A8-Ausbau: Deutsche und österreichische Autobahnen im Vergleich

"Unfallbilanz könnte deutlich besser sein, wenn es ein Tempolimit gibt"

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Wien - Das Unfallrisiko auf Österreichs Autobahnen ist niedriger als in Deutschland, wie eine VCÖ-Analyse zeigt. Grund dafür soll das fehlende Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen sein.

Helfen Tempolimits, um Unfälle zu vermeiden? Gerade auch in der Diskussion um den geplanten A8-Ausbau wird immer wieder die Frage aufgeworfen, ob ein vierstreifiger Ausbau mit Standstreifen, die zu Hochzeiten als jeweils dritte Spur zugeschaltet werden können, sowie ein Tempolimit genügen.

In Österreich ist eine Analyse des Verkehrsclubs Österreich beziehungsweise des Vereins "VCÖ – Mobilität mit Zukunft" in diesem Sommer zu dem Ergebnis gekommen, dass das Unfallrisiko auf Österreichs Autobahnen niedriger ist als in Deutschland. Hierzulande sind demnach im Schnitt der vergangenen drei Jahre pro 1.000 Autobahnkilometer um 35 Prozent mehr Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, als auf Österreichs Autobahnen.

Ebenso ist die Zahl der Unfälle und Verletzten deutlich höher gewesen, berichtet der VCÖ. Fazit: "Das höhere Unfallrisiko ist darauf zurückzuführen, dass es auf mehr als der Hälfte des Autobahnnetzes kein Tempolimit gibt." Eines unterscheidet beide Länder: Deutschlands hochrangiges Straßennetz ist knapp 13.000 Kilometer lang, Österreichs Autobahn- und Schnellstraßennetz umfasst rund 2.200 Kilometer - ist also wesentlich kleiner. 

"Pro 1.000 Autobahnkilometer gibt es in Österreich deutlich weniger Unfälle, weniger Verletzte und Todesopfer“, fasst VCÖ-Experte Markus Gansterer eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Deutschen statistischen Bundesamts und der Statistik Austria zusammen.

Zahlen zeigen eindeutiges Bild

In Zahlen formuliert, zeigt sich folgendes Bild: 2017 snd pro 1.000 Autobahnkilometer in Österreich 1.065 Unfälle passiert, in Deutschland sind es mit 1.610 etwa 50 Prozent mehr gewesen. Die Zahl der Verletzten hat in Deutschland bei 2.597 pro 1.000 Autobahnkilometer gelegen und damit um 65 Prozent höher als in Österreich. Die Zahl der Verkehrstoten auf Deutschlands Autobahnen pro 1.000 Autobahnkilometer ist ein Viertel höher - im Schnitt der vergangenen drei Jahre sogar ein Drittel, lautet das Ergebnis der VCÖ-Analyse.

"Deutschlands Unfallbilanz könnte deutlich besser sein, wenn es am gesamten Autobahnnetz ein Tempolimit gibt und nicht wie derzeit nur etwa auf der Hälfte. Mit dem Tempo nimmt der Anhalteweg zu, das Risiko eines Unfalls steigt dadurch", resümiert VCÖ-Experte Markus Gansterer.

Höheres Tempolimit = mehr Drängler?

Doch auch die Unfallbilanz auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen sind Mahnung, verstärkte Verkehrssicherheitsmaßnahmen umzusetzen, heißt es in dem Bericht. Demnach sind 2017 immerhin 56 Menschen bei Unfällen auf Österreichs hochrangigem Straßennetz ums Leben gekommen, 3.474 sind verletzt worden.

Der VCÖ lehnt deshalb Tempo 140 auf Österreichs Autobahnen ab. "Da die Toleranz beim Überschreiten von Tempolimits in Österreich sehr hoch ist, würden zudem etliche Autofahrer aus dem In- und Ausland 150 km/h oder schneller fahren – womit das Unfallrisiko nochmals steigt und ebenso der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid und gesundheitsschädlichen Schadstoffen, wie Stickoxiden und Feinstaub", lautet die Begründung. Außerdem wird befürchtet, dass zunehmend gefährlich gedrängelt wird auf österreichischen Schnellstraßen, wenn beispielsweise Familien oder ältere Autofahrer etwa Lkw langsamer als mit 140 km/h überholen.

Zahlreiche Unfallschwerpunkte auf der A8

Vor allem auch auf der A8 kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Eine Problemstelle ist laut dem ADAC der Irschenberg. Nach heutigen Standards ist der zu steil für eine Autobahn. Zwar verläuft die Trasse dort dreispurig, aber auch ohne Standstreifen. Wenn sich Lkw den Berg hoch quälen, sorgt das regelmäßig für Stau. Zahlreiche Unfälle sind am Irschenberg bereits passiert. Eine Auswahl aus diesem Jahr:

  • 24. April 2018: Ein 7,5-Tonnen-Lkw kollidiert mit einem Wohnwagengespann aus Baden-Württemberg. Der Fahrer (73) ist sofort, seine Frau (71) wird auf dem Beifahrersitz schwer verletzt.
  • 17. Juni 2018: Ein Auffahrunfall mit drei Fahrzeugen fordert sechs, zum Teil schwer Verletzte.
  • 6. September 2018: Aufgrund eines Fahrfehlers gerät ein Wohnwagengespann beim Überholen eines Sattelzuges ins Schleudern und kippt um.
  • 7. September 2018: Ein Sattelzug kommt kurz nach der Anschlussstelle Irschenberg im Kurvenbereich der Gefällstrecke ins Schleudern. Der LKw bleibt quer über die drei Fahrspuren stehen. Die Autobahn ist stundenlang gesperrt.
  • 2. Oktober 2018: Zwei massive Fahrzeuge des US-Militärs fahren an der Steigung des Irschenbergs aufeinander auf. Zwei Personen werden verletzt.
  • 2. Oktober 2018: Ein Lkw gerät an der Gefällstrecke des Irschenbergs aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit auf der regennassen Fahrbahn alleinbeteiligt ins Schleudern und prallt gegen die rechte Leitplanke, wobei die Zugmaschine einknickt und sich mit der Leitplanke verkeilt. Die Autobahn ist stundenlang gesperrt gewesen.

4+2-Ausbau mit Tempolimit befürwortet

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl zum Beispiel tritt vehement für ein Tempolimit auf der A8 ein. "Ich bin für den vierspurigen Ausbau. Aber ein durchgehendes Tempolimit ist das Allerwichtigste. Dass das funktioniert, sieht man an vielen anderen Autobahnen", sagt sie im September. "Es ist mittlerweile vielfach nachgewiesen, dass durchgehendes Tempolimit zu fließendem Verkehr führt."

Umfrage zum Thema Tempolimit

ksl

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