Pandemie hat Hauptstadt im Griff

Corona-Hotspot: Berlin verzeichnet Rekordwert bei Neuinfektionen - Corona-Ampel weiter auf rot

Ganz Berlin gilt als Corona-Risikogebiet. Die 7-Tages-Inzidenz steigt weiter. Die Stadt verzeichnet nun einen Rekord an Neuinfektionen.

  • Die Corona-Lage* in Berlin scheint außer Kontrolle zu geraten. Ganz Berlin ist Risikogebiet.
  • In der Hauptstadt an der Spree sind ab dem 10. Oktober verschärfte Corona*-Regeln in Kraft - unter anderem eine Sperrstunde.
  • In den letzten 24 Stunden wurden 706 Neuinfektionen registriert. Negativ-Rekord seit Beginn der Pandemie
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 14. Oktober finden Sie hier.

Update vom 13. Oktober, 20.55 Uhr: In den vergangenen 24 Stunden wurden in Berlin 706 Neuinfektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 registriert. Seit Beginn der Pandemie gab es nie mehr Neuinfektionen innerhalb eines Tages in der Hauptstadt. Die meisten Neuinfektionen wurden in den ohnehin schon stark vom Coronavirus betroffenen Bezirken Mitte und Neukölln gemeldet. In letzterem steigt die 7-Tages-Inzidenz somit auf 171,3 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner.

Insgesamt wird für die Hauptstadt eine 7-Tages-Inzidenz von 71,5 angegeben. Somit steht die Corona-Ampel in Bezug auf die Inzidenz weiterhin auf rot. Der 4-Tage-R-Wert liegt hingegen nur noch bei 1,09. Seit Beginn der Pandemie haben sich in Berlin 19.033 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 236 starben an den Folgen von Covid-19.

Corona-Hotspot: Berlin kämpft mit irrem Foto gegen Maskenverweigerer - Intensivbetten werden knapp

Update vom 13. Oktober, 16.35 Uhr: Nachdem die bisherigen Maßnahmen der #Berlingegencorona-Kampagne des Berliner Senats wenig Wirkung gezeigt hatten, scheint die Hauptstadt die Geduld mit ihren Bürgern zu verlieren. In mehreren Berliner Lokalzeitungen schaltete die Regierung der Stadt eine neue Anzeige gegen Maskenverweigerer. Darauf zu sehen: eine ältere Dame mit einem Mund-Nasen-Schutz, grimmigem Blick und erhobenem Mittelfinger. Darüber steht geschrieben: „Der erhobene Zeigefinger für alle ohne Maske. Wir halten die Corona-Regeln ein.“

Corona in Berlin: Bundesweit geringste Zahl an freien Intensivbetten für schwere Corona-Erkrankungen

In Berlin stehen bundesweit die wenigsten freien Intensivbetten zur Verfügung, um kurzfristig schwer kranke Covid-19-Patienten zu versorgen. Angaben des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zufolge waren am Dienstag 190 Intensivbetten in den Berliner Krankenhäusern nicht belegt. Das entspricht einer Quote von 15,4 Prozent aller betreibbaren Intensivbetten in der Stadt. 

In Berlin wurden Patienten auf 1045 Intensivplätzen versorgt, davon 44 mit Covid-19. Damit hat Berlin die deutlich geringste Quote an freien Intensivbetten. In keinem anderen Bundesland stehen weniger als 23 Prozent der Intensivbetten leer. Ab einer Grenze von 10 Prozent raten Medizinexperten dazu, entgegenzusteuern. Dann müsse die Politik dafür sorgen, dass mehr Kapazitäten geschaffen werden, sagte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der DIVI, dem Tagesspiegel. „Unter fünf Prozent geht der wichtige Puffer zu Neige und damit droht eine Überlastung der Intensivkapazitäten, wenn mehr Patienten schwer an Covid-19 erkranken.”

Corona in Berlin: Klage von Wirt auf Entschädigung wegen Lockdown abgewiesen

Ein Berliner Wirt, der wegen Corona seine Kneipe für Wochen schließen musste, hat laut einer Gerichtsentscheidung keinen Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich vom Land. Der Kläger habe unter keinem rechtlichen Aspekt einen Entschädigungsanspruch, entschied das Landgericht am Dienstag in erster Instanz. Damit scheiterte die Klage des Kneipenbetreibers. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eine Berufung ist möglich.

Der Wirt wollte erreichen, dass das Land für entgangene Umsätze während der massiven Einschränkungen von Mitte März bis Mitte Mai zahlt. Nach Angaben seines Anwalts war es der erste Fall zu Entschädigungsansprüchen wegen Corona.

Corona in Berlin: Senat einigt sich auf 3.000 Euro Mietzuschuss für Wirte

Der Berliner Senat hat sich am Dienstag in einer Telefonschalte auf Eckpunkte für die Hilfen für die Gastronomie geeinigt. Das berichtete ein Sprecher von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Beschließen wolle man die Hilfen aber erst nach der Ministerpräsidentenkonferenz, zu der Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch geladen hat. „Es wird abgewartet, ob es möglicherweise noch Mittel vom Bund gibt, die dort beschlossen werden“, sagte der Sprecher.

Der Tagesspiegel berichtet von folgenden Eckpunkten, auf die sich der Senat geeinigt haben soll: Zielgruppe der Hilfe seien alle Unternehmen, die in der Gewerbedatenbank des Landes Berlin als Gastronomiebetriebe, in der Untergruppe Ausschank von Getränken, gemeldet sind. Laut Verwaltung sind das rund 2.500 Betriebe. Um Hilfe zu bekommen, müssen sie plausibel machen, dass ihre Umsatzeinbußen durch die kürzlich verhängte Sperrstunde existenzbedrohend sind.

