Zug-Inferno in Italien: Mindestens 14 Tote

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit Rettungskräften an einem ausgebrannten Auto bei der Unglückstelle.
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Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit Rettungskräften an einem ausgebrannten Auto bei der Unglückstelle.

Viareggio - Flammeninferno in der Toskana: Mindestens 14, möglicherweise aber auch 16 Menschen sind bei der Explosion eines Flüssiggas-Güterwaggons am Bahnhof von Viareggio ums Leben gekommen.

Auch am Abend nach dem Unglück war die genaue Zahl der Todesopfer noch unklar. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi sprach am Dienstag am Unglücksort von 13 Opfern und vier Vermissten. Kurz darauf zog die Feuerwehr eine tote Frau unter den Trümmern ihres Hauses hervor.

Explosionsunglück in der Toskana: mindestens 12 Tote

Die Explosion eines mit Flüssiggas gefüllten Tankwaggons hat in der italienischen Küstenstadt Viareggio mindestens 12 Menschen das Leben gekostet. © ap
Fünf der Opfer des nächtlichen Flammeninfernos seien in Krankenhäusern ihren Verletzungen erlegen, heißt es. © ap
Die Bilanz der Opfer ist nach den Angaben von Feuerwehr und Präfektur weiterhin nur “provisorisch“, da Dutzende Menschen sich schwerste Brandverletzungen zugezogen haben und in den Trümmern eingestürzter Häuser noch nach Verschütteten gesucht wird. © ap
Kurz vor Mitternacht waren 5 von 14 Güterwagen aus noch ungeklärter Ursache entgleist, der den Unfall auslösende Waggon mit Flüssiggas explodierte. Dies ließ dann mehrere Häuser in der Umgebung einstürzen und setzte andere in Brand. Materialermüdung am Fahrgestell eines Flüssiggas-Waggons gilt nach ersten Erkenntnissen als eine mögliche Unfallursache. © ap
Ein Feuerwehrmann löscht den verbrannten Waggon. © ap
Qualm steigt am Morgen in Viareggio auf. © ap
Verbrannte Autos in der Nähe des Explosionsortes. © ap
Rettungskräfte vor den entgleisten Waggons. © ap
Ein Feuerwehrmann am Morgen nach dem Unglück in Viareggio. © ap
 
Stundenlang verbreitete sich der beißende Rauch. © ap
1000 Menschen in der Umgebung des Bahnhofs wurden evakuiert. © ap
Rund 300 Feuerwehrmänner aus der Toskana sind in Viareggio im Einsatz. © ap
Evakuierte Anwohner werden in Zelten in der Nähe des Rathauses untergebracht. © ap
Die Gleise nach dem Unglück. © ap
Der Bahnhof nach dem Unglück. © ap
Rauch umgibt die Flüssiggas-Tanks. © ap
Umliegende Häuser sind in Brand geraten und eingestürzt. © ap
Feuerwehrmänner löschen die explodierten Tanks. © ap
In der Nacht zum Dienstag ist ein Zug mit Flüssiggas engleist, fünf Waggons sind explodiert. © ap
Die Feuerwehr löschte stundenlang die Flammen. © ap
Für die acht bisher unversehrten Waggons besteht Explosionsgefahr. © ap
Einer von 13 Flüssiggas-Tanks, die der Zug in Viareggio geladen hatte. © ap
Gastanks liegen auf den Gleisen in Viareggio herum. © ap
Zahlreiche Häuser liegen in Trümmern, auch Autos sind verbrannt. © ap
Die Bahngleise liegen nach der Explosion im Nebel. © ap
In der Nacht erschütterte eine heftige Explosion die italienische Stadt Viareggio. © ap
Das Gebiet rund um die Explosionsstelle ist weiträumig abgesperrt. © ap
36 Menschen sind bei dem Unglück verletzt worden. © ap
Die Feuerwehr sucht in den Trümmern nach Menschen. © ap
Rettungskräfte sind in den Straßen von Viareggio unterwegs. © ap
In den Trümmern könnten noch Verschüttete sein. © ap
Helfer finden in den Trümmern persönliche Dinge der Opfer. © ap
Die Polizei sorgt in Viareggio für Ruhe. © ap
Einsturzgefährdete Häuser werden nach Bewohnern durchsucht. © ap
Die Menschen aus dem nahen Umkreis der Unfallstelle werden in Zelten untergebracht. © ap
Rettungskräfte löschen einen der Anhänger des Unglückszuges. © AP
Feuerwehrmänner ruhen sich in der Nähe des Unglücksortes aus. © AP
Luftaufnahme der Unglücksstelle. © AP
Menschen jubeln, als Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Unglücksort eintrifft. © AP
Menschen jubeln, als Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Unglücksort eintrifft. © AP
Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit Rettungskräften vor einem ausgebrannten Auto. © AP
Erschöpfte Rettungskräfte werden am Unglücksort behandelt. © AP
Ein Rettungswagen trifft an der Unglücksstelle ein. © AP

Zuvor hatte das städtische Behandlungszentrum (Asl) mitgeteilt, 16 Menschen seien tot, 36 schwer verletzt, darunter zwei Kinder. Auch unter den Toten sind zwei Kinder. 15 Menschen schweben in akuter Lebensgefahr mit Verbrennungen von mehr als 90 Prozent der Körperoberfläche. Der Unfall hatte sich kurz vor Mitternacht am Montagabend ereignet.

