daimler, Audi und Solarworld, künftig kritischer zu prüfen, ob Medienkooperationen den Tatbestand der Schleichwerbung erfüllen“, hieß es in einer Mitteilung, die der DRPR am Donnerstag in Leipzig veröffentlichte. „Die Mahnung spricht der Rat auch gegenüber der Agentur Dolce Media aus, der aus Sicht des Rates in der Vermittlung eine verantwortliche Rolle in diesem Fall zukam.“

In der Show vom 12. Februar 2011 hatte der damalige Moderator Thomas Gottschalk laut DRPR mehrfach an den bevorstehenden Valentinstag erinnert, einem Umsatzbringer für das Unternehmen Fleurop. Bei Fressnapf geht es um mögliche Themenplatzierungen, die über Anzeigenschaltungen bezahlt worden seien.


„Der Spiegel“ und das „Handelsblatt“ hatten Anfang des Jahres berichtet, wie die Firma Dolce Media Werbepartner beschafft haben soll, was eine mögliche Plattform für Schleichwerbung gewesen sein soll.

Dolce Media gehört dem Bruder von Thomas Gottschalk

Dolce Media gehört dem Bruder von Ex-Moderator Thomas Gottschalk, Christoph Gottschalk. Das ZDF hat den Vorwurf der Schleichwerbung stets zurückgewiesen, seine Regeln für Gewinnspiele jedoch verschärft. Auch die Zusammenarbeit mit Dolce Media hat der Sender beendet. Gewinnspiele mit Autos sind künftig tabu.

Als Reaktion auf die Mitteilung des DRPR betonte der Mainzer Sender, der Rat beziehe sich auf „Sachverhalte, die länger zurückliegen, und zu denen das ZDF mehrfach und ausführlich Stellung genommen hat“. Weiter hieß es beim ZDF: „Bei der Prüfung der damals vorgetragenen Vorwürfe wurden keine Verstöße gegen für das ZDF geltende Rechtsvorschriften festgestellt.“

Die Wahl der größten Werbe-Schummeleien

Kandidat 1: Eine Bio-Limonade die laut Foodwatch keine ist. Der Geschmack kommt nicht aus biologisch angebauten Früchten, sondern von Aromen aus dem Labor. © Foodwatch / abgespeist.de
Biologisch sind an Beo laut Foodwatch nur zwei Dinge: Der Zucker und das Gerstenmalz. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 2: Seltsame Rezepturverbesserung: Zusätzliche Aroma- und Zusatzstoffe schafften es ins Glas. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 3: Physalis-Tee ohne Physalis. In diesem Tee steckt laut Foodwatch nur Aroma. © Foodwatch / abgespeist.de
So viel Zucker steckt in einer Packung des "Gelben Tees". © Foodwatch / abgespeist.de
Da wundert es nicht, dass die Lebensmittel-Ampel - würde sie eingeführt - beim Zucker ganz klar auf rot stehen würde. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 4: Spitzenkoch wirbt für Dosensuppe. Statt versprochener "ausgewählter Zutaten" stecken laut Foodwatch nur Trockenpulver, Zusatzstoffe und Aromen drin. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 5: Mehr Zucker als Cola. Die gleiche Menge Cola hat laut Foodwatch weniger Zucker als eine Flasche Monte-Drink. © Foodwatch / abgespeist.de
So viel Zucker steckt in einem Monte-Drink. Acht Stück Wüfelzucker enthält eine Flasche. © Foodwatch / abgespeist.de
Die Lebensmittel-Ampel für den Monte-Drink: Rot beim Zucker, gelb beim Fett. © Foodwatch / abgespeist.de
So ging der Wettbewerb im vergangenen Jahr aus: 2009 gewann Actimel mit klaren 47 Prozent den Goldenen Windbeutel. © Foodwatch / abgespeist.de
So könnte es aussehen, wenn es der Goldene Windbeutel 2009 auf die Verpackung des Preisträgers geschafft hätte. © Foodwatch / abgespeist.de
Ungewollter Preis: Danone nahm 2009 den Goldenen Windbeutel für Actimel nicht an. © Foodwatch / abgespeist.de

Der DRPR erläuterte, die Rüge des Gremiums fuße auf Erkenntnissen, „die seine Recherchen inklusive einer schriftlichen Befragung der Beteiligten erbracht haben.“ Der DRPR ist das Organ der freiwilligen Selbstkontrolle für das Berufsfeld Public Relations. Konsequenzen hat seine Rüge nicht: „Wenn eine Rüge oder eine Mahnung ausgesprochen wird, so geschieht dies als wohlbegründete Meinungsäußerung und darf nicht mit dem Urteil eines Gerichtes verwechselt werden.“

dpa

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