In Ausnahmefällen könnten auch Unternehmen anderer Branchen, im Einzelhandel beispielsweise Spätverkaufsstellen, Anträge stellen. Sie müssten nachweisen, dass signifikante Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vormonat entstanden sind. Die Laufzeit des Programms sei beschränkt auf die Dauer der verschärften Corona-Regeln - also zunächst bis zum 31. Oktober 2020. Gewerbemietkosten von bis zu 3.000 Euro pro Betrieb sollen erstattet werden. 

Corona in Berlin: Weiterhin acht Bezirke mit 7-Tage-Inzidenz über 50

Update vom 13. Oktober, 10.14 Uhr: Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Dienstagmorgen 252 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden für Berlin gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt liegt bei einem Wert von 60,5 und überschreitet somit den Warnwert von 50 deutlich. Damit gilt Berlin weiterhin als Risikogebiet.

Nach den Angaben im Corona-Lagebericht der Berliner Senatsverwaltung überschreiten weiterhin acht Bezirke den kritischen Warnwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die 7-Tage-Inzidenz-Werte der betroffenen Bezirke im Überblick:

  • Neukölln: 138,8
  • Mitte: 103,2
  • Tempelhof-Schöneberg: 88,6
  • Reinickendorf: 69,4
  • Friedrichshain-Kreuzberg: 68,9
  • Charlottenburg-Wilmersdorf: 57,9
  • Steglitz-Zehlendorf: 52,9
  • Spandau: 52,3

Corona in Berlin: Familie missachtet Beherbergungsverbot

Update vom 12. Oktober, 16.59 Uhr: Die Corona-Werte in Berlin sind und bleiben kritisch. Die 7-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt ist zwischenzeitlich so hoch, dass sie in anderen deutschen Bundesländern als Risikogebiet behandelt wird. Für Berliner bedeutet das in der Realität: Keine innerdeutschen Reisen ohne negatives Testergebnis.

Das sogenannte Beherbergungsverbot gilt auch in Brandenburg. Den Ausflug dorthin wollte sich eine Berliner Familie aber nicht so einfach verbieten lassen. Wie der Tagesspiegel berichtet, mieteten sich die Eheleute mit ihren beiden Kindern über das Wochenende in einem Ferienhaus in Neuruppin ein.

Womit sie in der spärlich besiedelten Region wohl nicht gerechnet hätten: Am Abend klingelte plötzlich die Polizei. Die Behörden sollen von einem anonymen Hinweisgeber auf die Urlauber aufmerksam gemacht worden sein. Ohne wirkliche Nachbarn sicherlich eine große und unliebsame Überraschung für das Ehepaar.

Für die Kinder blieb die Überraschung indes aus, sie waren zum Zeitpunkt des Polizei-Besuchs schon im Bett. Auch deshalb hätten die Beamten es zunächst bei einer Verwarnung belassen und die Familie nicht sofort zur Heimreise aufgefordert. Von der Streife bekamen die beiden Eltern lediglich eine Belehrung über die geltenden Corona-Regeln. Ernstere Worte mit möglichen Folgen könnten auf sie aber dennoch zukommen. Das örtliche Gesundheitsamt soll nun entscheiden, ob der unerlaubte Aufenthalt in Brandenburg Konsequenzen für die Familie haben wird.

Update vom 12. Oktober, 13.34 Uhr: Kostenlose Corona-Tests für Berliner, die in den Herbstferien in Deutschland verreisen wollen, sind nicht absehbar. „Dazu ist bisher nichts geplant“, teilte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. In Berlin haben die Herbstferien an diesem Montag begonnen.

In den meisten Bundesländern dürfen Urlauber aus Gebieten mit Neuinfektionszahlen über der Grenze von 50 pro 100.000 Einwohner pro Woche nur dann beherbergt werden, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können.

Corona in Berlin: Polizei für erneute Einschränkung der Versammlungsfreiheit

Update vom 12. Oktober, 10.11 Uhr: Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen hat sich die Berliner Polizeipräsidentin, Barbara Slowik, für eine erneute Einschränkung der Versammlungsfreiheit ausgesprochen.

Allein im September seien in Berlin 1054 Versammlungen angemeldet worden, von denen mehr als 700 tatsächlich stattgefunden hätten. „Keine Stadt in Deutschland hat auch nur annähernd vergleichbare Zahlen.“

Steigende Corona-Zahlen in Berlin: Polizei für Beschränkung der Versammlungsfreiheit

„Wenn die Zahlen sich aber so weiterentwickeln sollten, denke ich, muss man dringend auch wieder darüber nachdenken, die Versammlungsfreiheit vorsichtig erneut einzuschränken, vielleicht wieder auch auf zum Beispiel 100 Personen“, sagte sie der Berliner Morgenpost (Montag). „Und mir ist sehr bewusst, welch hohes Gut die Versammlungsfreiheit ist, gerade in diesen Zeiten der Corona-Pandemie. Das ist auch unbestritten.“ Versammlungen seien auch in dieser Situation nach wie vor möglich, „aber eben nur begrenzt.“

Große Versammlungen und Demonstrationen führten dazu, dass Bürger aus dem ganzen Stadtgebiet an einem Ort zusammen kämen. Auch aus dem übrigen Land und dem Ausland reisten Menschen an, so Slowik. Zudem kämen die eingesetzten Sicherheitskräfte aus dem gesamten Bundesgebiet. „Große Versammlungen führen wirklich dazu, Menschen sehr konzentriert zu durchmischen. Das ist einfach so. Und das glaube ich, wird man irgendwann noch mal überdenken müssen.“

Corona in Berlin - Acht Bezirke überschreiten kritischen Wert

Update vom 12. Oktober, 9.55 Uhr: In den vergangenen 24 Stunden sind in Berlin 247 neue Corona-Infektionen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) verzeichnet worden (Datenstand: 12. Oktober, 0 Uhr). Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung überschreiten acht Bezirke den kritischen Warnwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Neukölln ist der Bezirk mit der höchsten Fallzahl in den vergangenen sieben Tagen. In der Altersgruppe der 30 bis 39-Jährigen gibt es derzeit die höchsten Fallzahlen. Für ganz Berlin liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 61,3.