“Es handelt sich um eines der schlimmsten Unglücke des italienischen Eisenbahnsektors“, sagte der Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, am Unglücksort. Nach Verschütteten solle im Schutt der durch die Explosion zerstörten Häuser gegraben werden, “bis wir sicher sind, dass dort keine Menschen mehr liegen“, versprach Bertolaso. Die Bahnlinie bleibe noch zwei Tage unterbrochen.

Mehrere Wohnhäuser eingestürzt

Mehrere benachbarte Wohnhäuser der im Zentrum des Urlaubsortes liegenden Bahnstation stürzten ein, etwa 1000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Die Zahl der Opfer wird nach Angaben von Feuerwehr und Präfektur wahrscheinlich noch steigen. “Die Gefahr ist noch nicht vorüber“, warnte Bertolaso. “Es liegen noch 13 Gasbehälter mit jeweils 30 Kubikmeter Flüssiggas auf den Schienen, vier davon umgekippt. Die Zisternen müssen entleert werden. Das ist eine hochgefährliche Situation“, sagte Bertolaso.

Der Bürgermeister von Viareggio, Luca Lunardini, sprach von “apokalyptischen Szenen“. Augenzeugenberichten im italienischen Fernsehen zufolge hatte sich der Bahnhof binnen weniger Minuten in eine Feuerhölle verwandelt. “Nur durch ein Wunder sind wir noch am Leben“, sagten zwei Maschinisten des Güterzuges. Beobachter berichteten, am Bahnhof vorbeifahrende Autos und Motorroller samt ihren Fahrern seien völlig verbrannt.

Vermutlich Waggonachse gebrochen

Experten nehmen an, dass der Bruch einer Waggonachse die Katastrophe möglicherweise verursacht hat. Die Vorderachse habe bei der Durchfahrt des Zuges mit insgesamt 14 Waggons nachgegeben. “Infolge des Schadens ist der Waggon entgleist und Flüssiggas ausgetreten, das dann im Kontakt mit der Luft zu einer Gaswolke geworden ist. Ein Funke könnte die Explosion verursacht haben“, erklärte Sergio Basti, Ingenieur und Leiter der Notfallzentrale der Feuerwehr. Der Unfall sei nicht auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen: Der Zug habe den Bahnhof mit einem Tempo von etwa 90 Stundenkilometern und damit vorschriftsmäßig passiert.

Berlusconi sagte, der in der Nacht entgleiste und explodierte Wagen amerikanischer Bauart sei ordnungsgemäß gewartet gewesen, mit der nächsten fälligen Prüfung im Dezember 2009. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Unglück keine negativen Folgen für die Touristensaison in dem westtoskanischen Urlaubsort haben werde.

Nach der verheerenden Explosion kam es in der Toskana zu Behinderungen für Bahnreisende. Zwischen Pisa und Forte dei Marmi verkehrten keine Züge. Die Fernzüge auf der Strecke Turin-Genua- Florenz wurden über Florenz weitergeleitet, sagte Christiane Hübner von der Italienischen Zentrale für Tourismus (ENIT) in Frankfurt. Am Unfallort wollte die Feuerwehr noch am Dienstag damit beginnen, die entgleisten Flüssiggas-Waggons zu sichern und abzutransportieren.

Der Unglückswaggon gehört nach italienischen Medienberichten wahrscheinlich der in Wien ansässigen internationalen Güterwagenvermietungs-Gesellschaft Gatx. Inzwischen erklärte eine Sprecherin der Deutschen Bahn: “Die Wagen gehörten uns nicht und wurden auch nicht von uns angemietet.“

Papst Benedikt XVI. betet für die Toten

Italiens Verkehrsminister Altero Matteoli unterbrach einen offiziellen Besuch in Venezuela, um nach Viareggio zu kommen. Auch Innenminister Roberto Maroni informierte sich an der Unfallstelle. Das Verkehrsministerium leitete Ermittlungen ein. Papst Benedikt XVI. betete im Vatikan für die Toten und für die Gesundung der Verletzten.

dpa

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