Es geht um 100 Millionen Impfdosen

Corona in Österreich: Kurz verhandelt um russischen Impfstoff - und droht der EU mit Lieferungs-Blockade

Sebastian Kurz drohte offenbar der EU mit der Blockierung einer Lieferung von 100 Millionen Impfdosen.
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Sebastian Kurz drohte offenbar der EU mit der Blockierung einer Lieferung von 100 Millionen Impfdosen.

Österreichs Bundeskanzler Kurz bestätigte Verhandlungen um den russischen Impfstoff - und droht, 100 Millionen Biontech-Impfdosen für die EU zu blockieren.

Wien - Österreich könnte nach Ungarn das zweite EU-Land werden, in dem der russische Corona*-Impfstoff Sputnik V verimpft wird. Wie das Büro von Bundeskanzler Sebastian Kurz der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag mitteilte, seien die Verhandlungen über die Lieferung von einer Million Impfdosen bereits am vergangenen Freitag aufgenommen worden.

Corona in Österreich: Kurz ordert eine Million Sputnik-Dosen - und droht der EU mit Lieferungs-Blockade

Demzufolge soll die Lieferung von 300.000 Dosen im April, 500.000 Dosen im Mai und 200.000 Dosen im Juni vollzogen werden, auch wenn das Vakzin von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) noch nicht zugelassen wurde. Kurz erhofft sich durch den zusätzlichen Impfstoff* „eine frühere Rückkehr zur Normalität“, er könne „viele Menschenleben sowie Arbeitsplätze retten“. Der Bundeskanzler sprach bereits Ende vergangenen Monats über eine „gemeinsame Produktion“ mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Der Grund für die Allianz ist die angebliche Benachteiligung Österreichs bei der Verteilung. Wie Focus unter Berufung auf das Portal Politico berichtet, fordert Österreich auch von der EU zusätzliche Impfdosen. Sollten diese nicht geliefert werden, habe die Regierung gedroht, die Lieferung von 100 Millionen Biontech/Pfizer-Dosen* für das zweite Quartal 2021 zu blockieren. Das Portal beruft sich dabei auf drei EU-Diplomaten.

Corona in Österreich: Astrazeneca-Probleme verursachen Lücken - Kurz fordert größeren Anteil als vereinbart

Angesichts der Schwierigkeiten um den Astrazeneca-Impfstoff müssen einige Regierungen nun umplanen. So bestellte Österreich eingangs weniger Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson als dem Land zugestanden hätte, darum befürchtet man nun Lücken. Aufgrund der Obergrenze des Finanzministeriums von 200 Millionen Euro im ersten Zeitraum der Impfstoffbeschaffung nutzte man bei den Lieferungen von Biontech ebenfalls nicht die volle verfügbare Kapazität.

Die Lücken im zweiten Quartal sollen nun durch zehn Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer gestopft werden, die eigentlich Teil der Lieferung von 100 Millionen Dosen für die zweite Jahreshälfte waren. Die EU hat eine Option auf dieses Kontingent, über das jedoch seit längerer Zeit innerhalb der Mitgliedsstaaten gestritten wird. Am Mittwoch werden sich die EU-Botschafter beraten.

Nun will die österreichische Regierung im Nachhinein jedoch einen größeren Anteil der Biontech-Dosen als vereinbart, andererseits würde sich die Regierung zu einem harten Schritt gezwungen sehen. Kurz soll gedroht haben, die Kommission beim Kauf der Lieferung zu blockieren, sollte Österreich keinen zusätzlichen Impfstoff bekommen.

Corona in Österreich: Sechs EU-Staaten klagen über Impfstoff-Verteilung

Neben Österreich klagen auch Bulgarien, Kroatien, Lettland, Slowenien und Tschechien über eine ungerechte Verteilung der Impfdosen innerhalb der EU, allerdings hängt diese mit der Bevölkerungszahl zusammen. Kurz hofft nun gemeinsam mit den übrigen Forderern auf zusätzliche Impfdosen und damit auf eine schnelle Lösung, um bei einem Vertrag über die zusätzlichen 100 Millionen Pfizer-Dosen „rasch handeln“ zu können, so ein Regierungsvertreter.

Wie Österreich nahmen auch die Slowakei und die Tschechische Republik Verhandlungen über zusätzliche Impfstoff-Lieferungen als Ergänzung zu den EU-Vereinbarungen über Impfstoffe auf. Wie die EU-Kommission klar stellte, stünden die Verhandlungen der Länder in „deren Verantwortung“. Auch das russische Vakzin sei für die Europäische Union kein Thema. (ajr) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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