Corona in Berlin: Diese Bezirke haben die 50er-Marke überschritten

  • Neukölln: 147,3
  • Berlin-Mitte: 103,2
  • Tempelhof-Schöneberg: 81,8
  • Reinickendorf: 64,2
  • Friedrichshain-Kreuzberg: 60,3
  • Charlottenburg-Wilmersdorf: 57,9
  • Spandau: 52,2
  • Steglitz-Zehlendorf: 50,0

Corona-Krise in Berlin: 7-Tages-Inzidenz steigt in ungeahnte Höhen - Bürgermeister: „Macht alles keinen Sinn“

Update vom 11. Oktober, 20.18 Uhr: Aufgrund der stark steigenden Zahlen gelten in Berlin aktuell neue, strengere Maßnahmen. Doch nicht nur die Sperrstunde steht bereits in der Kritik. Auch das Beherbergungsverbot müsse noch einmal diskutiert werden, kündigte Bürgermeister Michael Müller im ZDF an. Die Maßnahmen müssten bei der Ministerkonferenz am Mittwoch noch einmal beraten werden. „Beherbergungsverbote zum Beispiel zwischen Berlin und Brandenburg machen doch gar keinen Sinn“, so der Bürgermeister.

„Wir haben Hunderttausende Pendler jeden Tag. Die begegnen sich im Einzelhandel, im Nahverkehr, auf der Arbeit. Und dann darf ein Berliner aber zwei Tage nicht im Spreewald übernachten. Das macht alles keinen Sinn.“ Viele Bundesländer hatten zuletzt beschlossen, dass Reisende aus Gebieten, die den kritischen Inzidenzwert von 50 überschritten haben, einen maximal 48 Stunden alten, negativen Corona-Test vorlegen müssen.

Corona in Berlin: 7-Tages-Inzidenz steigt in ungeahnte Höhen - aber Sperrstunde wird vielerorts nicht eingehalten

Update vom 11. Oktober, 13.23 Uhr: Das Nachtleben in Berlin muss Pause machen. Seit Samstag um 0 Uhr gilt die vom Senat beschlossene Sperrstunde in Berlin. Die Berliner Polizei musste in der ersten Nacht der neuen Corona-Regelung an mehreren Orten Lokale schließen und private Feiern beenden. Mehrere lokale Medien berichten, laut rbb24.de von Verstößen. Einige Imbisse, Kneipen und Spätis seien trotz der Sperrstunde offen geblieben. Auf Anfrage soll die Polizei die Schließung mehrerer Betriebe bestätigt haben. Eine Bilanz mit Zahlen wolle die Polizei dann nach dem Wochenende vorlegen.

Corona in Berlin: Sechs Berliner Bezirke überschreiten kritischen Wert

Update vom 11. Oktober, 12.01 Uhr: In Berlin sind 273 neue Corona-Fälle nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) verzeichnet worden (Datenstand: 11. Oktober, 0 Uhr). Die 7-Tage-Inzidenz für gesamt Berlin liegt demnach bei 58,4.

Nach Angaben der Berliner Gesundheitsverwaltung überschreiten sechs Berliner Bezirke die kritische 50er-Grenze: Neukölln (130,3), Mitte (98,0), Tempelhof-Schöneberg (76,6), Friedrichshain-Kreuzberg (67,2), Charlottenburg-Wilmersdorf (54,7) und Reinickendorf (56,3). Steglitz-Zehlendorf ist mit einem Wert von 49,3 inzwischen sehr nah dran.

 „Ich finde dieses Berlin-Bashing überzogen.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)

Berlin ist wegen seines Vorgehens in der Corona-Krise unter Beschuss geraten. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) springt der Hauptstadt zur Seite. „Ich finde dieses Berlin-Bashing überzogen. Wer jetzt in der Corona-Krise auf andere zeigt, sollte sich klarmachen, dass schnell vier Finger zurück zeigen könnten“, sagte Kretschmer der Welt am Sonntag. Zwar räumt der Ministerpräsident ein, dass es befremdlich wirke, dass etwa der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain Hilfe bei der Nachverfolgung der Infektionsketten die Hilfe der Bundeswehr ablehne, aber gegenseitige Schuldzuweisungen halte er für Zeitverschwendung.

Coronavirus in Berlin: 7-Tages-Inzidenz steigt in ungeahnte Höhen - ein Bezirk besonders betroffen

Update vom 10. Oktober, 19.30 Uhr: Das Infektionsgeschehen in Berlin spitzt sich auch am Wochenende weiterhin zu. Wie aus dem aktuellen Corona-Lagebericht der Hauptstadt vom Samstag hervorgeht, wurden in den vergangenen 24 Stunden 273 Neuinfektionen registriert. Damit schraubt sich die 7-Tages-Inzidenz, die auch für die Einstufung einer Region als Risikogebiet entscheidend ist, weiter in die Höhe.

