„Gesetz ausgehebelt“?

Ärzte-Bündnis gegen Maskenpflicht: Deutsche Mediziner stellen offenbar ungeprüft Atteste - „Das ist kriminell“

Eine Gruppe von Ärzten erstellt Atteste gegen das Tragen eines Mundschutzes - und hebeln so womöglich gültige Regeln und den Corona-Schutz aus.

  • Die Initiative „Ärzte für Aufklärung“ hält nichts von den Schutzmaßnahmen gegen Corona*.
  • Sie sehen dahinter sogar eine große Verschwörung
  • Ihren Anhängern und Befürwortern helfen sie, die Maßnahmen zu umgehen - nicht immer legal.
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und eine Karte mit den aktuellen Fallzahlen in Deutschland*.

München - Sie nennen sich „Ärzte für Aufklärung“. Ihnen geht es aber offenbar weniger darum, Menschen vor den Risiken des Coronavirus aufzuklären. Eine Gruppe aus Medizinern und Verschwörungstheoretikern hat es sich allem Anschein nach zur Aufgabe gemacht, die Maskenpflicht zum Schutz vor Covid-19 zu untergraben, wie Report Mainz der ARD herausgefunden hat. Die Ärzte vergeben Atteste, die vom Tragen eines Mundschutzes befreien, teilweise, ohne die Patienten vorher untersucht zu haben.

Die Initiative „Ärzte für Aufklärung“ hält das Coronavirus für nicht sehr gefährlich

Mehr als 2000 Anhänger soll die Initiative „Ärzte für Aufklärung“ bereits haben. Unter ihnen sollen sich zahlreiche Mediziner befinden, berichtet Report Mainz weiter. Ihre Einstellung zu Corona ist: Das Virus sei nicht besonders gefährlich und das Tragen einer Maske* nicht notwendig. 

Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter. Das Tragen eines Mundschutzes rufe überhaupt erst Unwohlsein hervor. Deshalb bieten den Recherchen zufolge viele Ärzte der Initiative an, Atteste gegen die Maskenpflicht auszustellen - offenbar in einigen Fällen auch, ohne die Patienten vorher gesehen zu haben. Report Mainz hat nach eigener Darstellung stichprobenartig überprüft, ob an den Behauptungen etwas dran ist.

Einige Mediziner der Initiative „Ärzte für Aufklärung“ stellen Atteste ohne Untersuchung aus

19 der 40 angeschriebenen Praxen reagierten auf die Anfrage der Reporter. Alle 19 Ärzte sehen beim Ausstellen eines solchen Attests kein ethisches Problem. Ganz im Gegenteil. Zwei Mediziner stellten ohne persönliche Gespräch in der Praxis ein Attest aus. Ein Arzt wollte sogar 50 Euro für die Befreiung von der Maskenpflicht.

Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, kritisiert das Vorgehen der Initiative. 

Nach Ansicht des SPD-Politikers und Gesundheitsexperten Karl Lauterbach handelt es sich um ein äußerst verwerfliches Vorgehen: "Das ist nichts anderes, als dass man die medizinische, die ärztliche Autorität missbraucht, um ein Gesetz auszuhebeln“, sagt Lauterbach. Die Maskenpflicht sei ein entscheidender Baustein, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, so der Politiker weiter. Lauterbach äußerte sich kürzlich auch zur Aufhebung des Lockdowns in Gütersloh

Das Vorgehen der Initiative „Ärzte für Aufklärung“ ist sogar illegal

Die Ärzte, die ein Attest ausstellen, ohne den Patienten vorher untersucht zu haben, verstoßen gegen den Paragraph § 278 des Strafgesetzbuches, sagte Martin Stellpflug, Fachanwalt für Medizinrecht und Professor an der Psychologischen Hochschule Berlin. Damit sei ihr Handeln illegal. Man nehme durch das bewusste Umgehen der Maskenpflicht, die Verbreitung des Virus in Kauf, so Lauterbach weiter. 

„Ehrlich gesagt ist das kriminell“, fügt der Gesundheitsexperte noch hinzu. Viele Menschen könnten durch solch ein Vorgehen an Covid-19 erkranken oder im schlimmsten Fall sogar sterben. Daher plädiert Lauterbach, der selbst Epidemiologe ist, an seine Kollegen ihrer Verantwortung für den Patienten nachzukommen.

Eine  neue Untersuchung will zeigen: Selbst verkeimte Masken sind für den Träger ungefährlich. 

(tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Jane Barlow

Kommentare