Erste Woche der Corona- Ausgangsbeschränkungen

Salzburger Altstadt wie ausgestorben - andere Regeln für Grenzübertritt

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Seit einer Woche gelten in Österreich Ausgangsbeschränkungen, Cafés und Restaurants sind geschlossen, die sonst überlaufenen Hotspots in der Stadt sind weitgehend menschenleer.

Salzburg - Nach einer Woche Ausgangsbeschränkungen in Österreich steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus zwar nach wie vor an, nach Angaben des österreichischen Gesundheitsministers Rudolf Anschober sind die täglichen Anstiegsraten von 40 Prozent und aber auf zuletzt 20 Prozent zurückgegangen.

In Stadt und Land Salzburg erhöhte sich die Zahl der bestätigten Corona-Patienten auf 224, Stand Sonntag, 8 Uhr, auch hier hat sich die tägliche Zuwachsrate auf rund 20 Prozent eingependelt. Von diesen 224 Personen sind 16 in stationärer Behandlung, davon fünf auf der Intensivstation. Mit 80 Infizierten ist der Pongau am meisten betroffen. Insgesamt sind sechs Gemeinden im Gasteinertal, im Großarltal sowie Flachau seit Mittwoch Mitternacht unter Quarantäne, betroffen sind rund 20.500 Einheimische, alle Gäste sind seit dem 15. März abgereist.

Erste Medikamente stehen für Patienten bereit

In einem Live-Stream der Uni-Klinik hat der Leiter des Corona-Krisenstabes Prof. Richard Greil am Freitag darauf hingewiesen, dass die Medikamentenforschung schon sehr weit gediehen sei und dem Uniklinikum zwei Medikamente zur Verfügung stehen würden mit Wirkstoffen aus der Krebsmedizin und gegen Ebola. “Die schweren Fälle können jetzt besser medikamentös behandelt werden als anderswo vor zwei Wochen”. Eines der beiden Medikamente kann den Entzündungssturm signifikant bremsen, „damit kann eine fast 90-prozentige Verminderung der Schwere der Erkrankung erreicht werden“. Dieses Medikament steht dem Uniklinikum durch seine Teilnahme an Studien zur Krebsforschung zur Verfügung, derzeit werden zwei Corona-Patienten auf der Intensivstation damit behandelt. Das zweite ist ein virostatisches Medikament, das die Atemnot stark verringert. Trotzdem fordert Greil, dass die restriktiven Maßnahmen im Sozialleben weiterhin strikt eingehalten werden müssen.

Vier Drive-In-Teststationen

Neben 200 Intensiv-Betten im Covid-Haus am Gelände des Landeskrankenhauses hat das Land weitere Betten für leicht bis mittelschwer erkrankte Patienten vorbereitet, so zum Beispiel 400 Betten in den Messehallen, hier ist ein Ausbau bis zu 1600 möglich. Derzeit sind 16 Patienten stationär im Covid-Haus aufgenommen, davon fünf auf der Intensivstation. Auch die Drive-In-Teststationen werden weiter ausgebaut, neben den beiden Rot-Kreuz-Stationen am EM-Stadion und in Zell am See bauen nun auch weitere Anbieter solche Stationen auf, zum Beispiel am Sonntag der Samariter- Bund am PR-Platz bei Salzburg-Süd. Die Zufahrt wird auch hier von der Polizei kontrolliert, Patienten werden entweder vom Hausarzt oder von der österreichweiten Hotline 1450 je nach Symptomen zugewiesen.

Unterschiedliche Regeln für Grenzübertritt

Seit Donnerstag kontrolliert die österreichische Polizei auch die Einreise nach Österreich an den offenen Grenzübergängen wie zum Beispiel Walserberg- Autobahn, Saalbrücke zwischen Freilassing und Salzburg sowie nach einigem Hin und Her auch die Länderbrücke zwischen Laufen und Oberndorf. Im Unterschied zu Deutschland müssen alle Personen, die aus Deutschland nach Österreich einreisen wollen, ein ärztliches Zeugnis über ihren Gesundheitszustand mit sich zu führen und vorzuweisen, dass der molekularbiologische Test auf SARS-CoV-2 negativ ist. Das ärztliche Zeugnis darf bei der Einreise nicht älter als vier Tage sein. Personen, die ein solches Zeugnis nicht vorlegen können, wird die Einreise verweigert. Ausgenommen von dieser Regelung sind ausgewiesene Berufspendler sowie im Waren- und Güterverkehr beschäftigte Personen. Österreicher die ohne Gesundheitsattest einreisen müssen sich in eine 14-tägige Isolation begeben.

Innenstadt wie ausgestorben

Die seit einer Woche geltenden Ausgangsbeschränkungen wirken, so ist zum Beispiel die Altstadt von Salzburg fast wie ausgestorben, an den sonnigen Tagen am Ende der Woche waren, wie erlaubt, allerdings zahlreiche Personen alleine spazieren oder mit der Familie, also Personen mit denen sie ohnehin zusammenleben. Eine verstärkte Polizeipräsenz ist in der Stadt nicht zu bemerken, trotzdem hat es in der ersten Woche alleine in Stadt und Land Salzburg 139 Anzeigen gegeben, „also Anzeigen für Personen, die sich trotz vorheriger Information und Erklärung nicht an die Ausgangsbeschränkungen halten wollten“, so Hans Wolfgruber von der Polizei in Salzburg. In Österreich sind bei einer Nichtbeachtung der Ausgangsbeschränkungen Verwaltungsstrafen bis zu 3600 Euro vorgesehen. „Es gibt aber auch ältere Personen die von der Ausgangssperre noch nichts mitbekommen haben oder sie aufgrund ihrer Erkrankung wieder vergessen haben“. Auch wenn die Zahl von Verkehrsunfällen mangels Autoverkehr zurückgeht müssen die Streifen öfters zu „Eskalationen im familiären Bereich“ ausrücken, „allerdings reicht hier meist eine Streitschlichtung“.

Um die Polizeibeamten bei den Einreisekontrollen zu unterstützen sind seit Samstagabend auch 110 Soldaten aus der Steiermark am Walserberg und anderen Grenzübergängen zwischen Salzburg und Bayern im Einsatz, „sie sind als Assistenzkräfte der Landespolizeidirektion Salzburg unterstellt“, so Rene Auer vom Militärkommando Salzburg. Sollten die Grenzkontrollen und damit der Assistenzeinsatz länger andauern werden die Soldaten aus der Steiermark später von Soldaten aus Salzburg abgelöst, die derzeit noch in der Ausbildung sind.

hud

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