Auf 58,2 beläuft sich der Wert nun für die gesamte Stadt. Trauriger Corona-Spitzenreiter unter den Bezirken der Hauptstadt ist weiterhin Berlin-Neukölln. Dort steigt die 7-Tages-Inzidenz auf 130,3 Infizierte pro 100.000 Einwohner. Also deutlich mehr als das doppelte des bundesweit vorgegebenen Grenzewerts. Der R-Wert für die gesammte Stadt liegt derweil bei 1,23

Corona in Berlin: Infektionsgeschehen führt zu Sperrstunde in der Party-Hauptstadt

Update vom 10. Oktober, 13.30 Uhr: Deutschlands Party-Hauptstadt hat die erste Nacht mit Sperrstunde hinter sich gebracht. Doch die Gemüter in Berlin zu den neuen Einschränkungen in der Coronavirus-Pandemie haben sich noch nicht beruhigt.

Wo sonst bis in die Morgenstunden gefeiert, getanzt und gelacht wird, dort gingen Freitagnacht die Rollläden runter. Nun gilt auch in der deutschen Hauptstadt: Whiskey Sour gibt‘s nicht mehr die ganze Nacht. Bars, Restaurants und die meisten Geschäfte müssen zwischen 23.00 Uhr und 06.00 Uhr schließen. Draußen darf man nachts nur mit wenigen Leuten unterwegs sein. „Ernsthaft: Was soll diese beschissene Sperrstunde eigentlich bringen?“, flucht ein Typ auf Englisch, als er durch Neukölln läuft.

Bis eben waren die Bars dort gut besucht. Dann packen tatsächlich viele Betreiber ihre Tische zusammen. Fragt man die Leute, was sie davon halten, fallen die Meinungen unterschiedlich aus. „Ich bin froh, dass das jetzt so kommt“, sagt Ryan. „Es ist ja offensichtlich, dass die Leute sich nicht unter Kontrolle haben.“

Anders sieht das eine junge Frau. Sie halte das nicht für förderlich, weil sich die Partys einfach ins Private verlagerten - und damit die Kontaktverfolgung schwerer werde. Das Argument hört man auch aus der Gastroszene. „Ordnungsbehörden werden große Schwierigkeiten haben, die Hygieneregeln in Privatwohnungen oder in den über 2500 Parks und Gärten der Stadt zu kontrollieren“, warnte auch die Clubcommission.

Corona in Berlin: Sperrstunde in der Hauptstadt beschlossen - Gastronomen stellen Eilantrag

Update vom 9. Oktober, 14.25 Uhr: Mehrere Berliner Gastronomen gehen mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht gegen die vom Senat beschlossene Sperrstunde in der Hauptstadt vor. Ein Sprecher des Verwaltungsgerichts sagte auf Anfrage, der Antrag sei zwar eingegangen, mit einer Entscheidung sei aber voraussichtlich erst in der kommenden Woche zu rechnen. Nach Angaben von Rechtsanwalt Niko Härting wurde der Antrag zunächst für sechs Gastronomen gestellt, weitere sollten folgen.

In einem Auszug aus dem Eilantrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wird die Sperrstunde als unverhältnismäßig kritisiert. Es gebe keine überzeugende Begründung für die Schließung der Gaststätten um 23 Uhr. Von politischer Seite sei die Zunahme der Fallzahlen schließlich mit privaten Treffen und illegalen Partys begründet worden. Mit einer Sperrstunde für die Gastronomie werde eher ein gegenteiliger Effekt erreicht: Junge Menschen träfen sich dann an anderen Orten, für die keine Hygienekonzepte gelten, so die Argumentation. Das Ergreifen von Maßnahmen gegen ein weiteres Ansteigen der Corona-Fallzahlen wird in dem Antrag nicht grundsätzlich in Frage gestellt, dies sei „richtig und konsequent“.

Corona in Berlin: Bundespressekonferenz mit Bürgermeister Müller und Virologe Drosten

Update vom 9. Oktober, 10.40 Uhr: Damit ist die Pressekonferenz beendet - wir halten Sie in diesem Ticker weiter über die Neuigkeiten zur angespannten Corona-Lage in Berlin auf dem Laufenden.

Update vom 9. Oktober, 10.35 Uhr: Einen möglichen Lockdown sieht Drosten als „politische Frage“, sollte sich die Corona-Lage entsprechend entwickeln. Bei einer hohen Inzidenz steige der Handlungsdruck auf die Politik. Allerdings betont der Virologe: „Wir wissen viel Neues und können jetzt gezielter agieren.“ Das Effizienteste sei die Kombination zweier Elemente, stellte Drosten klar: die Maskenpflicht und gezielte Maßnahmen gegen Corona-Cluster. „Wir müssen als mitdenkende Bürger ein Cluster-Kontakt-Tagebuch führen“, um bei einer möglichen Infektion alle Kontaktpersonen erinnern zu können. So könnten Infektionsketten nachvollziehbarer gemacht werden, weil man mehr Kontakte angeben könnte, sagt der Virologe.

Müller erklärte zum Thema Lockdown, Aufgabe der Politik sei es, alle möglichen Varianten zu durchdenken. Auch in der Politik habe man sich weiterentwickelt und viel Neues dazugelernt. Das könne man nun in die Entscheidung über neue Maßnahmen einbeziehen, sagt der regierende Bürgermeister.

Berlins Bürgermeister Müller (links) und Virologe Christian Drosten bei der Bundespressekonferenz.

