TV-Duell in USA artet in persönliche Schlammschlacht aus

Biden attackiert Trump: „Sie sind der schlechteste Präsident, den Amerika je hatte...“

Donald Trump und Joe Biden bei TV-Duell
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US-Präsident Donald Trump (links) und sein Herausforderer Joe Biden beim TV-Duell.

Cleveland - Gut einen Monat vor der US-Präsidentschaftswahl haben sich Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden in der ersten von drei Fernsehdebatten einen harten Schlagabtausch geliefert. Es gab persönliche Attacken und schwere Vorwürfe:

Im Mittelpunkt standen die Corona-Krise und der Konflikt nach dem Tod von George Floyd. Die Themen der Diskussion und die oft weit auseinander liegenden Positionen machten die Gräben in Gesellschaft und Politik der USA deutlich (Live Ticker zum Nachlesen).

Die wichtigsten Punkte der Debatte:

CORONA-KRISE: „Er will einen Shutdown dieses Landes, und ich will es offen halten“, sagte Trump über die Corona-Strategie von Biden. Dieser konterte, Trump habe sich „völlig unverantwortlich“ verhalten und so Tausende von Menschenleben gefährdet. Trump hob hervor, dass ältere Menschen mit Herzproblemen bei einer Covid-Erkrankung sehr gefährdet seien. „Junge Menschen sind es nicht.“

WIRTSCHAFT: Biden hielt Trump vor, in der Corona-Krise sei es Millionären und Milliardären wie ihm gut ergangen. Dann schaute er in die Kamera und fragte: „Aber Ihr Leute zuhause, wie geht es Euch?“ Trump bekräftigte, dass er die Wirtschaft zum Blühen gebracht habe, ehe es zum coronabedingten Stillstand gekommen sei. Jetzt baue er sie wieder auf.

RASSISMUS: Biden bezeichnete Trump als Rassisten - nach dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai habe der Präsident versucht, „rassistischen Hass zu erzeugen, rassistische Spaltung“. Zu den teilweise gewaltsamen Unruhen im Anschluss an den Tod Floyds in Minneapolis sagte Trump, die Regierung habe dort wieder für Ruhe gesorgt, „weil wir an Recht und Ordnung glauben - und du tust dies nicht, Joe“, fügte der Präsident hinzu.

KLIMAWANDEL: Biden kündigte an, den von Trump angekündigten Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen rückgängig zu machen. Trump warf Biden vor, unbezahlbare Initiativen im Umweltschutz zu verfolgen und den Luftverkehr einschränken zu wollen.

SUPREME COURT: Trump bekräftigte das Recht der Regierung, die freie Stelle im obersten Gericht der USA noch vor der Wahl neu zu besetzen, mit der konservativen Richterin Amy Coney Barrett: „Wir haben die Wahl gewonnen und deswegen haben wir das Recht, sie auszuwählen.“ Herausforderer Joe Biden forderte hingegen, mit der Besetzung der Stelle bis Februar 2021 zu warten, „weil wir mitten in einer Wahl sind, die bereits begonnen hat“.

WAHLVERLAUF: „Ich hoffe, dass es eine faire Wahl sein wird“, sagte Trump. Schon jetzt aber gebe es Hinweise auf Versuche des Wahlbetrugs: Tausende von Stimmzetteln würden manipuliert - „das kann ich nicht akzeptieren.“ Er rief seine Anhänger dazu auf, die Auszählung der Stimmen als „Poll Watchers“ genau zu beobachten. Biden appellierte an die Amerikaner, so zu wählen, „wie es euch am besten passt“ - ob per Briefwahl oder direkt an der Wahlurne. Er werde jedes Ergebnis akzeptieren, ob er die Wahl nun gewinnen oder verlieren werde.

PERSÖNLICHE ATTACKEN: Beide Kandidaten griffen sich wiederholt persönlich an. „Sie sind der schlechteste Präsident, den Amerika je hatte“, sagte Biden. Trump wiederum hielt dem Kandidaten der Demokratischen Partei seinen Sohn Hunter Biden vor - dieser sei wegen Drogenkonsums aus den Streitkräften entlassen worden. Biden bestritt das.

UNTERBRECHUNGEN: Zeitweise redeten alle drei durcheinander. Moderator Chris Wallace bat die Diskutanten eindringlich, sich weniger häufig zu unterbrechen. Trump reagierte, indem er mit dem Finger auf Biden sagt - dieser solle ihn nicht dauernd unterbrechen. Wallace antwortete, offen gesagt habe er den Eindruck, dass Trump seinem Herausforderer häufiger ins Wort falle als umgekehrt. „Es ist schwer, bei diesem Clown überhaupt zu Wort zu kommen“, sagte Biden.

BLITZUMFRAGE: Die erste Fernsehdebatte vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat eine große Mehrheit der Amerikaner vor allem als anstrengend empfunden - 69 Prozent nannten als vorrangiges Gefühl, dass sie verärgert seien. In einer Blitzumfrage des Senders CBS sah eine knappe Mehrheit von 48 Prozent den Herausforderer Joe Bilden als Sieger im Schlagabtausch mit Präsident Donald Trump (41 Prozent).

Am 15. und am 22. Oktober sind noch zwei weitere Fernsehdebatten zwischen Trump und Biden geplant.

mw/dpa

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