„Justin hat ...“

Trinkverbot an Schulen? Schüler bekommt „Missbilligung“ - aus scheinbar haarsträubendem Grund

In Hessen erhielt ein Schüler eine „Missbilligung“, weil er auf dem Schulhof einen Schluck aus seiner Flasche nahm. Der umstrittene Brief verbreitete sich auf Facebook.

Niddatal - Die Regeln zur Corona-Bekämpfung sorgen stetig für Kontroversen, sei es die Maskenpflicht oder die Kontaktbeschränkungen. Ein Schüler aus Hessen hat nun offenbar gegen eine Regel verstoßen und eine schriftliche „Missbilligung“ erhalten. Der Facebook-Posts mit dem fotografierten Schulbrief verbreitete sich kürzlich auf dem sozialen Netzwerk. Denn die Regel erscheint einem auf den ersten Blick fragwürdig: Der Schüler erhielt die Rüge, da er auf dem Pausenhof aus einer Flasche trank.

Heißt das, in Schulen gibt es nun ein Trinkverbot? Das schiene gerade bei warmem Wetter, aber auch unabhängig von der Witterung, gesundheitlich äußerst fragwürdig. Viele Nutzer der Plattform regten sich deshalb über das Schreiben auf.

Corona-Regel: Trinkverbot an Schulen? Faktenchecker prüfen den Rüffel

Die Abmahnung der Geschwister-Scholl-Schule in Niddatal, in der es heißt „Justin hat am 28.8.2020 in der 2. großen Pause sein am Kiosk gekauftes Getränk auf dem Schulgelände getrunken“, ist echt. Das fand das Factchecking-Team der dpa heraus. Das zuständige Schulamt bestätigte auf Nachfrage, dass die Abmahnung tatsächlich erteilt wurde.

Dass ein Trinkverbot in der Schule besteht und die Schüler somit den ganzen Unterricht über ohne Wasser verbringen müssen, ist falsch. Die Regelung gilt lediglich für die Pausen auf dem Schulhof.

Corona-Maskenpflicht lässt an hessischer Schule Wassertrinken nicht zu

In Hessen, aber auch in anderen Bundesländern, gibt es in Schulen aufgrund des Coronavirus* eine Maskenpflicht. Sie gilt auf dem Schulhof und auf dem Schulgelände, nicht aber im Klassenraum. Da der von der Abmahnung betroffene Schüler auf dem Schulhof seine Maske abnahm, um an der Flasche trinken zu können, verstieß er gegen diese Corona*-Hygienemaßnahme. Es habe sich sogar schon um die zweite Missachtung der Regel handeln, aus welchem Grund die Schule eine handelte.

"Wir werden Kindern sicher nicht untersagen, etwas zu trinken. Das ist Unsinn", bestätigte Stefan Löwer, Sprecher des hessischen Kultusministeriums, gegenüber der dpa. Jedoch ergebe sich aus der Maskenpflicht*, dass Kinder in der Pause auf dem Schulhof ihren Mundschutz tragen müssen. Dennoch sei nicht grundsätzlich verboten, dass Kinder zum Trinken kurz die Maske abnehmen und sie danach wieder aufsetzen, wie Löwer erklärt.

Offenbar gilt diese Regel allerdings nicht für die Geschwister-Scholl-Schule, von der der bei Facebook veröffentlichte Brief stammt. Gemeinsam mit dem Elternbeirat habe sie sich darauf geeinigt, dass in den beiden 15-minütigen Pausen auf dem Schulhof weder gegessen noch getrunken werden darf. Stattdessen dürfen die Kinder während der Schulstunden trinken.

Zudem gebe es in den Klassen eine Frühstückspause ohne Maskenpflicht. „Dies bedeutet, dass die Kinder lediglich zweimal 15 Minuten nicht trinken dürfen, sonst während des Schulvormittags schon“, schrieb die stellvertretende Schulleiterin der besagten Schule, Kerstin Bauschke, in einer Stellungnahme. *Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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