Corona-PK in Berlin: Müller kritisiert Reisebeschränkungen - Schichtbetrieb in Schulen möglich

Update vom 9. Oktober, 10.20 Uhr: Berlins Bürgermeister hat die beschlossenen Corona-Beschränkungen für Reisen in Deutschland kritisiert. „Diese Reisebeschränkungen helfen aus meiner Sicht nicht“, sagt der SPD-Politiker. Müller macht deutlich, dass er sich eine bundesweit einheitliche Regelung zu den Reisebeschränkungen im Inland wünscht: „Ich hoffe sehr, dass wir zu einem einheitlichen Verfahren kommen.“ Darüber hinaus sei es jetzt, wie bereits im Frühjahr wichtig, die Kontaktmöglichkeiten zu reduzieren, betont Müller. Jeder Einzelne solle sich hinterfragen, ob eine Reise zum jetzigen Zeitpunkt wirklich notwendig sei.

Um die Kontaktmöglichkeiten in den Schulen während der kalten Jahreszeit zu reduzieren sei ein Schichtbetrieb möglich, meint Müller. „Wir werden wahrscheinlich auch da um Verständnis bitten müssen für unkonventionelle Wege“, sagt er. Man schaffe gerade die technischen Geräte an, um mit neuen Belüftungs- und Warnsystemen zu arbeiten.

Corona-PK in Berlin: Müller bemängelt Unterbesetzung der Gesundheitsämter

Update vom 9. Oktober, 10.12 Uhr: In der aktuellen Lage müsse die Verwaltung in Berlin erneut umorganisiert werden, stellt Müller klar. Die Gesundheitsämter seien weiterhin unterbesetzt. Man habe zwar genügend Stellen und Geld in den Gesundheitsämtern, aber die Nachfrage nach diesen Stellen sei zu gering, erklärt Berlins Bürgermeister. Es gehe bei der Stellenbesetzung zwar voran, „aber wir können sie nicht so schnell besetzen, wie wir möchten“, sagt Müller. Er verglich die Situation mit dem Mangel an Pflegekräften in der Intensivmedizin.

Graf erklärte im Hinblick auf die Versorgung von Covid-19-Patienten, dass man sicherstellen müsse, dass die Kranken nicht nur versorgt, sondern auch richtig versorgt werden. Die Unterscheidung zwischen einer Corona-Erkrankung und einer Grippe-Erkrankung, sowie die Zahl der Infektionen unter den Mitarbeitern in Krankenhäusern werden entscheidende Faktoren sein, um die Lage in der kalten Jahreszeit zu kontrollieren, führt er weiter aus. Wenn das nicht gewährleistet sei, bringe die beste Infrastruktur nichts.

Corona-PK in Berlin: Drosten beklagt „Irrlichter“ in der öffentlichen Information

Update vom 9. Oktober, 10.06 Uhr: Im Nahverkehr, wo der 1,5-Meter-Abstand nicht möglich ist, solle man sich weiterhin an die Maskenpflicht halten, erklären Müller und Drosten einstimmig. Diese Regelung habe ihre Wirksamkeit gezeigt und sollte nicht hinterfragt werden, mahnt Drosten. Der Berliner Bürgermeister erklärt, dass das Arbeiten aus dem Home-Office zu einer zusätzlichen Entspannung der Lage im öffentlichen Nahverkehr führen könne.

Update vom 9. Oktober, 9.57 Uhr: Christian Drosten sagt, er verstehe die Diskussion über die Gefährlichkeit des Coronavirus, die sich über den Sommer entwickelt hat, nicht. Bei der Einschätzung der Gefährlichkeit des Coronavirus beklagte Drosten „Irrlichter“ in der öffentlichen Information. „Das Treffen der richtigen Entscheidungen eines jeden Einzelnen, weil er es verstanden hat, ist das, was uns retten wird“, erklärte der Virologe. Alle, die dazu fähig seien, sollen mithelfen, die Bevölkerung richtig zu informieren. Dies soll zur Hinterfragung der Informationen falscher Quellen führen, erklärt Drosten.

Corona-PK in Berlin: „Wir haben einen absoluten Mangel an Pflegekräften in der Intensivmedizin“

Update vom 9. Oktober, 9.52 Uhr: Professor Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt, erklärt, die aktuelle Corona-Entwicklung sei kein Berliner Problem. Die Zahlen in Frankfurt und Umgebung steigen mit zeitlicher Verzögerung ähnlich wie in Berlin. Er meint, dass, neben den aktuell mehrheitlich jungen Infizierten, mit zeitlicher Verzögerung auch vermehrte Infektionen in der Risikogruppe zu erwarten seien. Graf bekräftigt Kroemers Punkt, dass man genügend Intensivbetten in Deutschland habe. Durch das fehlende Personal bestehe aber die Frage nach betriebsfähigen Intensivbetten. Graf betont: „Es wird nur gemeinsam gehen.“

Update vom 9. Oktober, 9.47 Uhr: Professor Dr. Heyo Kroemer erwartet in Berlin verzögert eine ähnliche Entwicklung, wie in der französischen Hauptstadt Paris. Er appelliert für Zusammenhalt und die Zusammenarbeit. Professor Ulrich Frei, Vorstand der Krankenversorgung der Charité, sagt: „Wir haben einen absoluten Mangel an Pflegekräften in der Intensivmedizin.“ Unter seinen Mitarbeitern gebe es ebenfalls eine steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen, wodurch man zusätzlich Pflegekräfte verliere. Man habe in Deutschland genügend Intensivbetten, aber zu wenige Pflegekräfte in der Intensivmedizin.

Corona-PK in Berlin: Bürgermeister Müller sieht zwei große Gründe für steigende Zahlen

Update vom 9. Oktober, 9.40 Uhr: Bürgermeister Müller ergreift zuerst das Wort. „Wir müssen in dieser angespannten Situation ein besonderes Auge darauf haben, wie sich die Situation entwickelt“, sagt der Berliner Bürgermeister. Er sehe zwei große Gründe für die steigenden Corona-Zahlen. Zum einen seien dies Feiern in großen Gruppen. „Daraus entstehen weitere Infektionsketten“, warnt der Bürgermeister. Der zweite entscheidende Punkt seien seiner Meinung nach kleinere Feiern in geschlossenen Räumen, in denen die geltenden Regeln nicht beachtet werden. „Man muss diese beiden Situation im Blick haben“, erklärt Müller. Daher sei die Sperrstunde wichtig, um die Kontrolle zu behalten.

„Ich bitte um Verständnis für die Maßnahmen“, sagt Müller. „Wir sind in der Situation, wo wir schnell sein müssen, um die Situation zu beherrschen.“ Er appellierte an die Eigenverantwortung und insbesondere an die jüngeren Berlinerinnen und Berliner sich an die Regeln zu halten, um weitere Maßnahmen zu verhindern. „Wir haben es selbst in der Hand.“ Er betont, dass man einen Lockdown aus wirtschaftlichen, aber auch aus sozialen Gründen vermeiden möchte.

Update vom 9. Oktober, 9.25 Uhr: In einer Bundespressekonferenz sprechen unter anderem Berlins Regierende Bürgermeister, Michael Müller, und der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, über die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen in Berlin und weiteren deutschen Großstädten.

Update vom 9. Oktober, 7.49 Uhr: Freitagnacht tritt in Berlin eine nächtliche Sperrstunde in Kraft. Drinnen und draußen gelten strengere Kontaktverbote. Die meisten Geschäfte sowie alle Restaurants und Bars müssen von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr schließen. Im Freien dürfen sich von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr nur noch fünf Personen oder Menschen aus zwei Haushalten versammeln. An privaten Feiern in geschlossenen Räumen dürfen nur noch maximal 10 statt bisher 25 Personen teilnehmen. Zudem gibt es eine allgemeine Maskenpflicht in Büro- und Verwaltungsgebäuden.

Der Berliner Bezirk Neukölln führt aktuell die Liste der Corona-Hotspots in Deutschland an. Die 7-Tage-Inzidenz liegt laut RKI-Angaben bei 89,7. Zwei größere Hochzeiten haben wohl auch in dem Bezirk mit 330.000 Einwohnern die Corona-Fälle in die Höhe schnellen lassen. Die meisten Gäste der Feiern stammten aus Neukölln, sagte der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) der Berliner Zeitung. In den nächsten Wochen sind Hochzeitsgesellschaften und Familienfeiern mit mehr als 15 Personen tabu, doch Liecke habe jetzt schon Probleme, die geltenden Corona-Maßnahmen in seinem Bezirk zu kontrollieren.

Die Kapazitäten seiner Behörde reichten nicht aus. Seine bis zu 70 Mitarbeiter seien jetzt schon rund um die Uhr unterwegs um Lokale und Parks zu kontrollieren, sagte der Gesundheitsstadtrat. „Ich halte es für wichtig, wenn Polizei, Bundespolizei oder der Zoll die Kontrollen der Bezirke verstärken“, so Falko Liecke. Wenn nötig, solle Berlin andere Bundesländer mit derzeit weniger Corona-Fällen um Amtshilfe bitten, wie es schon bei Demonstrationen der Fall gewesen sei.

Update vom 8. Oktober, 16.40 Uhr: Eine der zentralen Kennzahlen zur Beurteilung der Corona-Lage ist in Berlin über den als problematisch definierten Wert von 50 gestiegen. Pro 100.000 Einwohner sind in den vergangenen sieben Tagen in der Hauptstadt 52,8 Neuinfektionen gemeldet worden, wie aus dem Lagebericht der Senatsgesundheitsverwaltung vom Donnerstag hervorgeht. In Hinblick auf mögliche Maßnahmen des Senats ist in Berlin allerdings ein eigenes Frühwarnsystem entscheidend. Damit wird nun die gesamte Hauptstadt als Risikogebiet angesehen.

Corona in Berlin: Gesundheitssenatorin mahnt davor, Testkapazitäten zu verschenken

Update vom 8. Oktober, 15.40 Uhr: Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hält es nicht für sachgerecht, wegen der Corona-Vorgaben bei innerdeutschen Urlaubsreisen nun womöglich viele Reisewillige zu testen. „Wir dürfen die Testkapazitäten jetzt nicht für Reisewillige verschenken. Die Kapazitäten brauchen wir woanders“, erklärte die SPD-Politikerin am Donnerstag im ARD-Mittagsmagazin.

Die Testkapazitäten müssten vorrangig für Menschen mit Symptomen, in Krankenhäusern und Pflegeheimen eingesetzt werden. „Ich habe immer gesagt: Pandemiezeit ist weder Partyzeit noch Reisezeit. Deswegen finde ich, auch wenn die Regelungen bundesweit unterschiedlich sind: Es ist jetzt einfach nicht die Reisezeit“, machte Kalayci ihren Standpunkt deutlich.

Corona in Berlin: Mehrheit in Deutschland befürwortet Sperrstunde

Zwei Drittel der Menschen in Deutschland befürworten die für Berlin beschlossene Einführung einer Sperrstunde ab 23 Uhr. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. 21 Prozent der Teilnehmer gaben an, eher für die Sperrstunde zu sein und 45 Prozent voll und ganz. Jeweils elf Prozent lehnten sie eher oder voll und ganz ab. Insgesamt nahmen 1.407 Personen an der Umfrage teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Auffällig sind die Unterschiede je nach Alter der Befragten. Beispielsweise sind 52 Prozent der über 55-Jährigen voll und ganz für die Sperrstunde, allerdings nur 23 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und nur 39 Prozent der 25- bis 34-Jährigen. Zudem finden mit 47 Prozent mehr Frauen als Männer, mit 43 Prozent, die Maßnahme sinnvoll.

Corona in Berlin: Amtsarzt hält 48-Stunden-Regelung bei Tests für schwer einhaltbar

Update vom 8. Oktober, 13.55 Uhr: Der Amtsarzt des Berliner Bezirks Reinickendorf, Patrick Larscheid, äußerte sich skeptisch zur Regelung, wonach Menschen aus einem Risikogebiet bei der Ankunft in einem Hotel oder einer Ferienwohnung einen maximal 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen sollen. Nach seiner Einschätzung dauere es oft mehr als 48 Stunden, bis das Ergebnis eines Corona-Tests vorliegt. „Die Untersuchung kann länger dauern, als es manchem recht ist. Diese 48-Stunden-Regelung, die an manchen Orten gilt, die dürfte schwierig einzuhalten sein“, erklärte Larscheid gegenüber der dpa.

„Sie schaffen es einfach nicht, so schnell einen negativen Test zu kriegen, weil sie das Ergebnis erst nach Ablauf von 48 Stunden bekommen. Und dann sind Sie noch nicht einmal verreist“, merkte der Amtsarzt an. Das passe schlecht zusammen. Die Zeitspanne, in der ein Testergebnis vorliege, sei in Berlin sehr unterschiedlich. „Wir arbeiten mit einem Labor des Robert Koch-Instituts zusammen. Wenn wir Glück haben, ist das Ergebnis am nächsten Tag da. Aber es dauert manchmal ein, zwei Tage länger. Klar ist, dass es auch Labore in Berlin gibt, die drei bis vier Tage brauchen.“

Corona in Berlin: Kapazität der Labore zu 95 Prozent ausgeschöpft

Update vom 8. Oktober, 10.26 Uhr: Durch den starken Anstieg der Corona-Zahlen in Berlin gibt es einen Ansturm auf Corona-Tests. Einem rbb24-Bericht zufolge war die Kapazität der Corona-Labore in der Hauptstadt in der vergangenen Woche bereits zu 95 Prozent ausgeschöpft. In der Woche bis zum 4. Oktober wurden nach Angaben der Fachgemeinschaft Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) rund 52.500 Proben auf das Coronavirus analysiert. Die Kapazitätsgrenze liegt in Berlin laut ALM-Geschäftsführerin Cornelia Wanke bei 55.080 Tests pro Woche.

„Die Labore arbeiten im Moment am Limit, um die Ergebnisse möglichst schnell zu liefern“, sagte Wanke zu rbb24. Sollte die Zahl der eingesendeten Proben in Berlin in den kommenden Wochen weiter zunehmen, sei mit ersten Verzögerungen bei der Ermittlung der Befunde zu rechnen, erklärte die ALM-Geschäftsführerin. „Die Tests sind ein begrenztes Gut, mit dem wir vor allem denjenigen helfen sollten, die Hilfe auch wirklich benötigen. Derzeit werden aber auch immer wieder Menschen ohne Symptome getestet, das belastet die Labore zusätzlich“, mahnte Wanke.

Am Mittwoch haben die Bundesländer ein bundesweites Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten verkündet. Das bedeutet, dass viele Berliner, die einen Herbst-Urlaub in Deutschland planen, in den meisten Bundesländern wohl einen maximal 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen müssen, um vom Beherbergunsbetrieb aufgenommen zu werden.

Corona in Berlin: Lange Schlangen und Wartezeiten bis zu vier Stunden vor Teststellen

Die hohe Nachfrage ist auch in den Berliner Arztpraxen spürbar, die sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) als Corona-Testpraxen angemeldet haben. Vor einigen dieser rund 100 Praxen bildeten sich lange Schlangen. Manche Patienten berichteten über Wartezeiten von bis zu vier Stunden.

Die ALM-Labore hoffen laut Wanke auf eine Entlastung durch die mögliche Einführung von Antigen-Tests. Der Vorteil daran sei, dass diese Tests nicht ausschließlich in Laboren analysiert werden müssten. „Angesichts des Pandemiegeschehens hoffe ich, dass Antigen-Tests bereits in wenigen Wochen vorhanden sein könnten“, sagte die ALM-Geschäftsführerin.

Der Regierende Bürgermeister Berlins Michael Müller verkündete bei einer Pressekonferenz die neuen Corona-Maßnahmen für die Hauptstadt.

Corona in Berlin: Experte warnt vor möglichen Engpässen bei Intensivbetten

Der Mediziner Christian Karagiannidis warnte vor möglichen Engpässen bei Intensivbetten für Corona-Patienten in der Hauptstadt. Die Zahl der Intensivbetten in Deutschland sei zwar grundsätzlich ausreichend, wegen der zunehmenden Fallzahlen deuteten sich allerdings mancherorts Engpässe an. Regional und insbesondere in den Großstädten - vor allem in Berlin - gebe es „schon deutliche Einschränkungen in den Kapazitäten“, sagte der zukünftige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DIIN) der Rheinischen Post.

Karagiannidis sei zwar sicher, dass die Intensivbettenkapazität in den kommenden Wochen ausreichend sei. „Allerdings könnte es regional in einzelnen Kliniken zu Überlastungen kommen, die dann von Kliniken im Umland aufgefangen werden muss. Hier muss sich die Bevölkerung in den kommenden Monaten darauf einstellen, dass intensivpflichtige Patienten auch durchaus über längere Strecken innerhalb Deutschlands verlegt werden müssen“, erklärte der Mediziner.

Corona in Berlin: Vier Bezirke überschreiten kritischen 7-Tage-Inzidenz-Wert

Erstmeldung vom 7. Oktober: Berlin - Am Mittwoch wurde in Deutschland bei der Zahl der Neuinfektionen ein neuer Höchstwert seit April erreicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete 2828 neue Corona-Fälle in den vergangenen 24 Stunden - 288 davon in Berlin. Die Lage in der Hauptstadt ist besorgniserregend. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder übten öffentlich Kritik an der Durchsetzung der Corona-Regeln in der Spree-Metropole. Berlins Bürgermeister Michael Müller konterte und reagierte mit neuen Maßnahmen, die am Samstag, den 10. Oktober, in Kraft treten.

Laut Lagebericht der Senatsgesundheitsverwaltung gab es in Berlin seit Beginn der Corona-Pandemie bislang 16.236 bestätigte Fälle. Besonders betroffen sind die Bezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. In diesen vier Bezirken liegt der kritische 7-Tage-Inzidenz-Wert* über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Mit 87,3 ist dieser Wert im Bezirk Neukölln am höchsten. Deutschlandweit überschreiten nach aktuellem Situationsbericht des RKI* lediglich sieben Kreise den kritischen Wert.

Corona in Berlin: Kritik von Markus Söder und Jens Spahn

In Folge der hohen Corona-Infektionszahlen haben die Bundesländer Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz die vier betroffenen Hauptstadt-Bezirke als Risikogebiete im Inland ausgewiesen. In diesen Bundesländern müssen sich Einreisende aus den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Diese kann durch Vorlage zweier negativer Testergebnisse verkürzt werden.

Aus der Politik wurde zuletzt Kritik an der Berliner Umsetzung der Corona-Regeln laut. „Mir macht die Berliner Situation ausdrücklich Sorgen. Ich befürchte, das ist am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit“, sagte der bayerische Ministerpräsident Söder am Dienstag vor einer Kabinettssitzung in München. Bundesgesundheitsminister Spahn erklärte, er könne nicht verstehen, dass es in Berlin Restaurants gebe, wo man mit Maske angeguckt werde, als wäre man vom Mond. „Es liegt nicht an zu wenig Regeln. Es liegt eher an der Frage, wo werden welche Regeln durchgesetzt. Und da geht zumindest in manchen Bereichen dieser schönen Hauptstadt, glaube ich, noch mehr“, kritisierte der CDU-Politiker.

Corona in Berlin: Bürgermeister Michael Müller wehrt sich gegen die Kritik

Auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend konterte Berlins Regierender Bürgermeister Müller die Kritik. Auf Söder bezogen sagte Müller: „Ich finde es unerträglich, dass einige Haltungsnoten geben.“ Er habe bewusst nicht breitbeinig in Talkshows gesessen oder Warnungen vor Reisen nach Bayern gegeben, obwohl dort tausende Corona-Tests verschwunden waren.

Auch gegen Spahn teilte Müller aus. „Dass Herr Spahn gestern eine traurige Geschichte erzählt, wie er in eine Berliner Kneipe geht und darum kämpfen muss, eine Maske tragen zu dürfen, das ist schon mal ein guter Anfang, dass er darum gekämpft hat“, sagte Berlins Bürgermeister. Er führte weiter aus: „Noch besser wäre gewesen, wenn er darum gekämpft hätte, dass alle in der Kneipe Maske tragen, oder er uns schnell einen Hinweis gibt, so dass wir schnell eingreifen können.“

Müller erklärte auf der Pressekonferenz: „Ich weiß, dass Berlin etwas zu tun hat, und ich finde, wir alle müssen auf allen Ebenen besser werden, aber keiner hat das Recht, mit dem Finger auf andere zu zeigen.“ Um die Corona-Zahlen in der Hauptstadt nach unten zu schrauben, beschloss der Senat eine Änderung der Infektionsschutzverordnung. Diese tritt am Samstag, den 10. Oktober, in Kraft und soll bis zum 31. Oktober gelten.

Corona in Berlin: Neue Maßnahmen ab dem 10. Oktober

Zu den neuen Corona-Maßnahmen zählt eine Sperrstunde in Bars, Kneipen und Restaurants zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Weitere Verkaufsstellen im Sinne des Ladenöffnungsgesetzes, beispielsweise Imbisse oder Kioske, sind in dieser Zeit ebenfalls zu schließen. Tankstellen sind davon ausgenommen, dürfen jedoch nach 23 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen. Zudem sind private Treffen über zehn Personen in privaten Räumlichkeiten verboten. Im Freien dürfen sich in Berlin während der Sperrstunde nicht mehr als fünf Personen treffen.

Im RBB-Inforadio verteidigte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci die Verschärfung der Corona-Maßnahmen. „Das ist das Nachtleben in Berlin, was uns Probleme bereitet hat in den letzten Tagen und Wochen“, sagte die SPD*-Politikerin. Die Botschaft sei insgesamt klar: „Die Zeit der Geselligkeit ist vorbei. Die Lage in Berlin ist ernst.“ Berlins Bürgermeister Müller richtete sich mit einer Bitte an die Bevölkerung: „Ich bitte um Verständnis und Mithilfe in jedem Lebensbereich, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.“ (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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